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Ehrlich Brothers (live in Mannheim, 2017) © Beatrix Mutschler

Die Ehrlich Brothers halten bei ihrem Auftritt in der SAP Arena in Mannheim an ihrem bewährten System fest und mischen Magie mit Comedy. Aber im Vergleich zur vorherigen Show kommt ein wesentliches Element klar zu kurz.

Die SAP Arena ist bis unter das Hallendach gut gefüllt, als der Introfilm der Ehrlich Brothers auf den Videowänden beginnt. Aus ihrer heimischen Werkstatt heraus wollen sie sich direkt in die Halle teleportieren. Als sich der Sichtschutz hebt, steht da eine Apparatur, die sich wie 3D-Drucker hoch und runter bewegt. Plötzlich stehen sie da, die Ehrlich Brothers.

Die Halle klatscht und schnell ergibt sich aus der üblichen Comedy der Running Gag des Abends. Heidelberg wird zur verbalen Zielscheibe, natürlich immer mit Augenzwinkern. Als Reisehilfe soll das neue Superhelium dienen. Der jüngere Bruder wird erst durch Einatmen des Gases zur Puppe geschrumpft. Es folgt ein Schlagabtausch wie bei einer Bauchrednershow. Am Ende kommt die Puppe in die Streckbank und der kleine Bruder ist wieder in voller Lebensgröße da.

Farbensicheres Heidelberg

Beim Folgetrick wird Traudel aus – natürlich – Heidelberg mit ihren schlagfertigen Antworten zum heimlichen Star. Sie soll die Kleidungsformen einer Figur auf einer Tafel mit verschiedenen Farben ausmalen. Blaue Strümpfe, Gelbe Krawatte, rote Hosenträger und eine grüne Hose. Als sie fertig ist, holt der Magier aus einem Umschlag ein Blatt mit richtiger Vorhersage der Farbwahl.

Das wirkt erst unspektakulär, denn im Umschlag sind mehrere Blätter. Als er jedoch jedes Blatt zeigt und alle Blätter richtig sind, wird das Raunen in der Halle hörbar lauter. Als Krönung reißt er sich Shirt und Hose weg und trägt nun exakt das vorgemalte Outfit in eben der von Traudel gewählten Farbkombination.

Schwiegermütter weg, Monstertruck da

Mit großem Aufwand wird ein Klassiker der Magie wiederbelebt. Die Ehrlich Brothers holen sieben Schwiegermütter auf die Bühne und stellen sie in eine längliche Maschine, den großen Teleporter. Es fallen Tücher vorne und hinten, die Damen halten alle ein Seil von oben fest und plötzlich sind sie unter Einsatz von Lichtblitzen verschwunden. Eine Rauchkringel zieht über die ersten Reihen hoch zum Eingang der VIP-Lounge. Dort öffnet sich die Tür und die sieben Schwiegermütter erscheinen, jede mit einem Glas Sekt in der Hand. Modern präsentiert, aber halt nicht so ganz neu, der Trick.

Visuell spannend ist dagegen der Trick, im Publikum durch einen durchsichtigen Glastisch hindurch Münzen nach unten und oben zu pressen. Aber der ganz große Trick des ersten Teils ist der Monstertruck. Dazu stellen die Ehrlich Brothers ein ferngelenktes Spielzeugauto auf die Plattform in der Bühnenmitte.

Darum herum werden acht Zuschauer als Zeugen platziert. Dann verhüllen sie den Spielzeugmonstertruck mit einem großen, weißen Tuch. Unter der Plattform sind nur Lampen zu sehen, die flache, hochgestellte Bühne bietet eigentlich keinen Platz, um etwas unbemerkt auf die Bühne zu schaffen. Dennoch hebt sich das Tuch immer weiter an. Am Ende ziehen sie das Tuch weg und auf der Plattform steht ein tonnenschwerer, gigantischer Monstertruck.

Erinnerung an Papa

Der zweite Teil der Show beginnt mit dem bekannten Intro der vorherigen Show. Aus einem riesigen IPad heraus kommt der jüngere Bruder mit einem Motorrad heraus gefahren. Der Trick bleibt in Erinnerung an den Papa im Programm. Denn es war der letzte Trick, an dem sie gemeinsam mit ihm gearbeitet haben, bevor er starb. Als Danksagung formen sie zwei Stücke Draht, die übereinander gelegt das Wort "Danke" ergeben. Den geschnörkelten Draht hält einer mit den Fingerspitzen fest und ohne weitere Berührung formt sich der Draht in der Luft zu einem Herz. Das ist die wahre Kunst, große visuell erlebbare Magie.

