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Backstreet Boys (live in Mannheim 2019) © Torsten Reitz

Die Backstreet Boys feiern in der ausverkauften SAP Arena Mannheim eine rauschende Party mit ihren Fans. Das weibliche Zielpublikum bekommt alles geboten, was sie erwartet haben. Nur eines fehlt letztlich.

Seit 26 Jahren stehen die Backstreet Boys auf den Bühnen der Welt und sind noch immer extrem erfolgreich – die gesamte Deutschlandtour 2019 ist ausverkauft. Die Fans, vornehmlich jung und weiblich, himmeln sie unverändert an und verwandeln jede Konzertarena in ein Tollhaus.

Das Konzept der gutaussehenden Jungs, die immer nett lächeln, gut singen und sich cool bewegen können, ist komplett aufgegangen – warum also etwas ändern? Machen sie auch nicht: Sie ziehen ihr altbewährtes Programm auch nach 26 Jahren konsequent durch.

Das Opening

Durch die Halle ballert ein voll aufgedrehter Sound, als zur Melodie von "Everyone" die Rückwand nach oben fährt und unter dem Video die Backstreet Boys erscheinen. In langen, schwarzen Outfits singen sie "I Wanna Be With You" und tanzen, streng durchchoreographiert, von links nach rechts und zurück.

Die Mischung ist wie erwartet: Viele gefühlvolle Balladen, leichter Pop und schnelle Powersongs wie "Get Down (You're The One For Me)", die das Lebensgefühl der 90er Jahre perfekt transportieren.

Hervorstechend

Heraus sticht aus der Gruppe mal wieder AJ, der nicht nur die besten Soloeinlagen beim Gesang wie bei "More Than That" hinlegt, sondern auch mit den schrägsten Outfits punktet. Sein heller Hut zum grünkarierten Flanell-Karohemd und rotkarierten Halstuch wirkt beinahe, als ob er Justin Timberlakes "Man Of The Woods"-Outfit geklaut hätte.

Die angedeutete Luftgitarre bei "Incomplete" täuscht nicht darüber hinweg, dass der Sound in der Arena komplett vom Band kommt – eine Live-Band sucht man in der SAP Arena leider vergebens.

Langer Weg zum Endspurt 

So wird ein Song nach dem anderen gesungen, ohne dass sich das Grundkonzept maßgeblich ändert. Mal tanzen die Jungs vor einem Wasserfall auf dem Video, mal liegen AJ und Kevin entspannt auf der Bühne, während ihre Kollegen bei "Shape Of My Heart" um sie herum tanzen. Ein bißchen Deutsch wird auch eingebaut, denn AJ weiß, was Frauen hören wollen: "Ich will Dich küssen".

Der witzigste Teil ist die Umkleidekabine von Kevin und AJ, die vor "Passionate" auf der Bühne ihr Outfit wechseln und anschließend ein paar Unterhosen ins Publikum werfen, nachdem vorher schon die BH's auf die Bühne geflogen kamen. Auf diese Weise nimmt die Show ihren Lauf – vom laut mitgesungenen "Quit Playing Games" bis zur Schmachtballade "I'll Never Break Your Heart".

Feuer Frei zum Finale

Ganz in weiß gekleidet ist "Everybody (Backstreet's Back)" der Startschuß für ein energiegeladenes Finale. Mit der Power dieses Dance-Klassikers brennt erstmals die Hütte so richtig. Der Rhythmus von "We've Got It Goin' On" lässt das Publikum in der Arena tanzen. So geht es mit Vollgas weiter, kurz unterbrochen vom sanften "I Want It That Way", bis zum mit Feuerwerk und Highspeedsound gekrönten "Larger Than Life".

Es ist eine Show von 2 Stunden. in denen die Backstreet Boys mit ihrer "DNA" Tour genau das liefern, was ihre Fans seit 26 Jahren lieben und was man vorher genau so erwarten konnte – aber eben halt nur das und nichts anderes. Kritik an einer Band zu üben, die mit ihrem Konzept so viel Erfolg hat, ist immer schwierig. Dennoch fehlt letztlich vor allem eins – der Überraschungseffekt.

Fehlende Entwicklung

Man sieht keine Entwicklung wie bei Justin Timberlake oder wie bei den noch etwas älteren New Kids On The Block, die immer noch wissen, wie sie ihre weiblichen Fans bedienen können, sich jedoch trotzdem ihrem Alter entsprechend angepasst haben. Die Backstreet Boys dagegen scheinen an ihrer Jugend so weit wie möglich festhalten zu wollen und musikalisch fehlt der Mut, mal etwas zu riskieren. 

So ist die Show perfekt rundgelutscht und glatt gebürstet, es fehlen aber Ecken und Kanten. Einen Überraschungsmoment oder echten "Wow-Effekt" sucht man vergeblich. Es ist auch mit den neuen Songs noch immer dieselbe Show wie vor 26 Jahren.

Setlist:

Everyone / I Wanna Be With You / The Call / Don't Want You Back / Nobody Else / New Love / Get Down (You*'re The One For Me) / Chateau / Show Me The Meaning Of Being Lonely / Incomplete / Undone / More Than That / The Way It Was / Chances / Shape Of My Heart / Drowning / Passionate / Quit Playing Games (With My Heart) / As Long As You Love Me / No Place / Breathe / Don't Wanna Lose You Now / I'll Never Break Your Heart / All I Have To Give / Everybody (Backstreet's Back) / We've Got It Goin' On / It's Gotta Be You /That's The Way I Like It / Get Another Boyfriend / The One / I Want It That Way // Don't Go Breaking My Heart / Larger Than Life

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