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Fleet Foxes (live in Köln, 2018) © Stefan Wiede

So selten wie sie Platten veröffentlichen, spielen die Fleet Foxes live - zumindest in Deutschland. Grund genug, dem Konzert im Kölner Palladium mit großer Vorfreude entgegenzusehen. Und die Erwartungen wurden nicht enttäuscht.

Schon ein oberflächlicher Blick durch das sehr gut gefüllte Kölner Palladium macht klar: Das Publikum der Fleet Foxes umfasst Männer und Frauen vieler Altersgruppen. Pärchen im Teenager-Alter sind ebenso vertreten wie Musikfans mittleren und höheren Alters. Das ist nicht verwunderlich: Die Musik der Fleet Foxes besitzt etwas Zeitloses. 

Keine 60er-Kopisten

Damit soll nicht gesagt werden, dass die Musik der Band um Sänger und Gitarrist Robin Pecknold gleichförmig ist – ganz im Gegenteil. Stattdessen ist in den drei Alben eine deutliche Entwicklung hin zu progressiveren Sounds und Songwriting zu hören.

Auch der gerne gezogene Vergleich zu den 60er-Jahren führt nur teilweise in die richtige Richtung. Die Fleet Foxes haben einen ganz eigenen Sound entwickelt, der aus dem Folk und Pop 60er ebenso schöpft wie aus dem Progressive Rock bzw. Art Rock der 1970er. Der Einfluss der großen US-amerikanischen Jam-Bands, vor allem natürlich Grateful Dead, wird in Deutschland gerne übersehen.

Ein Konzert wie eine Suite

Dabei ist der Zusammenhang eigentlich sehr offensichtlich: In der suitenartigen Gestaltung des Abends zeigt sich die Akribie der Band, ein musikalisches Gesamterlebnis zu präsentierten, genauso wie Grateful Dead es in Perfektion verkörpert haben. 

Das funktioniert beeindruckend gut: Die Songs verschmelzen zu einem Folk-Pop-Gesamtkunstwerk. Schon der Auftakt mit zwei Songs – oder besser: zwei Suiten vom neuen Album "Crack-Up" zeigt, wie gekonnt die Fleet Foxes komponieren, wie nahtlos sie Richtungen, Melodien, Rhythmen und Ausdruck verändern können.

Opulenter Sound

Einen ersten Höhepunkt erreicht das Konzert mit dem Dreiklang "White Winter Hymnal", "Ragged Wood" und "Your Protector" von ihrem Debüt-Album. Das Publikum reagiert euphorisch auf so viel Schönklang, dem dennoch komplexe Strukturen zugrunde liegen. Der Harmoniegesang und die vielseitige Instrumentierung tun ihr Übriges. 

Natürlich können die Fleet Foxes nicht das gesamte Instrumentarium einsetzen, das sie auf ihren Platten einsetzen, aber dennoch gelingt es ihnen den Sound ihrer Studioalben in passender Weise live umzusetzen. Selten hat außerdem eine Band im soundtechnisch schwierigen Palladium so gut geklungen. Auch das ein Zeichen für den Perfektionismus der Band.

Musik jenseits von Trends und Moden

Völlig deutlich wird im Lauf des Abends auch, wie unglaublich hochwertig der musikalische Output der Band ist. Sicherlich hat jeder Fan Favoriten, aber Qualitätsschwankungen existieren im Lauf des Abends fast nicht. Stattdessen dominieren Schönheit und Harmonie – im Publikum und auf der Bühne.

Es ist normal, dass Musik Trends und Moden durchläuft. Umso schöner ist es aber auch, dass Musik existiert, die herrschende Trends vollkommen beiseite lässt, einfach aus sich selbst heraus existiert und dennoch ein beeindruckend großes Publikum erreicht. Natürlich agieren die Fleet Foxes nicht abgehoben von der Zeit, in der sie leben, aber sie tun ihr Möglichstes, das nicht allzu deutlich werden zu lassen. Und das ist vielleicht ihre größte Leistung.

Setlist

I Am All That I Need->Arroyo Seco->Thumbprint Scar / Cassius, / Grown Ocean / Battery Kinzie / White Winter Hymnal / Ragged Wood / Your Protector / The Cascades / Mearcstapa / On Another Ocean (January / June) / Fool's Errand / He Doesn't Know Why / Blue Ridge Mountains / Tiger Mountain Peasant Son / Mykonos / Third of May->Ōdaigahara / The Shrine->An Argument / Crack-Up // Oliver James / Drops In The River / Helplessness Blues
 

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