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John Legend (live in Frankfurt 2017) © Rudi Brand

Bei seiner ersten Show in Frankfurt will es John Legend zu Beginn etwas zu perfekt machen. Dieser energetische Auftakt geht aber auf Kosten seiner sonst so eleganten Lässigkeit. Nach dem ersten Drittel ist er dann wieder der coole Soulstar, der die Zuschauer mit tiefgängigem, modernem Soul begeistert.

Zu Beginn drücken die Bläser voll aufs Gas. Mitten im Intro erscheint unter großem Jubel der Zuschauer John Legend und setzt sich ans Piano. Mit kraftvoller und gefühlvoller Stimme singt er die Soul-Ballade "I Know Better" und schon jetzt stehen viele Zuschauer und gehen begeistert mit.

Ohne Pause legt sich John Legend voll ins Zeug, tanzt und dreht sich um die eigene Achse. Im Wechsel mit seinen drei Backgroundsängerinnen singt er, getaucht in rotes Licht, über den "Penthouse Floor". Der ganze Anfang ist cool, wirkt aber auch ein wenig übermotiviert. 

Keine Atempause

John Legend drückt dermaßen aufs Tempo, dass die Zuschauer fast überrollt werden. Er verliert so ein Stück der eleganten Lässigkeit, mit der er seine Fans begeistert und die ihn auch bei seiner letzten Tour auszeichnete.

Es gibt keinen Moment, sich fallen zu lassen. Gemeinsam mit seinen Sängerinnen bewegt er sich über die Bühne und sie singen "Love Me Now". Das Publikum filmt fleißig mit. Mit Unterstützung des Gitarristen, der ein rockiges Solo abfeuert, geht das Feuerwerk weiter mit "Made To Love". John Legend sitzt wieder am Piano und lässt seine Powerstimme erklingen. Die Zuschauer klatschen und schreien.

Das richtige Maß

Der erste Song, der den Zuschauern die Möglichkeit bietet, John Legend in gewohnter Lässigkeit zu erleben, ist "Overload". Links stehen die drei Bläser, rechts die drei Sängerinnen. John Legend sitzt in der Mitte und singt diese gefühlvolle Ballade mit der Kraft und Intensität, die man sonst von ihm kennt. Jetzt hat er das richtige Maß gefunden.

Bei "Used To Love U" lässt John Legend das Publikum aufstehen und alle schwenken ihre Arme hin und her. Das steigert sich zum ersten großen Highlight "Save The Night". John Legend spielt am Piano und dreht stimmlich voll auf. Im Hintergrund feuert seine Band aus allen Rohren, die Halle steht und feiert. 

Neue Interpretationen

Ein in Deutschland kaum beachteter Song ist die Single "Like I'm Gonna Lose You", die John Legend als Gastmusiker mit Meghan Trainor aufgenommen hat. In Frankfurt interpretiert er den Song noch souliger als im Original, gibt ihm dadurch mehr Sinnlichkeit. Die große Soul-Revue hat ihren nächsten Höhepunkt bei "Save Room". Das ist perfekt gesungener Modern Soul.

Eine gelungene Coverversion ist "Superfly" von Curtis Mayfield. Nun dreht der Bass-Gitarrist mit seinem Solo auf, die Bläser feuerm und der Saxophonist spielt ein weiteres Solo ein. Hier zeigt die Band ihre komplettes Können.

Hautnah

Für "Slow Dance" holt sich John Legend eine junge Dame aus dem Publikum. Die sichtlich ergriffene Dame tanzt mit dem smarten Sänger und wird vom Publikum unter großem Applaus angefeuert. John Legend gibt den charmanten Gentleman, auch als er sein Jacket ablegt und ihr offenbar fast die Luft wegbleibt. Die weiblichen Fans im Publikum sind ergriffen, vielleicht auch ein bisschen neidisch. Aber der Familienmensch John Legend hält trotz aller Nähe genügend Abstand.

Bei "Ordinary People" lässt John Legend das Publikum den Song singen, bevor er am Ende seine Kopfstimme maximal öffnet und mit voller Wucht rausdrückt. Für seine Tochter Luna, deren Kinderbilder auf der Videowand während dem Song laufen, hat er den Song "Right By You (For Luna)" geschrieben. Seine Tochter ist ganz klar sein großer Lebensinhalt. Das spürt man bei jedem gesungenen Ton. Am Ende steht er ganz allein im Spotlight, singt ohne Band den Song mit purer Stimme. Es ist ergreifend, welche Inbrunst seine Stimme in diesem Moment ausstrahlt.  

Große Momente

Mit "Green Light" gibt es tatsächlich grünes Licht für die ganz große Party. Die ganze Band ist komplett im Groove, John Legend gibt stimmlich wieder Vollgas . Am Ende steht er auf dem Piano wie der Held eines großen Kampfes, lässt stimmlich alles raus und die Halle tobt vor Begeisterung. Der Hauptblock endet mit "So High", eine von einer wunderbaren Melodie getragenen Power-Ballade. Wieder dreht John Legend seine Kopfstimme voll auf.

Die Zugabe beginnt mit seinem großen Hit "All Of Me". Die ganze Halle singt den Song mit, während John Legend alleine am Piano sitzt und diesen Song als Akustik-Version spielt. Die pure Emotion steigert sich zum großen Finale mit "Glory". Der Filmsong aus "Selma" gewann 2015 den Golden Globe als bester Filmsong sowie den Oscar als Bester Song.

Ein politisches Statement

Aktuell wie selten ist der Song aus "Selma", dem Film über die US-amerikanische Bürgerrechtsbewegung der 1960er Jahre. Die Medien berichten seit Wochen über die rechtsradikalen Ausschreitungen in den USA sowie über den Streit zwischen Präsident Trump und der NFL hinsichtlich der Würdigung von Flagge und US-Hymne.

John Legend bündelt alle diese Emotionen mit den Bildern des Protestes und seiner letzten Geste mit erhobener Faust. Getragen wird der Song von reichlich Soul mit vielen Einschlägen aus dem Gospel. Ein großartiger Song zum Abschluss eines nach kurzen Anfangsschwierigkeiten großartigen Konzerts.

Setlist

I Know Better / Penthouse Floor / Tonight (Best You Ever Had) / Love Me Now / Made To Love / Darkness And Light / Overload / What You Do To Me / Used To Love U / Save The Night / Like I'm Gonna Lose You / Save Room / Slow Dance / Superfly / Wake Up Everybody / Ordinary People / Right By You (For Luna) / Surefire / Green Light / Who Do We Think We Are / You & I (Nobody In The World) / So High // All Of Me / Glory

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