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Volbeat (live in Frankfurt, 2016) © Peter H. Bauer

Während des Auftritts von Volbeat kocht die vollgepackte Frankfurter Festhalle streckenweise. Im Gegensatz zu ihren Festivalauftritten im Frühjahr lassen die lautstarken Dänen bei ihren aktuellen Konzerten jedoch einige Chancen ungenutzt.

In den letzten Jahren haben sich Volbeat zu den erfolgreicheren Bands in den härteren Gefilden gemausert. Auch hierzulande ist das dänische Quartett mittlerweile erfolgsverwöhnt.

Ihr aktuelles Album, "Seal The Deal & Let’s Boogie", war ihr zweites Nummer-eins-Album in Serie, und bei Rock am Ring und Rock im Park trat die Band als Headliner auf. In diesem Fahrwasser schwimmt der Vierer bei seiner eigenen Tournee derzeit durch große, gut gefüllte Arenen wie die Frankfurter Festhalle.

Metallische Flugstunden aus Down Under

Unterstützung erhalten sie durch die Australier von Airbourne. Nachdem sie zu den Klängen von Brad Fiedels “Terminator 2“-Thema die Bühne betreten haben, legen die Australier gleich los wie die Feuerwehr und servieren diverse Schädelspalter erster Güte. Wie Duracell-Hasen fegen Sänger und Leadgitarrist Joel O’Keeffe und seine Kollegen David Roads und Justin Street über die Bretter, während Ryan, der Bruder des Frontmanns, hinter ihnen eifrig das Schlagzeug bedient.

Weitere Showelemente dürfen natürlich ebenso wenig fehlen. Bei "Girls In Black" lässt es sich Joel beispielsweise nicht nehmen, in den Bühnengraben zu springen und mit dem Publikum zu feiern. Den Titel "It’s All For Rock‘n‘Roll" widmet er der verstorbenen Motörhead-Ikone Lemmy Kilmister. Bei "Live It Up" greift O‘Keeffe schließlich zu allerhand Utensilien, wie der während des Intros eingesetzten Luftschutzsirene oder einem Scheinwerfer, den der Sänger mitten auf das Publikum richtet. 

Treffen der Generationen?

In der Umbauphase lassen Volbeat dann bereits andeuten, wer ihre großen musikalischen Vorbilder sind. Beim Soundcheck spielt die Crew der Dänen das durch die Rainbow-Liveauftritte mit Ronnie James Dio bekanntgewordene Yardbirds-Stück "Still I’m Sad" an. Kurz darauf dröhnt "Bible Black" von "Heaven & Hell" mit dem gleichen Sänger aus den Boxen. Schließlich erklingt Motörheads "Born To Raise Hell" vom Band, der Vorhang fällt, und Volbeat stürmen mit "The Devil’s Bleeding Crown" auf die Bühne.

Befeuern die Dänen in den ersten Minuten des Konzerts die Festhalle noch mit dem gleichen Programm wie bei Rock am Ring, beispielsweise mit einem Medley aus "Heaven Nor Hell", "A Warrior’s Call" und der Dusty Springfield-Coverversion "I Only Want To Be With You", so ändert sich die Setlist bald – und das nicht unbedingt zu ihren Gunsten. Volbeat fahren in Frankfurt ein volles Härteprogramm auf, das an Intensität kaum zu überbieten ist, aber kaum Platz für Verschnaufpausen bietet.

Inspiriert durch Veteranen

Die einzig wirklich ruhigen Minuten bietet der Auftakt des countrylastigen "Sad Man’s Tongue", bei dem Sänger Michael Poulsen zur Akustikgitarre greift und mit Johnny Cashs "Ring Of Fire" den ersten Mitsingmoment des Abends anstimmt. Das Publikum stimmt dann auch als voller Kehle ein und geht, nachdem der Frontmann zum bandeigenen Stück gewechselt hat, im vorderen Teil zu einer Polonäse über. Als das Stück an Brachialität zunimmt, verwandelt sich die Zuschauereinlage in einen waschechten Moshpit.

Ansonsten gibt es volle Kanne auf die zwölf. Aus dem Vorprogramm lässt sich schließen, dass "The Gates Of Babylon" vom aktuellen Album wohl von Rainbow inspiriert sein mag. Volbeats Eigenkomposition kommt zwar mit viel Energie daher, kann aber in punkto Finesse keinesfalls mit dem gleichnamigen Stück von Dio und seinem kongenialen früheren Mitstreiter Blackmore mithalten. Das Wechselspiel zwischen lauten und leisen Tönen ist den Rockveteranen damals irgendwie besser gelungen.

