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Fotos: The Australian Pink Floyd Show (live in Frankfurt 2017) © Torsten Reitz

Mit einer spektakulären audiovisuellen Performance in der Frankfurter Jahrhunderthalle beweisen The Australian Pink Floyd Show, dass sie sich live hinter ihren großen Vorbildern nicht verstecken müssen.

Bedarf es wirklich einer Nachahmung? Diese Frage darf man sich bei Coverbands häufiger stellen. Bei The Australian Pink Floyd Show sieht die Sache allerdings ein klein wenig anders aus.

Spätestens seit dem Krebstod von Rick Wright im Jahr 2008 stehen die Chancen auf eine Reunion der Herren David Gilmour, Nick Mason und Roger Waters faktisch bei null – und schon vorher war es wohl wahrscheinlicher, dass Schweine irgendwann fliegen können als dass sich die vier zerstrittenen Herren für mehr als zwanzig Minuten zusammenfinden würden.

Akribische Nachahmung

Wer auf eine möglichst originalgetreue Live-Umsetzung der Pink Floyd-Stücke Wert legt, kommt kaum an den Australiern vorbei, haben sie sich doch durch ihre akribische Arbeitsweise einen sehr guten Leumund erspielt haben und unter anderem bereits mit Rick Wright auf der Bühne gestanden und David Gilmour ein Geburtstagsständchen spielen dürfen.

Mit "The Best Side Of The Moon" bringen sie nun das komplette Meisterwerk der britischen Space Rocker und noch vieles mehr auf die deutschen Bühnen, unter anderem in die Frankfurter Jahrhunderthalle.

Audiovisuelle Erlebniswelten

Wie man es von den echten Pink Floyd gewohnt ist, thront oberhalb der Bühne eine überdimensionale runde Videoleinwand, die das Publikum optisch durch das Klang- und Sprachgewirr von "Speak To Me" in den eigentlichen Opener "Breathe" führt. Dabei halten sich die Australier absolut detailgetreu an so ziemlich jede einzelne Note und jeden Sound. Schließt man die Augen, hat man zeitweise das Gefühl, Waters und Gilmour würden leibhaftig vor einem stehen.

Seine Augen sollte man aber während der Performance besser weit offen lassen, verpasst man doch sonst eine der Hauptkomponenten des audiovisuellen Spektakels an diesem Abend. Bereits in der Anfangsphase gibt es nämlich bereits eine Lasershow, die den Zuschauer in blankes Staunen versetzen kann. Kombiniert mit der bekannt guten Akustik der Jahrhunderthalle erhalten die etwa 2.000 Zuschauer ein Erlebnis, das man sonst wohl höchstens auf den Solo-Liveauftritten von Gilmour oder Waters zu hören und sehen bekommt.

Grandioses Gesamtpaket

Auch in Sachen Botschaften auf der Videoleinwand orientieren sich The Australian Pink Floyd Show stark an ihren Vorbildern. Während "Brain Damage" wird eine Videocollage von Donald Trump und anderen aufstrebenden Populisten à la Geert Wilders und Marine Le Pen eingeblendet, bei der aber auch weitere Politiker wie Angela Merkel, Barack Obama oder Theresa May ihr Fett abbekommen. Die Bilder greifen auf das vor, was dann noch kommt – Waters' lyrische Abrechnung mit Politikern wie Ronald Reagan und Maggie Thatcher in "The Fletcher Memorial Home".

Es ist dieses Gesamtpaket, das The Australian Pink Floyd Show so beeindruckend macht. Wo sonst bekommt man innerhalb eines Sets schon nebeneinander Stücke aus der Syd Barrett-Phase wie "Arnold Layne", den von Roger Waters geprägten Alben "Animals" und "The Final Cut" sowie dem bereits ohne den streitbaren zweiten Kopf der Band entstandenen "The Division Bell" live auf die Augen und Ohren – und dann auch noch in einer derart perfekten Umsetzung? Nicht einmal die echten Pink Floyd-Mitglieder können dies bei ihren Konzerten in Eigenregie bieten.

Harmonische Ironie

Irgendwie ist es geradezu ironisch, dass ausgerechnet "The Fletcher Memorial Home" zwischen den beiden von "The Division Bell" stammenden Songs "Take It Back" und "Keep Talking" eingebettet ist. Ein Stück von der Platte, die letztlich zum endgültigen Bruch zwischen Waters und dem Rest führte und zwei Songs der letzten richtigen Platte, die unter dem Namen Pink Floyd ohne Waters erschien. Vielleicht ist es aber auch eine dezente Aufforderung an die drei noch verbliebenen Herren, sich noch einmal zusammenzuraufen.

So bleibt es momentan den Australiern mit ihrem musikalisch detailgetreuen Imitat überlassen, die Flagge der alten Floyd weiter hochzuhalten. Dabei nehmen sie sich zumindest bei der optischen Gestaltung einige künstlerische Freiheiten. Statt fliegenden Schweinen gibt es bei "One Of These Days" ein überlebensgroßes pinkfarbenes Känguru, und bei dem "Another Brick In The Wall"-Dreischlag zum Ende des ersten Aktes tanzt eine ebenso riesige Gummipuppe über die Bühne, die wohl sinnbildlich für einen der in dem Stück so verhassten Lehrer stehen soll.

Originalgetreue "Fälschung"

Als The Australian Pink Floyd Show ihr Konzert standesgemäß mit "Run Like Hell" und dem brillanten "Comfortably Numb" als Zugabe beenden, hält es kaum jemanden auf den Sitzen der komplett bestuhlten Jahrhunderthalle.

Die stehenden Ovationen sind vollkommen berechtigt, denn ein besseres Imitat wird man als Fan der britischen Rocklegenden kaum erleben können. Knapp zweieinhalb Stunden lang haben die Zuschauer ein bombastisches Gesamtpaket geboten bekommen, an dem es nicht einmal als kritischer Beobachter wirklich viel zu kritisieren gibt.

Setlist

Speak To Me / Breathe / On The Run / Time / The Great Gig In The Sky / Money / Us & Them / Any Colour You Like / Brain Damage / Eclipse / In The Flesh? / The Thin Ice / Another Brick In The Wall, Part 1 / The Happiest Days Of Our Lives / Another Brick In The Wall, Part 2 // Arnold Layne / Shine On You Crazy Diamond (Parts 1-5) / Take It Back / The Fletcher Memorial Home / Keep Talking / Sheep / Wish You Were Here / One Of These Days / Run Like Hell // Comfortably Numb

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