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Maluma (live in Frankfurt 2018) © Torsten Reitz

Erstmals tritt der kolumbianische Latin-Star Maluma in Deutschland auf. Der coole, gutaussehende Typ mit dem heißen Sound liefert eine fette Party ab und sorgt für lautes Geschrei der Teenie-Fan. Dennoch hat er noch Steigerungspotential.

Als die Tour von Latin-Star Maluma angekündigt wurde, herrschte großes Erstaunen. Ein in Deutschland kaum bekannter Newcomer bucht direkt die größten Locations wie die Festhalle Frankfurt? Da stellt sich die Frage, ob die Location für diesen Auftritt nicht überdimensioniert ist. Daran sind schon etablierte Stars gescheitert wie etwa Sean Paul 2014, dessen eigentlich gute Show nur vorne an der Bühne für Stimmung sorgte.

Beim Betreten der Festhalle wird schnell klar, dass diese Gefahr bei Maluma nicht besteht. Die drei Sitztribünen und der erste Rang sind gut gefüllt. Der Golden Circle der vorderen Stehplätze ist noch spärlich besetzt, wird später aber aufgefüllt. Dahinter steht eine riesige Menge enthusiastischer, vornehmlich weiblicher Teenager, die nach vorne drängen. Beim Zuhören wird ebenfalls schnell klar, dass der Anteil spanischsprechender Besucher extrem hoch ist.

Feuer frei

Die Teenie-Girls in der Halle sind nicht zu bremsen, geben alles für den angehimmelten Latin-Star. Der Kreisch-Faktor an diesem Abend ist ohrenbetäubend – nicht nur am Anfang, sondern über volle zwei Stunden. Maluma bedient einen ganz besonderen Musikstil, genannt Reggaeton. Dieser Sound ist eine Mischung von Reggae und Hip-Hop, gewürzt mit lateinamerikanischen Tanzrhythmen wie Merengue und unterlegt mit elektronischen Dance-Beats. 

Maluma weiß um seine Qualitäten und spielt sie voll aus. Schon das Opening "23" ist ein rhythmisches Feuerwerk. Die Tänzerinnen im roten Kleid geben alles, Rauchsäulen steigen hoch, Feuersäulen wohin man blickt. Als sich das geschwungene große M des Videoschirms öffnet und Maluma auf einer hohen Säule zu sehen ist, kennen die rasenden Girls kein Halten mehr.

Maluma kommt extrem lässig rüber. Der Zopf, die stylischen Klamotten, die Sonnenbrille – er ist der fleischgewordene Mädchentraum. Jede Geste löst Gekreische aus, vor allem, als er die Sonnenbrille abnimmt und ein Lächeln zeigt wie Prinz Charming. 

Vollgas ohne Pause

Meistens drosseln Sänger nach einem solch energetischen Opening das Tempo. Maluma ist anders: Seine Show besitzt von Anfang bis Ende ein höllisches Tempo. Der Kolumbianer zieht dabei so ziemlich jedes Register: Zunächst holt er eine Verehrerin auf die Bühne, die ihn umarmt und gar nicht mehr loslassen will. Dann erhebt sich ein Kran aus der Vorbühne, an dessen Ende Maluma steht und einmal in Zeitlupe 360 Grad herum über seine weiblichen Superfans hinweg schwebt – während er "Marinero" singt.

Der Rest der Show ist sexy dancing, jede Menge Feuer und Rauch. Maluma heizt seine Fans pausenlos an, sie sollen die Handys als Beleuchtung nutzen. Gekonnt baut er den mit Shakira gemeinsam produzierten Hit "Chantaje" mit ein, zelebriert die ganze Show als eine nicht endend wollende Megaparty.

Erst ganz am Ende mit der Zugabe wird es etwas abwechslungsreicher. Die Ballade "Felices Los 4" ist viel gefühlvoller und endlich sind auch deutliche Ska-Elemente zu hören, ein Grundelement des Reggae, der leider zu kurz gekommen ist. Der finale Schrei ertönt schließlich, als Maluma ganz zum Schluss noch sein Shirt auszieht und seinen nackten Oberkörper präsentiert – er weiß, was er seinen Fans schuldig ist.

Steigerungsmöglichkeiten

Trotz Kreisch-Alarms und ekstatischer Fans ist die Show insgesamt zu gleichförmig, da sie fast durchgängig ein sich permanent wiederholendes Muster bietet. Zum Beispiel bringt Maluma seine Gesangsstimme nur selten voll zur Geltung. Bei "El Perdedor" zeigt er seine Fähigkeiten, zieht die Stimme stark nach oben und hält mit Kraft die langgezogenen Töne. Die Stimme und den Schmelz hat er, aber er setzt sie nicht optimal in Szene.

Zudem spielt die Band im gesamten Konzert bis auf wenige kurze Momente kaum eine Rolle. Hier und da ein kurzes Gitarrensolo oder ein paar domiante Drumschläge sind zu wenig. Es fehlt an markanten Stil- und Tempowechseln.

Gerade mit einer solchen Stimme wäre ein Akustikset, vielleicht mit Gitarre und Cajon, eine gute Idee, um weg von der reinen Show Malumas Stimme ins Zentrum zu rücken. Die Show liefert fraglos den Teenie-Girls genau das, was sie haben wollen. Um sich langfristig als Star zu etablieren, sollte Maluma aber etwas mehr variieren, denn eine solche Feuer-aus-allen-Rohren-Show läuft sich relativ schnell tot, wenn sie keine Abwechslung bietet.

Setlist

23 / Corazón / Vente Pa' Ca / Clandestino / Me Llamas / Mala Mia / El Perdedor / Marinero / El Préstamo / Borro Cassette / Chantaje / Ojos Que No Ven / Delincuente / Hangover / Bella / X-Remix / Party Animal / Carnaval // Felices Los 4 / GPS / Cuatro Babys

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