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New Model Army (live in Wiesbaden 2016) © Leonard Kötters

Wenngleich New Model Army schon seit den 80ern Alben auf hohem Niveau veröffentlichen, ist die Bühne doch der Ort, an dem sie ihre einzigartige Magie wirklich entfesseln können. So lässt auch ihr Auftritt im Wiesbadener Schlachthof keine Wünsche offen.

Eine Band wie Visdom als Vorband von New Model Army dürfte schon im Vorfeld für einige hochgezogene Augenbrauen gesorgt haben: Der eingängige Riff-Rock von Visdom steht in einem gewissen Kontrast zum gleichermaßen von Post-Punk und Folk beeinflussten Sound der Headliner. Dies ändert jedoch nichts daran, dass Visdom sowohl mit Songwriting als auch ihrer starken Live-Präsenz schon ab dem ersten Song gut beim Publikum ankommen.

Obwohl die Band es nicht immer schafft, sich klanglich von ihren Vorbildern zu lösen, die wohl bei 70er-Ikonen wie Black Sabbath und Konsorten sowie modernen Retro-Rock Bands wie Graveyard zu suchen sind, gelingt es ihnen doch sehr mühelos, die Besucher im Schlachthof anzuheizen.

Von Alter keine Spur

Dass diese Stimmung dann in dem Moment explodiert, als New Model Army die Bühne betreten, ist nicht nur der Tatsache geschuldet, dass es sich um die Stars des Abends handelt: Vielmehr schafft die Band es schon mit dem ersten Song, "Burn the Castle", eine beeindruckende Energie zu entfesseln, die sich durch den ganzen Auftritt zieht.

Zu großen Teilen ist es Frontmann Justin Sullivan, der mit seiner Bühnenpräsenz, seinen Bewegungen und vor allem seiner kraftvollen Stimme die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Man merkt ihm seine Spielfreude in jedem Moment an – und kann es nicht so recht glauben, dass dieser Mann schon 60 Jahre alt sein soll.

Mit Pauken und Geigen

Auch der Rest der Band spiegelt die Kraft Sullivans wider. Gerade der von einer Vielzahl an Becken fast verborgene Drummer Michael Dean verleiht der Band mit seinen rohen, post-punkigen Beats eine ungemeine Dringlichkeit. Vor allem in den Momenten, in denen der Bassist noch zusätzliche Rhythmen auf den am Bühnenrand stehenden Toms spielt, gewinnt die Band einen fast rituellen Charakter, der das Publikum zum Tanzen animiert.

Ebenfalls eine besondere Note verleiht die klassische Geigerin Shir-Ran Yinon, die sich New Model Army kurzfristig auf ihrer Tour angeschlossen hat. Songs wie "Vagabonds" profitieren ungemein von ihrem präzisen und hochemotionalen Spiel. Die hypnotischen Geigenmelodien verleihen den Songs noch mehr Tiefe und reißen das Publikum mit.

Keine Schwächen

Dass New Model Army es schaffen, über die kompletten zwei Stunden Spielzeit zu begeistern, verdanken sie jedoch nicht nur den zusätzlichen Instrumenten, sondern wohl vor allem ihrer Begabung für interessantes und dynamisches Songwriting.

Die Band erreicht innerhalb der Grenzen ihres charakteristischen Sounds einen immensen Abwechslungsreichtum und schafft es, dass das Set gleichzeitig wie aus einem Guss und trotzdem stets verschieden klingt. Man kann nur hoffen, dass Justin Sullivan so schnell nicht aufhört, den einzigartigen Sound "seiner" Band weiterzuentwickeln und vor allem live zu präsentieren.

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