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© Melina Rehhorn

Hagel, Sturm und Regen sorgen für den frühzeitigen Abbruch des Southside Festivals 2016. Was bleibt ist ein grandioser Start mit Traumwetter, guten Warm-up-Shows und viel Lob für die Veranstalter und Helfer.

Das mit Sicherheit schlimmste Unwetter in der Geschichte des Southside Festivals sorgt in der Nacht von Freitag auf Samstag für den Abbruch des Festivals.

Evakuierung und Unwetter

Zunächst sprechen die Veranstalter noch von einem vorübergehenden Abbruch des Programms, aber die Wetterlage spitzt sich in der Nacht ständig zu. Heftige Unwetter führen zur Evakuierung der Campingplätze. Wer schnell ist, kann sich in sein Auto retten und dort den Hagelsturm, das Gewitter und den starken Regen aussitzen. Andere werden sofort vom Zelt in sichere Gebäude nahe der Anlage gebracht. Es wird klar, dass so schnell keine Bands mehr auftreten werden.

Die Nacht verbringen die meisten Besucher in ihren Autos. Hier ist es nicht nur am sichersten, sondern man wird durch den festivaleigenen Radiosender ständig auf dem Laufenden gehalten. Die Folgen des Unwetters werden jedoch erst bei Sonnenaufgang gegen 5 Uhr morgens sichtbar. Regen, Hagel und Sturm haben das Gelände in einen einzigen Sumpf aus Matsch und kleinen Seen verwandelt. Wer Glück hat, findet zwar sein Zelt noch am selben Platz, doch kaum etwas ist trocken oder gar heil geblieben.

Folgenschwere Entscheidung

Gegen 4 Uhr in der Nacht fällt die folgenschwere Entscheidung: Das Southside 2016 wird abgebrochen. Die Entscheidung fiel den Veranstaltern sicherlich nicht leicht, aber sie ist vollkommen nachvollziehbar. Die Sicherheit der 60.000 Besucher steht an erster Stelle. Nicht nur gab es große Verwüstungen auf dem Campinggelände, auch das Festivalgelände musste einiges wegstecken.

"Hurra, die Welt geht unter", erklingt es über den ganzen Zeltplatz. Kein K.I.Z., kein Annenmaykantereit, keine Headliner werden es beim Southside in diesem Jahr auf die Bühne schaffen, doch beweist der Veranstalter mit seinem Handeln, dass die Sicherheit der Besucher an erste Stelle steht. Die meisten haben großes Verständnis für den Abbruch, viele sind sogar schon in der Nacht abgereist.

Ein fast perfekter Beginn

Zwei Tage vorher hätte sich keiner ein solches Ende vorstellen können. Alles fing so gut an. Strahlender Sonnenschein und knappe 30 Grad im Schatten locken die Festivalbesucher am Donnerstag auf das Gelände des take-off Gewerbeparks.

Zentrum des Treibens ist wie gewohnt die Landebahn des alten Militärflugplatzes. Hier wird geflunked, gepogt und Limbo getanzt und auch die ersten verbrannten Nasen gibt es schon nach wenigen Stunden auf dem Gelände zu beobachten.

Warm-up: Feiern bis zum Umfallen

In diesem Jahr haben sich die Veranstalter schon für den Festival-Vortag einiges vorgenommen. So steht ab 20 Uhr schon die Post-Hardcore Band Marathonmann auf der Bühne der White Stage, die in diesem Jahr den Platz mit der Red Stage getauscht hat und weiter vorne am Festivalgelände steht. Anschließend gibt es mit Weekend und Maeckes tanzbaren gute Laune Hip-Hop auf die Ohren. Kopfnicken und Springen ist hier gern gesehen.

Wem es im Zelt der White Stage zu stickig ist, wird auf der Landebahn glücklich. Das Southside hat sich in diesem Jahr seinen eigenen "sleepless floor" geschaffen. Ja, es ist nicht das Melt!, aber wer feiern will, kann hier zu den Drunken Masters inmitten der pulsierenden Masse unter freiem Himmel tanzen bis zum Umfallen.

Wer anschließend noch nicht müde ist, findet nach den DJ-Sets auf der Landebahn neben dem Party-Zelt auch auf der White Stage noch weitere Acts der elektronischen Szene, zu denen es sich bis in die frühen Morgenstunden tanzen lässt.

Vorfreude, Unwetter & Abbruch

Viel Schlaf findet man in der Nacht von Donnerstag auf Freitag nicht. Abgesehen von den Feierwütigen auf dem Campingplatz und der eigenen Partystimmung kann man bei den hohen Temperaturen nur wenige Stunden schlafen, bevor ab 8 Uhr morgens die Temperaturanzeige schon wieder über 20 Grad im Schatten anzeigt. Selbst das Flunken wird in der prallen Sonne zur Herausforderung. Echte Festivalgänger hält die Hitze jedoch nicht vom Feiern, Trinken und Tragen von Vollkörperkostümen ab.

Der offizielle Startschuss für das Festival fällt um 15 Uhr, doch ist es in der Mittagshitze noch viel zu heiß, um sich zum Festivalgelände zu bewegen. Gegen den frühen Abend finden sich jedoch immer mehr Besucher vor den Bühnen ein, suchen jedoch sofort Schutz in einem der zwei Zelte oder bei den wenigen Schattenplätzen des Geländes. Die belgische Indie-Rock Band Balthazar, die auf der Red Stage spielt, wird zum geheimen Anziehpunkt, da man sich hier im Schatten des Zeltes zu guter Musik ausruhen kann.

"Pray for a cloudy day"

Erste und einzige Highlights des Festivalfreitags sind wahrscheinlich die Auftritte von Anti-Flag sowie Tom Odell. "Pray for a cloudy day", steht auf der Lautsprecherbox der Politpunk-Band. Diese Aussage trifft den Nerv der Fans: Die hohen Temperaturen und die Sonne halten die wenigsten davon ab, im Moshpit alles zu geben.

So schweißtreibend das Set von Anti-Flag ist, so entspannend wird es auf der benachbarten Blue Stage bei Tom Odell. Angesichts der gefühlvollen Klänge des britischen Singer-Songwriters kann auch das Wetter nicht mehr an sich halten: Mitten im Set geht der erste Regenschauer über des Gelände nieder. Was zuerst als kurzer und kühlender Schauer wirkt, läutet das jähe Ende des Southsides ein. Blitze und schwarze Wolken zeichnen den Himmel und während Flogging Molly noch die letzten Töne spielen, wird das komplette Festivalgelände vor den Bühnen evakuiert.

Großes Lob an Veranstalter und Helfer

Zwar ist die Enttäuschung über den Abbruch unter den Besuchern verständlicherweise groß, doch kann man nur ein großes Dankeschön an den Veranstalter FKP Skorpio sowie die lokalen Helfer aussprechen, die die Evakuierung sicher und schnell ermöglicht haben.

Die Kommunikation und die Hilfe für die Festivalbesucher hätte besser nicht sein können. Im Hinblick auf neue Unwetterwarnungen am Samstag erweist sich das schnelle und konsequente Handeln als glückliche Entscheidung. Man kann nur hoffen, dass das Southside 2017 unter einem besseren Stern stehen wird.

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