Der beste Trick der Show ist aber der Löwenkäfig. Bei diesem Trick soll gezeigt werden, wie ein Trick funktioniert. Es ist eine Anlehnung an die TV-Sendung "Die Tricks der größten Zauberer", in der ein Magier mit schwarzer Maske erklärt, wie einige der größten Zaubertricks der Welt funktionieren. Nun also spielt der ältere Bruder den Magier mit Maske, während der kleine Bruder sich wieder mal zum Affen oder in diesem Fall zum Löwen machen muss.

Mit einem albernen Löwenkostüm landet er am Ende im Käfig, während dieser vorher ausgeleuchtet, verhüllt und von zwei Assistenten gedreht wurde. Die Erklärung, wie er in den Käfig kommt, ist schon recht albern. Als aber beide im verhüllten Käfig verschwinden und nur noch die zwei schwarz vermummten Assistenten vorne stehen, ist die Überraschung groß, als die Kapuzenmänner Umhänge und Kapuzen abwerfen. Es sind die Ehrlich Brothers und im Käfig steht ein riesiger Löwe, der aber auch nicht echt ist. Perfekt inszeniert, eine Riesennummer.

Schräg und laut

Zum Ende der Show dominieren zwei besonders spektakuläre Aktionen. Zuerst lässt sich der ältere Bruder von einer Riesensäge scheinbar unabsichtlich zerteilen. Eine lustige Weiterentwicklung der zersägten Jungfrau. Denn der jüngere Bruder treibt mit den "Beinen" seines Bruders allerlei Unsinn. Er lässt sie allein auf einem Hoverboard fahren und schnallt sie sich dann unten mit an, um mit vier Beinen über die Bühne zur Musik der Backstreet Boys zu tanzen. Natürlich wird der große Bruder am Ende wieder zusammengesetzt.

Der letzte große Trick ist eine Art Buggy, der in die Luft gehoben wird und oben die Reifen durchdrehen lässt. Plötzlich fallen scheinbar beide Brüder samt Buggy aus der Luft runter und mit großem Knall fliegt eine Art Rakete zur Hallenrückseite. Dort sitzen beide Brüder auf dem Buggy. Ein Ende mit großem Knalleffekt.

Visuelle Erlebbarkeit fehlt

Trotz einiger Highlights bleibt nach der Show irgendwie ein zwiespältiges Gefühl. Weiterhin großartig ist der sympathische Umgang mit dem Publikum, der jedoch zuweilen fast schon zu albern wird und sich zu weit vom eigentlichen Thema Magie entfernt. Die neue Show "Faszination" sollte eine Steigerung der letzten Tour darstellen. Das ist die Show sicherlich im Aufwand mit den vielen Trucks zum Transport großer Maschinen und Autos wie dem Monstertruck. Manche Tricks wie der Löwenkäfig sind einfach grandios und stellen wirklich nochmal eine Steigerung dar.

Aber technischer Aufwand bedeutet nicht zwangsläufig faszinierendere Tricks. Die wahre Magie, die Erlebbarkeit des Unmöglichen, entsteht in erster Linie durch Magie, die offen vor dem bloßen Auge stattfindet. So wie bei der letzten Tour der aus dem Nichts wachsende Orangenbaum oder die Eisenbahnschienen aus Stahl, die vor dem Zuschauer zu einem Herz geformt werden.

Die Tricks der neuen Show sind oftmals zu verhüllt: Die Schwiegermütter, die hinter Tüchern wegteleportiert werden. Der Monstertruck, der unter dem großen Tuch auftaucht. Das ist zwar pompös und technisch aufwendig. Aber es fehlt die visuelle Erlebbarkeit. Also die Magie, die ohne Verhüllung direkt sichtbar ist und dadurch auch emotional greifbarer wird. So ist eben auch ein kleiner Draht, der sich ohne direkte Einwirkung zu einem Herz formt, vielleicht sogar spektakulärer als ein Monstertruck.  

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