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Alan Parsons Live Project (live in Frankfurt 2017) © Torsten Reitz

Vor 40 Jahren begann die Karriere von Alan Parsons. Grund genug das Alan Parsons Live Project 2017 auf Tour zu schicken, und mit den enthusiastischen Fans in der Alten Oper Frankfurt gleich mehrere Jubiläen zu feiern.

Pünktlich um 20 Uhr kommt die Band auf die Bühne und heizt das Publikum für Alan Parsons an. Als der große Soundmagier die Bühne betritt, greift er zur Gitarre. Und zum Sound von insgesamt fünf Gitarren, die mit verschiedensten Abstimmungen und Melodien eine grandiose Soundvielfalt bieten, singt P.J. Olsson "Damned If I Do". Das Publikum ist von Anfang dabei und geht den Song begeistert mit.  

Nach einem kurzen Gruß wechselt das Set zu "Don't Answer Me". Alan Parsons singt selbst, während P.J. Olsson nun Gitarre spielt und Teil des Akustikchors wird. Dafür greift jetzt Todd Cooper zum Saxophon und heizt mit seinem Solo das Publikum so richtig an. Die Zuschauer singen und klatschen begeistert mit.

Irrenhaus im Kopfkino

Als Intro von "Psychobabble" dröhnt ein mächtiges Bassgewitter durch den Saal. Todd Cooper übernimmt die Leadstimme. Er klingt dunkel und mächtig, während Alarmsirenen in die Melodie eingreifen. Der wilde akustische Ritt ufert in ein bizarres Klangerlebnis aus. Schreie wie aus Horrorfilmen ertönen. Schräge Harmonien und schrille Geräusche verpassen dem Song eine  einzigartige Atmosphäre, als ob ein Irrenhaus eine wahnsinnige Party feiern würde. Es ist ein akustischer Leckerbissen, der letztlich von einem heulenden und dröhnenden Gitarrengewitter unter dem frenetischen Applaus der Zuschauer beendet wird.

Als Kontrast gibt es die Ballade "Time". P.J. Olsson wechselt in die Kopfstimme und erntet Sonderapplaus. Es folgt "Luciferama", eines der gewaltigen Instrumentalstücke. Alan Parsons greift zur Akustikgitarre. Unterstützt vom Bass, einer zweiten Akustikgitarre und einer E-Gitarre liefert das Project gemeinsam mit dem Schlagzeuger und dem Keyboarder, der die Grundmelodie spielt, ein gewaltiges Soundspektakel ab. Die Zuschauer klatschen wild und man hört zahlreiche Pfiffe.

Erinnerungen

Um wieder eine neue Stimmung zu erschaffen, darf nun Gitarrist Jeff Kollman bei "Days Are Numbers" ans Mikrofon. Im Hintergrund steht Alan Parsons wie der Kapitän auf der Brücke und spielt lässig das Keyboard mit einer Hand, während er seine Musiker im Vordergrund glänzen lässt. Mit "Standing On Higher Ground" wird der Sound wieder lauter, härter und rockiger. Erst wirbelt der Schlagzeuger, dann rocken Jeff Kollman und Dan Tracey gemeinsam im engen Doppelpack mit ihren Gitarren.

Der Song "Limelight", nach eigenem Bekunden einer von Alan Parsons Lieblingssongs, ist vor allem auch eine Erinnerung an den 2009 verstorbenen Leadsänger Eric Woolfson. Schon bei der Erwähnung des Namens klatscht das Publikum aus Respekt vor diesem großen Musiker los. Todd Cooper singt und dreht am Ende seine Stimme bis ans Limit hoch, lässt sich mit ausgebreiteten Armen vom Publikum abfeiern.

Highlight

Das akustische Highlight des Konzerts neben "Psychobabble" ist aber definitiv "Prime Time". Die ganze Gruppe singt gemeinsam wie ein Chor, als plötzlich Dan Tracey ausbricht und zu einem gewaltigen Gitarrensolo ansetzt. Er lässt seine Gitarre richtig fett aufheulen und begeistert mit seinen Speedriffs. Mitten in diesem energetischen Powerrock übernimmt Keyboarder Tom Brooks das Zepter und legt ein atemberaubendes Solo hin. Er pusht das Publikum so lange, bis der Saal förmlich explodiert vor Begeisterung.

