Sean Paul (live in Hamburg, 2015)

Sean Paul (live in Hamburg, 2015) © Falk Simon

Manchmal verliert ein gutes Konzert an Stimmung und Atmosphäre, weil es in der falschen Location stattfindet. Genau das passiert Sean Paul, da er für seine Tour die viel zu große Festhalle in Frankfurt gewählt hat.

Der Auftakt zum Konzert von Sean Paul in der Festhalle ist eine rund zehnminütige Warm-Up Phase, in der zuerst der DJ das Publikum anheizt und dann die Musiker und Tänzerinnen Gas geben. Damit die Partypeople auch immer wissen, wer der Star des Abends ist, wird der Name in allen möglichen Schriftformen permanent hinten eingeblendet und vom DJ Pult wird immer wieder sein Name gerufen: Sean Paul. 

Dann erscheint der Dance Hall Star und sofort wird klar, dass die Stimmung an diesem Abend nur vorne an der Bühne richtig greifbar ist. Die meisten Fans verlassen schnell die eh schon spärlich besetzten Sitzplätze im Innenraum sowie im hinteren Bereich des Oberrangs und drängen nach vorne in die Partyzone.

Dutty Still Rock

Auf die Hits aus seinem ersten großen Hitalbum "Dutty Rock" kann sich Sean Paul auch heute noch immer verlassen. Als Anheizer funktioniert "Get Busy" wie immer erstklassig.

Aber auch die Kolloboration "Baby Boy" mit Beyonce und "Gimme The Light", bei dem Sean Paul ein Handtuch über dem Kopf schwenkt wie beim heißen Saunaaufguss, bringen die Tanzzone voll in Fahrt. Noch heißer wird es, als ihn die beiden Tänzerinnen in die Mitte nehmen als Zwischenlage wie im Double-Chicken-Burger.

Liebe und Gefühle

Später folgt mit "Esa Loca" ein weiterer Top-Song, der mit ordentlich Rhythmus für faszinierende Szenen im Innenraum sorgt. Da werden Krücken von der Gehhilfe zum Taktstock umfunktioniert oder es bewegt sich eine Zwei-Personen-Polonaise mit geschwenktem Tuch quer durch die Tänzer und Tänzerinnen.

Ohne die Stimmung abzutöten schafft es Sean Paul, auch einige wenige leisere Töne ins Konzert einfließen zu lassen. Neben seinem eigenen Hit "Other Side Of Love" interpretiert er auch den unvergleichlichen Bob Marley mit dessen Welthit "No Woman, No Cry". Diese kurzen Phasen der Entspannung sorgen für ordentlich Luft, denn das Finale wird gewaltig.

Der Sommerhit 2014?

Zuerst beendet Sean Paul den Hauptblock mit "She Doesn't Mind", um dann ohne Musikpause bei voller Animation der Bühnencrew den besten Song des neuen Albums "Full Frequenzy" auszupacken. Der Song "Turn It Up" geht schon beim ersten Hören direkt ins Ohr. Mit "Turn It Up" könnte Sean Paul der Sommerhit 2014 gelungen sein. 

Mit Nebel, Licht und Explosionen verabschiedet sich die gut gelaunte Crew von der Bühne, während der DJ das Konzert einfach mal um 10 Minuten verlängert und so das Konzert genauso stimmungsvoll runterfährt, wie er es zu Beginn angeheizt hat.

Locationwechsel

Für die Zukunft sollte sich Sean Paul überlegen, ob die etwas kleineren und intimeren Locations nicht für seine Show geeigneter sind. Hier waren die Ambitionen einfach zu groß. Egal wie sehr sich Sean Paul und seine Crew angestrengt haben, die Stimmung fiel in der Halle nach hinten deutlich ab.

Die bestenfalls halbvolle Festhalle eignete sich zwar gut zum Tanzen, aber eine kleinere Halle hätte dem ansonsten guten Konzert noch den letzten Pfiff gegeben und so wäre es wahrscheinlich ein geniales Clubkonzert geworden.

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