Impressionen vom Samstag (live bei Rock am Ring, 2019) Fotostrecke starten

Impressionen vom Samstag (live bei Rock am Ring, 2019) © Peter H. Bauer

Der Samstag bei Rock am Ring 2019 steht ganz im Zeichen des Live-Comebacks der Ärzte auf deutschem Boden. Und BelaFarinRod enttäuschen nicht. Das ist aber nicht die einzige Story des Tages.

Die Nacht von Freitag auf Samstag ist sehr windig, weshalb sich die Partys auf den Zeltplätzen in Grenzen hielten. Als es dann ab Mittags einen angenehmen Mix aus Sonne und Wolken gibt, liegt der Fokus der Fans aber wieder auf dem Wesentlichen: Feiern als gäbe es kein Morgen. Den ganzen Tag lag eine besondere Stimmung in der Luft, die sich auf ein Wort reduzieren lässt: BelaFarinRod.

Die beste Band der Welt ist nach zwölf Jahren endlich zurück am Ring, um ihr seit genau einem Jahr angekündigtes Comebackwochenende bei Park und Ring perfekt zu machen. Bis zur Headlinershow der Ärzte muss aber noch Zeit überbrückt werden.

Die Qual der Wahl

Fans von Punkrock und Metal haben es schwer. Auf der Volcano Stage spielen Feine Sahne Fischfilet und die Dropkick Murphys, auf der Crater Stage machten Bands wie Trivium oder Architects das Infield dem Erdboden gleich. Walls of Death und Circle-Pits vor, Feuerfontänen auf der Bühne – hier kommt jeder Metalhead auf seine Kosten.

Die wohl schmerzhafteste Überschneidung des gesamten Wochenendes sind am Abend Slayer und Die Ärzte. Die Frage, die sich für viele stellte war, ob man eine Show der Abschiedstour einer der legendärsten Metalbands überhaupt oder das Comeback einer der bekanntesten deutschen Bands sehen will. Bei dem Angebot können einem die Acts, die nachmittags auf der kleinen Alternastage spielen fast schon ein wenig leidtun. Der Zulauf hier ist eher gering.

Ein Set für die Ewigkeit

Feine Sahne Fischfilet spielen derweil ein Set für die Ewigkeit. Die beiden Bereiche vor der Hauptbühne, die zusammen für 21.000 Fans Platz bieten, sind bis auf den letzten Zentimeter gefüllt. Auf dem allgemeinen Feld dahinter befinden sich mindestens nochmal doppelt so viele Menschen. Die Nordlichter sind mittlerweile das dritte Mal am Ring und das erste Mal auf der Hauptbühne.

Sänger Monchi kann den Zuspruch nicht wirklich fassen und die Zeile "Ich kann immer noch nicht singen und spiel' jetzt bei Rock am Ring" aus dem 2018er Song "Alles auf Rausch" spricht für sich. Eine unglaubliche Party. Wer das Privileg hat, das Treiben von der sagenumwobenen Tribüne aus zu beobachten, erkennt das Ausmaß dieser Show erst richtig. Kein Fuß im Infield steht still. Zehntausende Menschen tanzen, springen oder liegen sich in den Armen. Gänsehaut pur!

Die Party vor dem Sturm

Die Dropkick Murphys legen nach. Die Partylaune vor der Bühne ist weiterhin gut, jedoch nicht mit der bei Feine Sahne Fischfilet zu vergleichen. Als dann jedoch nach einer guten halben Stunde der vielleicht beste Murphys-Song "The State of Massachusetts" kommt, sind wieder alle voll auf Sendung.

Die Band ist gut aufgelegt und vor allem Sänger Al Barr sorgt mit einigen Ansagen in fast fehlerfreiem Deutsch für Sympathie. Da macht das Finale mit dem Festivalklassiker "Shipping up to Boston" extra viel Spaß.

Gegengewicht zu den Ärzten

Bring Me The Horizon wirken im Anschluss musikalisch etwas schlecht platziert und hätten auf der Crater Stage vermutlich mehr Anklang gefunden. Die Produktion ist nämlich durchaus eindrucksvoll, jedoch merkt man, dass die meisten nur auf Die Ärzte warten und die Briten auf dem Weg dahin mit verspätetem Beginn eher im Wege stehen.

