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Sting & Shaggy (live in Mainz, 2018) © Leonard Kötters

Rock-Legende Sting und Raggamuffin Shaggy sorgten im Volkspark Mainz für das Highlight des Mainzer Konzertsommers. Begleitet von einer Allstar-Band spielte das Duo bei Sonnenschein ein Potpourri aus gemeinsamen Stücken und den größten Hits aus beiden Lagern.

Sting beehrt die Rhein-Main-Region bereits zum dritten Mal in den vergangenen fünf Jahren. Nach der Back To Bass-Sause auf dem mittlerweile der Gentrifizierung zum Opfer gefallenen Zollhafengelände 2013 und der Station auf dem Wiesbadener Bowling Green anlässlich seines überaus rockigen Albums "57th & 9th" im Jahre 2016, ist er nun im Mainzer Volkspark zu Gast.

Das weitläufige Gelände bietet nicht nur zahlreichen Familien Platz, sondern beherbergt auch die große Bühne. Neben ungefähr 9000 zahlenden Gästen auf dem ausverkauften Konzertareal, tummeln sich auch zahlreiche Schaulustige auf der Wiese rund um den Park.

Das Beste aus beiden Bands

Das Besondere an diesem Event ist die Kollaboration des Briten Sting mit dem gebürtigen Jamaikaner Shaggy. Mit dem bereits im April veröffentlichten gemeinsamen Album "44/876" im Gepäck, gehen die beiden Millionenseller nun auf eine rund dreißig Gigs umspannende Tour.

Ergänzung erfährt das Duo durch die Sting-Musiker Dominic und Rufus Miller (Vater und Sohn an den Gitarren) sowie Drummer Josh Freese und den Shaggy-Bandmates Melissa Musique (Backings), Gene Noble (Backings) und Keyboarder Kevon Webster.

Verbunden durch Reggae

Reggae stellt dabei das verbindende Element zwischen dem als Partylöwen verschrienen 49-jährigen Popmusiker und dem blassen 66-jährigen Rocker dar. Über Shaggys Reggae-Affinität groß Worte zu verlieren, hieße Dreadlocks nach Kingston zu tragen, aber auch Stings Reggae-Roots reichen tief zurück. Der Off-Beat ergänzte schon zu The Police-Zeiten den Sound aus Punk und New Wave und spielte auch während seiner Solokarriere eine wichtige Rolle.

Wie wir nicht erst seit Yin und Yang wissen, ergeben Lebensfreude und Nachdenklichkeit zwei Seiten einer Medaille. Entsprechend setzt sich das Programm zur Hälfte aus The Police/Sting-Nummern, neun Songs des gemeinsamen Albums sowie einigen Shaggy-Smashern zusammen.

Fokus auf die Vocals

Nach dem Support des jungen aufstrebenden Singer/Songwriters Alex Francis, der gemeinsam mit einer Backing Band ordentlich Applaus einheimst, geht es pünktlich um 20 Uhr los. Bei "Englishman In New York" schnallen die Hände in die Höhe und Shaggy gibt mit seiner Textvariation ("Jamaican In New York") direkt die Marschrichtung für die kommenden 110 Minuten vor.

Hier der stimmgewaltige, introvertierte Brite, dort der spontane Jamaikaner, der nicht bei jedem Ton sattelfest ist. Generell betont der Mix die Vocals besonders. Zwar ist jedes Instrument zu hören, doch agieren die Musiker in der Aussteuerung im Hintergrund, was den Bandsound etwas eindimensional und wenig dynamisch erscheinen lässt. Einzig bei den ausgewählten Solospots zieht der Mischer die Regler nach oben.

Stirnrunzeln bei den Sting-Puristen

Die Chiffre des Titeltracks des gemeinsamen Albums "44/876" setzt sich aus den Vorwahlen von Großbritannien und Jamaika zusammen, was die Internationalität des Projekts unterstreicht. Der Song verbleibt jedoch genau wie das nachfolgende "Morning Is Coming" nah am Original.

Bei "Every Little Thing She Does Is Magic" beginnen die Füße zu wippen. Das Mashup aus "Oh Carolina" und "We’ll Be Together" ruft bei einigen Sting-Puristen Stirnrunzeln hervor, sorgt jedoch bei den meisten für Schmunzeln und lockert merklich die Stimmung.

Die heimlichen Stars des Abends

Die Love-Trilogie aus "Can’t Find Love", "Love Is The 7th Wave" und "To Love And Be Loved" bildet einen Ruhepol, bevor die Herzfrequenzen und die Smartphones der Anwesenden bei "Message In A Bottle" rasant in die Höhe gehen. Hier zeigt die Band erstmals Kante. Vater und Sohn Miller duellieren sich kurz auf der Gitarre, auch Drummer Josh Freese beweist, warum bereits Guns N' Roses und Nine Inch Nails auf seine Dienste setzten.

