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FKA Twigs (Pressefoto, 2014) © MLK

FKA twigs überzeugt bei ihrem Hamburg-Debut im Mojo-Club mit ihrem glasklaren Sopran. Luft nach oben gibt es aber dennoch, da die Sängerin zu sehr ihrer Bühnenrolle verhaftet ist.

Viel mehr Vorschusslorbeeren kann man kaum ernten: Gleich mit ihrem ersten Album hat Tahliah Barnett, besser bekannt als FKA twigs dem zuletzt müde gewordenen Genre R'n'B quasi im Alleingang neues Leben eingehaucht. Ihr mutiges TripHop-Update gilt als überzeugendste Zukunftsvision dieser Musik: "LP1" wird am Ende des Jahres in den Jahresbestenlisten vieler Musikredaktionen ganz weit vorne landen.

Zudem hat sie ihre Liasion mit Robert Pattinson sowie ein Google-Glass-Werbespot auch für die Gala interessant gemacht. Entsprechend gespannt erwartete das bunt gemischte Publikum im gut gefüllten Mojo-Club die Hamburg-Premiere der 26-Jährigen Sängerin.

Hohe Erwartungen

Die smarte Britin betritt die Bühne gegen 21:40 Uhr, ihren zierlichen Körper ganz in Schwarz gehüllt. Sie trägt Lederhandschuhe, eine hautenge Löcher-Jeans und hohe Absätze. Begleitet wird sie von ihrer Drei-Mann-Band, die E-Drums, Keyboards und bei einzelnen Stücken auch Bass und Gitarre bedienen. Doch die Blicke ruhen allein auf ihr.

"Preface" macht den Anfang, es folgt "Ache", ein älterer Track von EP1. Sofort ist klar: FKA twigs ist kein Pop-Püppchen. Die Mischung aus harten Beats und fragilen Arrangements ist clever und eigen, mitunter auch sperrig und verlangt durchaus Aufmerksamkeit.

Ihr glasklarerer hoher Gesang ist angenehm wie eine warme Regenwalddusche im Winter – und der entscheidende Link zum Pop im ansonsten perkussiven und schleppend-hypnotischen Sound. Die ZEIT nannte ihre Musik "avantgardistisch“ und ihre Stimme einen "ätherischen Sopran" – das passt.

Figuren in der Luft

Nach und nach arbeitet sie die Songs ihres Debuts ab: "Lights on", "Give up", "Water me", "Two weeks". In den Instrumentalparts malt sie mit ihren Händen imaginäre Figuren in die Luft, windet ihren Körper und dreht sich im Kreis. Ein Highlight ist "Numbers", bei dem FKA twigs vor einer sich majestätisch auftürmenden Synthie-Wand besonders beseelt über den Schmerz des Betrogen- und Verlassenwerdens singt. Es ist einer der wenigen Momente, in denen sie ihre Bühnenrolle verlässt. Ansonsten regiert die Routine.

Ab der Mitte des Sets setzen daher auch erste Ermüdungserscheinungen ein. Große Überraschungen waren bei dem begrenzten Repertoire nicht zu erwarten. Nach etwas mehr als einer Stunde ist dann alles vorbei. Keine Zugabe, kein großes Tamtam. Sympathisch eigentlich. Und die vielen Vorschusslorbeeren? Die hat FKA twigs gekonnt in ihren Soundcockatil gerührt. Davon zu kosten, macht angenehm beschwipst. Für einen Vollrausch hat es aber nicht gereicht.

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