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Anastacia (live in Worms 2017) © Rudi Brand

Die stimmgewaltige US-Amerikanerin Anastacia stattet dem Schwetzinger Schlossgarten einen Besuch ab. Im Rahmen ihrer "The Ultimate Collection"-Tour 2017 gibt sie ihre größten Hits zum Besten, wobei sie nicht restlos überzeugen kann.

Auf dem Weg durch den Schwetzinger Schlossgarten bis hin zur großen Bühne steigt die Vorfreude der Besucher des Konzerts von Anastacia.

Guter Auftakt

Vorbei an den wunderschön angelegten Blumenbeeten führt der Weg direkt unter gigantischen Hecken hindurch, die über den Köpfen der Besucher mehrere große Bögen formen. Vereinzelt sind auf der Wiese einige sitzende Zuschauer zu sehen, andere haben sich bereits voller Erwartung direkt vor der Bühne einen Platz gesichert. Die Atmosphäre ist ausgelassen, viele versüßen sich die Wartezeit bei einem lauen Sommerabend mit Essen oder diversen Getränken.

Um Punkt 20:00 Uhr betritt die Vorband um Sängerin DeeDee Foster die Bühne. Die Sängerin überzeugt mit einer tollen Stimme und beweist mit Songs wie "Safe" oder "Best That I Can", wie gut ihr Mix aus Indie-Pop und Rock durchtränkt von zeitgenössischem R&B, Gospel und Soul beim Publikum ankommt.

Mit ganz viel Power nach vorne

Bestens eingestimmt geht es dann nach weiteren zwanzig Minuten über zum Hauptact. Mit zwei Trommeln auf jeder Seite der Bühne und Perkussionisten, deren Gesichter durch Henkersmasken verdeckt sind, wird der erste Song "Army Of Me" auf epische Weise eröffnet. Im Hintergrund der Bühne leuchtet ein großes A.

Mit ihrem anschließenden Megahit "Sick And Tired" gewinnt die Powerfrau die Mehrheit des Publikums für sich. Die anfänglichen unerkennbaren Perkussionisten entpuppen sich mittlerweile als sehr gute Tänzerinnen, die an der Seite der Künstlerin tanzen.

Es ist klar, dass das Konzert keineswegs ausverkauft ist. Mit einem "Oh my Gosh" bringt Anastacia ihre Verwunderung darüber zum Ausdruck, verspricht jedoch, das Publikum in den kommenden zwei Stunden von sich zu überzeugen.

Herausforderung angenommen

Die Herausforderung ist angenommen, also auf zur ersten Runde! Dennoch nimmt die Rockröhre die Sache ziemlich gelassen und fährt mit dem Song "Paid My Dues" fort, wodurch ihr zuvorgegangenes Versprechen eine leicht subtile Note erhält. Mittlerweile ist Anastacia ein alter Hase im Showgeschäft. 

Mit "Cowboys & Kisses" packt Anastacia ein weiteres Lied aus, das sie in den frühen Zweitausendern veröffentlicht hat. Die Sängerin hat sichtlich Freude an der Performance und fordert durchaus auch mal selbstbewusst Applaus ein. Dennoch fällt auf, dass die Stimmung im Gegensatz zum Beginn etwas abfällt.

Kurze Durststrecke

Mit "Welcome To My Truth" und "Everything Burns", der es auf den Soundtrack zum Film Fantastic Four geschafft hat versucht die Sängerin, das Publikum wieder einzufangen, was aber nur teilweise gelingt.

Erst mit "Heavy On My Heart" scheint die Durststrecke eine Ende zu finden. Am Ende des Songs muss jedoch Anastacia eine Schlappe hinnehmen, als ihre Stimme in den letzen Atemzügen des Songs versagt.

Singen top, Pfeifen flop

Trotz alledem beweist Anastacia, dass sie sich selbst nicht übermäßig ernst nimmt. So stimmgewaltig sie auch sein mag, so schlecht ist ihr Pfeifen, wie sie selbst belustigt zugibt. Auch mit ihren Deutschkenntnissen sorgt die Sängerin an diesem Abend für einige Lacher.

Während sie das deutsche "Dankeschön" doch etwas Anstrengung kostet, scheint ihr Gitarrist damit weniger Probleme zu haben. Scherzhaft erklärt sie, die Kündigung des Gitarristen in Erwägung zu ziehen.

Klare Statements mit Größe

Außerdem scheut sich Anastacia nicht, Farbe zu bekennen. Sie weist darauf hin, dass wir momentan in einer interessanten Zeit leben, insbesondere im Hinblick auf ihre US-amerikanische Heimat. Zwei Dinge liegen ihr am Herzen. Erstens: Sie habe nicht Trump gewählt. Zweitens: Sie wünschte, dass wir uns bereits vier Jahre in der Zukunft befänden. Daraufhin reagiert das Publikum mit lautem Applaus.

Zudem möchte sie allen danken, die an sie gedacht haben und während ihrer Krankheit viele Briefe zur Unterstützung geschrieben haben. Als Dank an ihre Fans folgt eine emotionale Performance von "You'll Never Be Alone".

Kleiner Mann ganz groß

Gegen Ende startet der Drummer eine Interaktion mit dem Publikum. Er gibt einen Rhythmus vor, den das Publikum nachklatschen muss. Während die Besucher am Anfang noch gut dabei sind, müssen sie sich am Ende dem Talent des Drummers geschlagen geben, der immer komplexere und schnellere Rhythmen auffährt.

Als Anastacia jemanden sucht, der einen Drumstick mit nach Hause nehmen möchte, gehen sofort viele Hände nach oben. Sie will den Stick jedoch einer Person der jüngsten Generation überlassen, woraufhin sie einen zwölfjährigen Jungen auf die Bühne holt. Einen Drumstick und eine handsignierte CD reicher verlässt der Junge nach einem kurzen Gespräch mit Anastacia und einer Umarmung mit breitem Lächeln wieder die Bühne. So nah darf auch nicht jeder dieser Powerfrau kommen.

Herausforderung erfolgreich gemeistert?

Obwohl Anastacia das Publikum zwischenzeitlich etwas verloren zu haben schien, packt sie dieses wieder mit der Darbietung ihres Mega-Hits "I'm Outta Love". Bei der Zugabe dreht sie dann nochmals mit der Performance ihrer größten Hits auf. Mit "Left Outside Alone" und "One Day In Your Life" gibt sie dann nochmal alles, bevor sie die Bühne verlässt und das große A im Hintergrund erlischt.

Alles in allem war es ein akzeptabler Auftritt, der jedoch Luft nach oben ließ. Während das Publikum zu den bekannten Radiohits begeistert mitklatschen konnte, erschien das Konzert während der eher unbekannten Songs der Künstlerin doch etwas langatmig. Mit ihrer Power-Zugabe versöhnte Anastacia allerdings ihre Zuschauer und entließ sie in eine angenehme Nacht.

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