Währenddessen nutzen viele die Möglichkeit ein paar Minuten von Sabaton zu erhaschen, bevor 45 Minuten später die beste Band der Welt ihr triumphales Comeback feiern wird. Die Schweden stellen kurzerhand einen Panzer auf die Bühne und bringen die Leute mit ihren historischen Texten und energiegeladener Musik zum Ausrasten. Coole Show mit Hammer-Effekten.

Vor der Volcano Stage ist es bis zum Erbrechen gefüllt. Schon seit Stunden hat man keine Chance mehr, in eine der beiden vorderen Wellen zu kommen. Es ist angerichtet...

Das Comeback des Jahres

Um genau 22:39 Uhr ist es dann soweit. Die Lichter gehen aus und die ersten Zeilen von "Unrockbar" ertönen. Dann fällt der Vorhang und Die Ärzte sind endlich zurück. Es gibt kein Halten mehr und es folgen die Hits "Wie es geht" und "Wir sind die Besten". Die Show bietet alles, was man von einem Ärzte-Konzert erwartet: La-Olas, Mitsingspielchen und vor allem ohne Ende alberne Witze. Bela und Farin sind sprüchemäßig in Topform und steigern sich immer mehr, je länger der Auftritt dauert.

Die Ärzte spielen alte Songs wie "2.000 Mädchen" und verhältnismäßig neuere Hits wie "Lied vom Scheitern" oder "Fiasko". Es folgt der typische Seiten- und Instrumentenwechsel von Rod und Farin, bei dem Rod bei "Sohn der Leere" zeigt, was für ein unglaublich guter Gitarrist er ist. Sein Solo am Ende des Liedes ist großartig. Abgesehen davon bleibt der Bassist den Rest des Konzerts relativ blass und der Auftritt entwickelt sich zur Zwei-Mann-Show von Farin und Bela.

Spätestens als gegen Mitte "Himmelblau" kommt, ist die Gänsehaut perfekt. Was für ein unfassbar schöner Song! Vor der Zugabe spielt die beste Band der Welt noch "Deine Schuld", "Schunder-Song" und die neue Single "Abschied". Es ist der Wahnsinn, wie textsicher das komplette Publikum bei allen Liedern ist. Egal ob ruhige Sachen wie "Der Graf" oder schnelles Zeug wie "Heulerei": Jedes Wort sitzt. Das Feld vor der Volcano Stage ist bis nach ganz hinten voll wie eine Sardinenbüchse, die Stimmung überall toll.

Alle Hits in der Zugabe

Statt wie früher meistens 2-3 Zugaben spielen die Ärzte heute lieber eine lange – eine gute Entscheidung. Als erstes kommt "Schrei nach Liebe", worauf der ganze Ring gewartet hat. Es folgen "Westerland" und "Zu spät" und der Abend hat seinen Höhepunkt erreicht. "Rebell", "Junge", "Revolution" und "Dauerwelle vs. Minipli" schließen dieses tolle Set.

Bela, Farin und Rod haben alle Erwartungen bestätigt und lassen ein erschöpftes aber hoch zufriedenes Publikum zurück. Die sechsjährige Warterei hat endlich ein Ende gefunden und die Gerüchteküche brodelt, wann denn endlich das neue Album kommt. Im Hinblick auf eine Deutschland-Tour ist sicher, dass sie frühestens 2020 stattfindet, da die Auftritte bei Rock am Ring und Rock im Park in diesem Jahr die einzigen hierzulande waren.

Auf in die Partynacht

Bei so einem Tag haben es Die Antwoort als Rausschmeißer auf der Crater Stage naturgemäß schwer. Die Südafrikaner geben aber wie gewohnt alles und überzeugen die Dagebliebenen mit einer energetischen und mitreißenden Liveshow.

Allerdings ist die Musik aber auch etwas anstrengend und eine Show, die länger als die hier dargebotenen 70 Minuten dauern würde, wäre wohl nur echte Fans ein Genuss. Da es aber deutlich windstiller ist als gestern, verabschieden sich viele Gäste in eine partyreiche Nacht auf den Campingplätzen. Ein toller Samstag bei Rock am Ring 2019.

Das könnte Sie auch interessieren