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Harte Bandagen

Das Publikum scheint sich aber nicht daran zu stören, dass es brutal zur Sache geht. Dafür wirkt die Band auch zu gut aufgelegt. Immer wieder nutzen Gitarrist Rob Caggiano, Basser Kaspar Boye Larsen und Frontmann Poulsen den Rundbogen hinter Drummer Jon Larsen, um auf der Bühne herumzurennen. Gelegentlich darf man sich dabei schon fragen, ob sie vielleicht Kilometergeld bekommen. Ihre Energie heizt aber die zahlreichen, teilweise recht euphorischen Zuschauer in der Festhalle an.

Statt Stücke wie "The Lonesome Rider", das mit seinem Rockabilly-Beat bei Rock am Ring noch zum Mitwippen animierte, packen Volbeat an diesem Abend lieber Stampfer wie "Slaytan" aus. Emotional wird es dann aber doch noch, als die Dänen ein Cover ankündigen. Auf dieser Tour spielen sie "Rebound" von den befreundeten amerikanischen Punkrockern Teenage Bottlerocket. Gewidmet ist das Stück Brandon Carlisle, dem nach monatelangem Koma im vergangenen November verstorbenen Drummer der Band.

Kein Boogie

Nach drei weiteren Nummern, die im Innenraum wieder mehrere Moshpits entstehen lassen, kommen die Dänen mit "Goodbye Forever" schließlich zum Abschluss ihres regulären Sets. Vom "Elvis-Metal", der ihnen (gerüchteweise selbst von Metallicas James Hetfield) nachgesagt wird, ist an diesem Abend wenig zu spüren, auch wenn das Stück im Vergleich zum Restprogramm ungewohnt melodisch daherkommt. Versöhnliche Töne nach allerhand Krawall scheinen momentan an der Tagesordnung zu sein. 

Abgesehen davon ziehen Volbeat in Frankfurt aber einfach harte Bandagen auf. Die nach einer kurzen Pause folgenden Zugaben bilden dabei keine Ausnahme. Immer wieder darf sich Schlagzeuger Jon Larsen durch brachiale Doublebassgewitter auszeichnen, unter deren Schalldruck die Festhalle ab und an beinahe zu explodieren droht. Nach dem knallharten "Doc Holliday" gibt es mit "Seal The Deal" den Titelsong der aktuellen Platte – die "Let’s Boogie"-Komponente scheint bewusst ausgeklammert worden zu sein.

Ungenutzte Chancen

Volbeat verabschieden sich schließlich mit “Still Counting“ von ihrem Frankfurter Publikum. Dazu holen sie etliche junge Besucher auf die Bühne, die mit ihnen das reggaelastige Intro zelebrieren. Doch auch dieser anders gestaltete musikalische Moment geht alsbald wieder in krachender Härte unter, als Volbeat loslegen und Drummer Jon Larsen einmal mehr im doppelten Sinne die Trommelfelle bearbeitet. Die Dänen verabschieden sich vom Publikum standesgemäß genauso brachial wie sie begonnen haben.

Den Reaktionen der Fans in der Halle nach zu schließen, haben sie genau das bekommen, was sie wollten – Feiern und Mitgröhlen unter erhöhten Dezibelwerten. Obwohl Volbeat keine schlechte Performance abgeliefert haben, wäre mehr drin gewesen. Dass die Dänen musikalisch mehr zu bieten haben als stumpfe Brachialität, haben sie in diesem Jahr bereits auf den Festivals angedeutet. So bleibt ihr Auftritt in Frankfurt am Ende ein grandioses Experiment, um auszutesten, wie viel Lautstärke die Festhalle bei vollem Haus vertragen kann, bevor sie zusammenbricht.

Setlist

The Devil’s Bleeding Crown / Heaven Nor Hell / A Warrior’s Call / I Only Want To Be With You / Lola Montez / Let It Burn / Sad Man’s Tongue (mit Ring Of Fire) / Hallelujah Goat / The Gates Of Babylon / Slaytan / 16 Dollars / Rebound / For Evigt / Fallen / Boa [JDM] / Goodbye Forever // Black Rose / Doc Holliday / Seal The Deal / Still Counting

 

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