Alan Parsons wendet sich kurz an das Publikum und erklärt, wie alles vor 40 Jahren begann. Als Punkrock und Star Wars beliebt waren, schuf er aus den Werken von Isaac Asimov, der 1950 das Buch "I Robot" veröffentlichte, sein eigenes Werk mit gleichem Namen. So folgt das komplette Album "I Robot" mit eben jenem Instrumentalsong am Anfang. Diesen wunderbaren Klangmelodien folgt das krachende Bassgitarrensolo von Guy Erez bei "I Wouldn't Want To Be Like You".

Wechselhaft

Die Präsentation des Albums "I Robot" hat im weiteren Verlauf viele Höhen, aber auch einen kleinen Durchhänger. Zunächst bleibt der energetische Level im Saal sehr hoch. Gefeiert wird "Some Other Time", bei dem sich P.J. Olsson und Todd Cooper als Leadsänger abwechseln und so immer unterschiedliche Stimmungen erzeugen. Auch "Breakdown" rockt mächtig mit seinen vier Gitarren, während Todd Cooper mit seiner Kopfstimme voll aufs Gas drückt. Das hohe Tempo bleibt bestehen, als Alan Parsons und ein Gitarrist bei "Don't Let It Show" ihre Gitarren mit Highspeed aufheulen lassen. Schließlich überrascht ein Violinist das Publikum mit seinem schnellen, energetischen Spiel bei "The Voice". 

Der einzige kleine Durchhänger im Konzert sind die Songs "Day After Day" und das Instrumentalstück "Total Eclipse". Der Applaus ist sehr spärlich, das Absacken des energetischen Levels im Saal ist förmlich greifbar. Aber sofort mit "Genesis Ch 1. V.32" ist die Energie wieder da. Hinten treiben sich Geige und Saxophon gegenseitig an, während die Gitarren vorne wieder mächtig glühen bei diesem Prachtsound. Die Band feiert sich selbst, aber vor allem ihren Leader Alan Parsons.

Zeit für große Gefühle

Die Zuschauer sind auf den Beinen und feiern frenetisch klatschend ihren Helden. Er steht am Keyboard und spielt die ersten Klänge von "Sirius". Jetzt kennt der Saal kein Halten mehr. Das Publikum wippt und tanzt. Alle warten auf den Gesang von "Eye In The Sky", um endlich lauthals mitsingen zu können. Die Gefühle gehen durch, die Energie im Saal ist großartig. Mit so viel Enthusiasmus gefeiert geht die Band von der Bühne; doch kommt sie auch wieder zurück, und zwar mit einem sensationellen Doppelpack.

Zuerst singen sie "(The System Of) Dr. Tarr And Professor Fether" aus dem Album "Tales of Mystery And Imagination", der Vertonung von Edgar Allan Poe.  Dem grandios gesungenen Chorus folgt das rockig energetische "Games People Play". Keiner kann sich der Faszination und Energie im Saal entziehen. Das Publikum klatscht mit und gibt auch nach Verbeugung und Abgang der Band minutenlang keine Ruhe. Also kommen Alan Parsons und Band nochmal für eine zweite Zugabe auf die Bühne und spielen "Old And Wise". P. J. Olsson setzt zum Abschluss mit seiner glasklaren, gefühlvollen Stimme ein echtes Ausrufezeichen. Die Gitarren glühen, das Saxophon bläst volles Rohr ein letztes Solo und schließlich ist der akustische Hochgenuss nach über zwei Stunden zu Ende.  

Setlist

Damned If I Do / Don't Answer Me / Psychobabble / Time / Luciferama / Days Are Numbers / Standing On Higher Ground / Limelight / Prime Time / I Robot / I Wouldn't Want To Be Like You / Some Other Time / Breakdown / Don't Let It Show / The Voice / Nucleus / Day After Day /The Show Must Go On) / Total Eclipse / Genesis Ch. 1. V. 32 / Sirius / Eye In The Sky // (The System Of) Dr. Tarr And Professor Fether / Games People Play // Old And Wise

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