Shaggy gibt den Zeremonienmeister und initiiert ein Mitsingspiel, bei dem das Publikum begeistert mitwirkt. Der Dudelsacksound von Keyboarder Webster bei "Fields Of Gold" zieht einem hingegen die Latschen aus und markiert den Startschuss zum Bier holen oder Freundin kuscheln.

Musik für alle Lebenslagen

So oder so sorgen die Begleitmusiker für einige unterhaltsame Töne. Passend zur untergehenden Sonne tritt Melissa Musique aus dem Schatten als Backround-Sängerin und verzaubert mit einer kurzen Soloeinlage. Auch Stings rechte Hand Dominic Miller darf seiner Sechssaitigen ein paar mehr Töne als das handelsübliche Reggae-Gezupfe entlocken.

Die neue Nummer "Gotta Get Back My Baby" erinnert vom Vibe her an den Outcast-Hit "Ms. Jackson" und bietet eine weitere tolle Gesangseinlage des männlichen Backround-Sängers Gene Noble. Die schwülstige Single "Don’t Make Me Wait" wartet nicht nur mit geklauter "So Lonely"-Melodie auf, sondern verleitet manchen Mittfünziger zum züchtigen Tänzchen mit seiner Angetrauten. Zum Shaggy-Betthupferl "Angel" lässt sich gut Eis schlecken.

Höhen und Tiefen

Den politischen Teil des Abends läutet "Dreaming In The USA" ein. Der Refrain erinnert an Bruce Springsteen und seine E-Street-Band. Das Duo besingt ein utopisches Amerika und endet mit einer pastoralen Ansprache ans Publikum, die zu Liebe, Frieden und Toleranz aufruft.

Die sich anschließende Showeinlage rahmt den stärksten Song des gemeinsamen Albums, "Crooked Tree", ein. Hier macht Mr. Lover Lover ernst, kleidet sich in eine Richterrobe nebst Perücke und verurteilt den als Gefängnisinsassen travestierten Sting.

Weniger gelungen fällt danach "Shape Of My Heart" aus, da die Stimme des Jamaikaners erheblichen Schwankungen unterworfen ist. "Schepp Of My Heart" gäbe in diesem Fall den passenderen Songtitel ab. Dagegen lässt Drummer Freese beim The Police-Evergreen "Walking On The Moon" ordentlich die Stöcke kreisen.

Experimentierfreude und Partylaune

Im Anschluss kennen die Experimentierfreude und die Partylaune keine Grenzen mehr. Die Stimmung kocht bei "So Lonely" über, bis der Track in "Strength Of A Woman" übergeht. Den Sting-Fans steht das Wasser in den Augen, die meisten Besucher können sich ein Lachen hingegen nicht verkneifen.

Aber hier geht es bekanntlich um die Liebe und die kann auch mal schmutzig sein. Auch wie die Anti-Prostitutionshymne "Roxanne" zum Gemächt-Vermächtnis "Boombastic" passt, bleibt offen, vor allem da die Band den Übergang gefühlvoll mit dem Holzhammer setzt. Aber was nicht passt, wird bekanntlich passend gemacht.

Gute Laune allerorten

In den Zugaben lassen Sting und Shaggy nichts mehr anbrennen. Jeder darf noch einen Solo-Hit zum besten geben (die Weltmusik-Hymne "Desert Rose" und der Seitensprung-Track "It Wasn’t Me"). Danach liegen sich die beiden Musiker bei "Every Breath You Take" in den Armen, bevor ein fantastisch gespieltes "Fragile" die Menge entlässt.

Was bleibt, ist ein Abend voller Gegensätze, brillanten Musikereinlagen und einigen tiefschürfenden Momenten, die bei Sonnenschein viele Herzen berührten und noch mehr für gute Laune sorgten.

Setlist

Englishman In New York / 44/876 / Morning Is Coming / Every Little Thing She Does Is Magic / Oh Carolina/ We’ll Be Together / If You Can’t Find Love / Love Is The Seventh / Wave / To Love And To Be Loved / Message In A Bottle / Fields Of Gold / Waiting For The Break Of Day / Gotta Get Back My Baby / If You Love Somebody Set Them Free / Don’t Make Me Wait / Angel / Dreaming In The U.S.A. / Crooked Tree / Shape Of My Heart / Walking On The Moon / So Lonely/ Strength Of A Woman / Hey Sexy Lady / Roxanne->>Boombastic // Desert Rose / It Wasn’t Me / Every Breath You Take / Fragile

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