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Spandau Ballet (live in Schwetzingen, 2015) © Andreas Moosbrugger

Spandau Ballet gastieren bei ihrem letzten Deutschlandauftritt 2015 im Schwezinger Schlosspark und begeistern zahllose Fans aus dem In- und benachbartem Ausland mit einer klassischen Best-of-Show und einer euphorisierenden Performance.

Es war ein langer Weg für die fünf Jungs aus dem Londoner Stadtteil Islington. Von der Entdeckung in Steve Strange’s trendsetzendem Blitz Club Ende der 1970er führte er über das wavelastige Debut im Jahr 1981 und dem gepflegten, aber megaerfolgreichen Yacht-Pop der Mittachtziger bis hin zur Trennung in den frühen Neunzigern. Dann folgte ein zermürbender Rechtsstreit und schließlich die Wiedervereinigung im Jahr 2009.

Seither besinnen sich Spandau Ballet auf ihren starken Backkatalog und reisen mit Best of-Tourneen durch die Welt. Anlässlich der aktuellen Tournee 2014/2015 ist die Banddokumentation "Soul Boys Of The Western World" erschienen.

Große Erwartungen und neue Songs

Nachdem sich der prachtvolle Schwetzinger Schlossgarten immer mehr mit zahlreichen alten und neuen Fans von Spandau Ballet gefüllt hat und man artig dem geschmackvollen Konfektionspop von Sarah Straub applaudiert hat, die von Studenten der Mannheimer Popakademie begleitet wird, wird es unruhig. Die Zuschauer fordern laut die Paradeband der New Romantics Welle der frühen Achtziger, die dann tatsächlich gegen 21:15 pünktlich zur Dämmerung die Bühne betritt.  

Mit "Soul Boy" stellt die Band ein brandneues Stück an den Beginn ihres Hitmarathons. Der Song zeigt, zusammen mit dem später ebenfalls dargebotenen "Steal" und dem Ohrwurm "This Is The Love“, dass die vier Londoner immer noch einen sehr eingängigen und gepflegten Pop kreieren können. Ein komplettes neues Album soll es jedoch laut Hauptsongwriter Gary Kemp im Moment nicht geben.

Spandau Ballet verfügen über mehr als genügend Material aus ihren erfolgreichen Tagen, um eine Menge Leute der Generation 45+ sehr glücklich zu machen. Bereits mit "Highly Strung" und "Only When You Leave“ fegt die Band die letzten Hemmungen vom Tisch und das eigentlich bestuhlte Konzert wird zum reinen Stehplatzereignis. Bereits hier ist der Mittelgang zwischen den beiden Bestuhlungsbereichen voll mit Junggebliebenen und man sieht ausschließlich glückliche Gesichter. So funktioniert gelebte Nostalgie!  

Eine intakte Band

Zumindest an diesem Abend ist von den einstigen Streitigkeiten nichts zu spüren. Spandau Ballet präsentieren sich demonstrativ als Einheit, inklusive inniger Umarmungen untereinander. Das nimmt man Ihnen als Zuschauer definitiv ab und es sorgt für eine positive Grundstimmung, die bald in Euphorie umschlägt.

Das liegt auch an Sänger Tony Hadley, der in seinem obligatorischen dunklen Anzug immer noch eine imposante Erscheinung ist. Seine Bühnenbewegungen sind noch der alten Elvis Schule entnommen. Schwitzend und vor Kraft strotzend führt der 55-Jährige in Instrumentalteilen Schattenboxkämpfe aus und schlägt immer wieder übermütig auf die Becken des Schlagzeugs. Hadley hat dabei alle Sympathien des Publikums auf seiner Seite und beherrscht die Bühne, wie man es von einem Sänger nicht immer als selbstverständlich erwarten darf.

Ihm zur Seite steht Bandleader und Teilzeitschauspieler Gary Kemp an der Gitarre – der Hauptverantwortliche für die Millionenseller und letztendlich Initiator der Reunion. Er füllt die Rolle prächtig aus und der Stolz über die Emotionen, die seine Band immer noch bei den Fans erzeugt, ist ihm förmlich anzumerken. Sein jüngerer Bruder Martin am Bass bildet zusammen mit Schlagzeuger John Keeble eine fabelhaft souveräne Rhythmusfraktion, die auch Funk souverän beherrscht, wie das frühe "Chant No. 1" eindrucksvoll live belegt. Das Quintett, das für die Tour noch um einen Keyboarder erweitert wurde, wird durch Publikumsliebling und Sonnyboy Steve Norman komplettiert. Als Saxofonist und Multitalent an allen Instrumenten hat er entscheidenden Mitanteil am unwiderstehlichen Popappeal der Londoner. 

Reminiszenz an Steve Strange

Neben einer kurzen Akustikeinlage von Kemp und Hadley, kündigt letzterer ein Medley des ersten Albums von 1981 an, das er dem kürzlich verstorbenen Entdecker und Inhaber des legendären Blitz Clubs, Steve Strange widmet. Bei "Reformation / Mandolin / Confused / The Freeze" zeigt sich plötzlich eine ganz andere Band.

Völlig losgelöst vom Radiopop der Erfolgsjahre, begibt sich Gary Kemp an ein altes Analogkeyboard, das Tempo wird erhöht und Hadley wächst über sich hinaus. Spandau Ballet klingen hier wie eine Mischung aus Visage und den frühen Human League. Druckvoll und vorwärtsstürmend gibt die Band die unbändige Kraft ihrer Anfangstage direkt an das Auditorium ab. Das Publikum tobt, die Begeisterung kennt keine Grenzen.

Spandau Ballet sind Meister Ihres Faches und legen Hit für Hit nach. Egal ob das dunkle und wavelastige "To Cut A Long Story Short" oder famos-groovende Singles der mittleren Bandphase wie "I’ll Fly For You“, "Communication" oder der Sing-A-Long "Lifeline", der Schwetzinger Schlossgarten singt lauthals mit und Tony Hadley erklärt dem Publikum mehr als anerkennend beim unverwüstlichen Schlusspunkt "True": "You’ve just joined the band".

Furioses Finale

Die fünf Londoner zeigen, was wirkliche Showgrößen ausmacht und stellen ihre beiden größten Hits in den Zugabenblock. "Through the Barricades" zu Beginn von Kemp und Hadley als akustisches Duo gespielt, erzeugt auch nach 29 Jahren noch Gänsehaut und Hadley hat immer noch die Stimme und Präsenz von damals, um das Stück auch an diesem Abend auf den Pop-Olymp zu hieven.

Der unverwüstliche Meilenstein "Gold" entlässt dann das Schwetzinger Publikum überglücklich in eine tropische Sommernacht. Die Band bedankt sich überschwänglich beim frenetisch applaudierenden Publikum und am Ende muss Bandleader Kemp seinen Sänger von der Bühne ziehen, weil dieser das Bad in der Menge mit einem Drink in der Hand einfach nicht beenden will. Weltstars zum Anfassen!

Setlist

Soul Boy / Highly Strung / Only When You Leave / Round and Round / This Is the Love / Steal / Chant No. 1 (I Don't Need This Pressure On)/Medley: Reformation / Mandolin / Confused / The Freeze  /To Cut a Long Story Short / Raw / Glow (akustisch) / Gold (akustisch) / Once More / I'll Fly for You / Instinction / Communication / Lifeline / True / Through the Barricades / Gold

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