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Morcheeba (live in Wiesbaden 2019) © Torsten Reitz

Nein, die Zuschauer in der gut gefüllten halle02 in Heidelberg erwartet keine große Überraschung: Morcheeba spielen eine solide Show mit starkem Fokus auf ihre populärsten Songs.

Morcheeba bevölkern im Vergleich zu Massive Attack sozusagen die andere Seite des Trip Hops. Während letztere heute sich politisch und unnahbar präsentieren, stehen Morcheeba für lockere Stimmung und Melodien zum Mitsingen und Tanzen.

Die große Ruhe

So ist es kein Zufall, dass im Mittelpunkt ihrer aktuellen Tour ihr wohl bestes Album "Big Calm" steht, das inzwischen auch schon mehr als 20 Jahre auf dem Buckel hat. Auch ansonsten vertraut das Duo aus Sängerin Skye Edwards und Gitarrist Ross Godfrey plus Band ihren bekanntesten Songs aus mehr als zwei Jahrzehnten Bandkarriere. 

Das Konzerte benötigt etwas Zeit, um in die Gänge zu kommen, was vielleicht am etwas halligen Sound liegt. Schon bei "Friction" vermag Ross Godfrey mit einem Gitarrensolo zu beeindrucken, was ihm im Verlauf des Abends immer wieder gelingen wird.

Keine Experimente

"Part of the Process" umschmeichelt die Zuschauer so einnehmend wie 1998 und auch "The Sea" vermag mit seiner entspannten Atmosphäre Wohlbefinden zu verbreiten. Bisweilen geht die Band allerdings ein wenig zu sehr auf Nummer sicher und verlässt sich zu sehr auf die Ausstrahlung von Skye als Sängerin. Etwas mehr Mut zum Risiko wäre schön.

Aber Morcheeba haben nie die Grenzen des Genre ausgelotet wie Massive Attack oder auch Portishead, sondern segeln konsequent, wenngleich etwas bedächtig in ruhigem Fahrwasser. Aber sie vermögen aufzudrehen, wenn es an der Zeit ist.

Aufgedreht 

Mit dem reduzierten "Slow Down" ändert sich dann unvermittelt die Stimmung. Skye steht in einem roten Lichtvorhang und spielt geschickt mit den roten Lichtstrahlen, die von der Decke fallen. Ihre kraftvoll anschmeichelnde Stimme durchdringt den ganzen Raum und die einsame Gitarre verleiht dem Song eine eindringliche Atmosphäre.

Das anschließende David Bowie Cover "Let's Dance", ein fester Bestandteil ihrer Shows, hält die Energie hoch und leitet den besten Teil des Abends ein.

Die besten Momente

Das laszive "Blindfold" befeuert die Partystimmung und "Let Me See" wird zum besten Song des Abends. Skye singt mit dem Publikum, die Band zelebriert ihren Sound mit einem Keyboard-Solo, treibender Bass-Gitarre und einem toll aufspielenden Ross Godfrey, der mit seinen Gitarrenriffs großartig aufdreht.

Ein besonderes Highlights des Abends ist die Lichtshow, die ähnlich wie das Konzert im Verlauf des Abends immer mehr aufdreht und Sängerin Skye gekonnt inszeniert. Die wiederum weiß sich zu präsentieren, indem sie im strahlenden Licht zum Schattentanz ansetzt.

Tanzbarer Abschluss

Die Zugabe ist ein Hauch von Hollywood. Passend zur bevorstehenden Oscarnacht haucht Skye den Zuschauern ein sexy "I Wanna Be Loved By You" um die Ohren. Mit den Klängen von "Rome Wasn't Built In A Day" ist die Band gerade richtig gut im Flow, da ist die Show leider schon zu Ende.

Morcheeba waren nie eine Band für epische Konzerte, aber die Zuschauer hätten gerne noch ein paar Songs erlebt, um die aufgebaute Energie voll herauszulassen. So bleibt es ein solides Konzert, dessen Stärke sich vor allem im zweiten Teil zeigte. 

Setlist

Never Undo / Friction / Never An Easy Way / Otherwise / Part Of The Process / The Sea / Trigger Hippie / Blaze Away / Blood Like Lemonade / Slow Down / Let's Dance / Blindfold / Let Me See // Summertime (I Wanna Be Loved By You) / It's Summertime / Rome Wasn't Built In A Day

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