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Glenn Hughes (live in Bensheim 2018) © Torsten Reitz

Zwei Stunden spielen Glenn Hughes und Band im ausverkauften Bensheimer Musiktheater Rex Klassiker seiner früheren Band Deep Purple. Ironischerweise ist der Schwachpunkt eines gelungenen Abends ausgerechnet der Gesang der "Voice of Rock".

Glenn Hughes ist ein alter Hardrockveteran, wie er im Buche steht. Seit den späten 1960ern ist der inzwischen 66-Jährige aus der Musikindustrie kaum noch wegzudenken, obwohl es wegen seiner zahlreichen Drogenprobleme in den 1980ern zwischenzeitlich etwas ruhiger um den Mann geworden war, der nicht völlig zu Unrecht ehrfürchtig "The Voice of Rock" genannt wird.

Musikalische Rückbesinnung

Die wohl erfolgreichste Zeit in der langen Karriere von Glenn Hughes waren seine Jahre bei Deep Purple, als er gemeinsam mit der späteren Whitesnake-Röhre David Coverdale die ausgestiegenen Ian Gillan und Roger Glover ersetzte. Heraus kamen dabei die Klassiker "Burn" und "Stormbringer" mit Ritchie Blackmore sowie das unterschätzte "Come Taste The Band" mit Tommy Bolin.

Auf diese drei Alben konzentriert sich "The Voice of Rock" auch auf seiner aktuellen Tour, die entsprechend etwas sperrig "Glenn Hughes performs Classic Deep Purple live" heißt. Denn der Mann, der es wohl wie kaum ein Zweiter versteht, Hardrock, Soul und Funk zu einer ganz eigenen Mischung zu vereinen, spielt mit seiner dreiköpfigen Begleitband derzeit nichts anderes.

Ein Hardrock-Sturm zieht auf

Los geht der wilde Ritt zurück die 1970er mit "Stormbringer", das in Sachen Energie bereits andeutet, wohin die Reise an diesem Abend gehen wird: Glenn Hughes und seine Mitmusiker Sören Anderson an der Gitarre, Jesper Bo Hansen an den Keyboards und Fernando Escobedo am Schlagzeug lassen auch bei den folgenden "Might Just Take Your Life" und "Sail Away" den Fuß auf dem Gaspedal.

Obwohl "The Voice of Rock" mit gerade einmal 21 Lenzen dazu auserkoren wurde, Mitglied in einer der größten Bands der 1970er zu werden, drückte er Deep Purple dennoch bereits früh seinen musikalischen Stempel auf. Das enorm funkige "Gettin‘ Tighter", genau wie bei den einstigen Live-Shows der Band mit Bolin inklusive "Dance To The Rock'n'Roll"-Schnipsel, ist der Beweis dafür.

Höhen und Tiefen

Instrumental feuern Glenn Hughes und seine Mannen an diesem Abend aus allen Rohren. "You Fool No One" spielen sie im Stile alter Deep Purple-Konzerte des Mark 3-Lineups in einer ausgedehnten Version mit Solospots für Anderson, Hansen und Escobedo, einer kleinen Blues-Einlage und angespieltem "High Ball Shooter". Auch das vielleicht beste Mark 4-Stück, "You Keep On Moving", weiß zu überzeugen.

Der Schwachpunkt eines ansonsten formidablen Konzerts im Musiktheater Rex ist aber ausgerechnet die sonst so brillante Stimme der "Voice of Rock": Glenn Hughes singt einige Passagen tiefer und klingt an anderen Stellen doch arg gequält. Sein Bassspiel ist weiterhin über jeden Zweifel erhaben, aber "You Keep On Moving" oder "Burn" hat man gesanglich von ihm schon deutlich besser gehört.

Zu einfarbig?

Vielleicht ist das auch irgendwie die Ironie an diesem "Zurück zu den Wurzeln"-Konzept. Denn Hughes hätte aus seiner Solokarriere und seinen früheren Gruppen und Projekten wie Trapeze, Black Country Communion, Hughes/Thrall oder den Alben mit Tony Iommi so viele andere Nummern zur Auswahl gehabt, die womöglich besser zu seiner alternden Stimme gepasst hätten.

Es ist ihm zwar hoch anzurechnen, dass er versucht, die 1970er-Shows seiner Ex-Band relativ originalgetrau nachzuahmen, und sich entsprechende Musiker gesucht hat. Immerhin war die Nachfrage nach Deep Purple-Material in den letzten Jahren gigantisch. Coverdale widmete den alten Songs ein ganzes Album. Auch Blackmore hat die damaligen Stücke in sein Rainbow-Repertoire aufgenommen.

In die Jahre gekommen

Doch Hughes, dessen Stimme sich trotz seiner vielen früheren Eskapaden über Jahrzehnte immer auf einem sehr hohen Niveau befand, sind die Jahre inzwischen ebenso anzumerken wie anderen Deep Purple-Sängern. Bei "Mistreated" als kratzigem Blues fällt das noch nicht einmal so sehr ins Gewicht – zumal die Nonplusultra-Version von Dio auf Rainbows “On Stage“ wohl nie zu toppen sein wird.

Auffällig ist es eher bei härteren Stücken, so dass man sich auch an dieser Stelle fragen muss, ob "Smoke On The Water" und "Highway Star" wirklich hätten sein müssen, während das eigentlich obligatorische "This Time Around" außen vor gelassen wird. Klar, diese zwei Gillan-Klassiker waren auch Teil der Mark 4-Shows, aber irgendwie passen sie gesanglich eher weniger zu Glenn Hughes.

Das Publikum brennt

Den gut 600 Fans der Hardrock-Legende ist die gesangliche Leistung ihres Idols jedenfalls egal. Sie feiern "The Voice of Rock" und seine Mannen für ihr zweistündiges instrumentales Feuerwerk und sehen über die stimmlichen Schwächen wohlwollend hinweg. Der Backgroundgesang von Anderson und Hansen rettet zudem einiges und das Publikum greift auch gerne unterstützend unter die Arme.

Am Ende des Auftritts bleibt das Urteil aber zwiespältig. Schließlich geht man ja gerade deshalb zu einem Konzert von Glenn Hughes, um seine herausragende Stimme zu hören – und dabei stellt sich die Frage, ob Hardrock noch die richtige Stilrichtung für den 66-Jährigen ist oder ob er sich nicht lieber, wie beispielsweise Robert Plant, auf Material besinnen sollte, das gesanglich nun besser zu ihm passt.

Setlist

Stormbringer / Might Just Take Your Life / Sail Away / Gettin' Tighter (inklusive Dance To The Rock ‘n’ Roll) / You Keep On Moving / You Fool No One (inklusive Gitarrensolo, Blues, High Ball Shooter, Keyboardsolo, The Mule und Schlagzeugsolo) / Mistreated / Smoke On The Water // Burn / Highway Star

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