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Mogwai gehen Anfang 2014 auf Deutschlandtour © Steve Gullick / Sub Pop

Mogwai, die schottischen Urgesteine des Post-Rock, performten in gewohnt stoischer Weise in der neuen Batschkapp in Frankfurt. Bevor die Show ihr gewohntes Niveau erreichte, gab es zunächst aber einige Anfangsschwierigkeiten zu überwinden.

"Könnte es nicht noch lauter sein?", fragte Kollege Stefan Berndt in seinem Bericht zum letzten Mogwai-Konzert in Frankfurt 2011, und beantwortete die Frage im Anschluss selbst mit "Ja"...

Knapp drei Jahre ist es nun her, dass die Schotten sich in der Mainmetropole die Ehre gaben, seitdem hat sich einiges getan: Kürzlich erschien das neue Album Rave Tapes, zuvor hatte man mit Les Revenants einmal mehr einen Film-Soundtrack veröffentlicht.

Im Jahr 18 ihres Bestehens müssen Mogwai niemand mehr etwas beweisen – außer vielleicht sich selbst. Der Status der Post-Rock-Urväter scheint zementiert, die Abläufe eingespielt und der Sound … naja, der ist eigentlich auch wie immer – abwechslungsreich eben.

Mogwai, die Indie-Konsensband

Mogwai als "Konsensband" zu bezeichnen, ist gar nicht negativ zu verstehen, denn irgendwie schaffen sie es seit 1995, alle Sparten der "irgendwie Indie"-Hörerschaft anzusprechen. Dementsprechend gemischt ist auch das Publikum in der neuen Batschkapp, die mit ihrem großzügigen Konzertraum den perfekten Platz für Breitwandsound bietet.

Vom Hipster zum Hippie sind alle erschienen und sogar den einen oder anderen Vertreter der Metal-Fraktion sieht man am Merch- oder Bierstand. Der Auftakt zur Deutschlandtour, soviel sei vorweg gesagt, gelingt dem Quintett durchaus.

Forest Swords, die es ernst meinen

Den Abend eröffnen Forest Swords. Eigentlich eine klassische One-Man-Show, hat sich Matthew Barnes für die Live-Performance Unterstützung durch einen Bassisten geholt, für großflächige Visuals ist ebenfalls gesorgt.

Nur das Publikum kümmert das kaum. Ein beinahe nicht hörbarer, dünner Sound und der immense Lärmpegel im Publikum lassen vermuten, es handle sich lediglich um den Soundcheck, nur die beharrliche Hingabe der Musiker auf der Bühne und die Dauer des Auftritts machen klar: Die meinen es durchaus ernst.

Was auf Platte durchaus ansprechend, tanzbar und innovativ rüberkommt, bleibt in Frankfurt ein Rohrkrepierer. Die Engländer ziehen dennoch ihr Ding durch, weshalb ihnen ein gewisses Maß an Respekt gebührt.

Mogwai, die Mächtigen

Der Umbau reicht gerade für ein Bier und dann steht Schottland auf der Bühne. Los geht’s mit Heard About You Last Night vom aktuellen Album. Da lässt sich die eingangs erwähnte Frage wieder stellen, zumal die ganze Sache zu Beginn noch etwas steif wirkt.

Gitarrist John Cummings hat anscheinend immer wieder Probleme mit dem Bühnensound, was jedenfalls die lebhafte gestische Kommunikation mit dem Bühnentechniker vermuten lässt. Auch beim folgenden Rano Pano steht der Drumsound von Martin Bulloch noch etwas zu dominant im Vordergrund.

Doch der Song und das sich anschließende MasterCard geben bereits einen kleinen Vorgeschmack auf die Mogwai, die man kennt – mächtig, Magengruben zum Beben bringend, unbändig laut und trotzdem filigran.

Mogwai, die Minimalisten

Das optische Setting der Tour ist übrigens eher spartanisch gehalten – statt der gewohnten Visuals gibt es lediglich ein paar Lichteffekte und das Rave Tapes-Logo im Hintergrund – so, dass dieses Mal die Musik ganz im Fokus steht. Nachdem die ersten Stücke noch etwas routiniert abgespult herüberkommen, merkt man, dass sich die Band langsam akklimatisiert. Nicht unbedingt an der Bühnen-Action, denn die gibt es nach wie vor nicht.

Relaxter als Stuart Braithwaite kann man als Gitarrist auf der Bühne kaum wirken und Dominic Aitchisons Präsenz am Bass lässt sich beinahe schon als stoisch bezeichnen. Alles nur Routine möchte man meinen. Doch Mogwai sind eben Arbeitstiere: Immer wieder schichten sie mächtige Soundwände auf, um sie wieder einzureißen, kramen Klassiker, wie das sich in infernalische Düsenjet-Dezibelhöhen schraubende I’m Jim Morrison, I’m Dead aus dem Repertoire und bei Blues Hour beweist Braithwaite, dass er auch stimmlich eine gute Figur macht.

Mogwai, die Tanzbaren

Nach dem Lärm der ersten Sethälfte bietet die Rave Tapes-Vorab-Veröffentlichung The Lord is out of Control eine gelungene Abwechslung. Der atmosphärische Track mit Barry Burns hypnotischen Vocoder-Vocals wirkt live erstaunlich schlüssig und fügt sich trotz oder gerade wegen seiner Pop-Attitüde nahtlos ins Programm.

Ab dem Hardcore Will Never Die, But You Will-Opener White Noise erhält das Quintett Verstärkung: Multitalent Luke Sutherland gesellt sich auf die Bühne, setzt zusätzliche Akzente mit der Violine, und ist auch für das anschließende Deesh eine Bereicherung: Die zusätzliche Snaredrum und Percussion im Wechselspiel mit Bullochs massivem Drumming lassen den Song einerseits als einen der härtesten im Set, andererseits als einen der eingängigsten erscheinen.

Spätestens jetzt scheinen Band und Publikum auf einer Wellenlänge und der Titel des aktuellen Albums wird Programm: Sowohl Remurdered mit einem für Mogwai-Verhältnisse beinahe schon kalten, aber extrem tanzbaren Eighties-Sound mit alles dominierenden Synthie-Spuren, als auch das finale, von Sutherlands Stimme getragene Mexican GP geraten zu Höhepunkten des Konzerts und bringen selbst den hartgesottensten Bewegungsgegner zum Fußwippen.

Mogwai, die Unberechenbaren

Nach knapp einer Stunde Spielzeit endet der offizielle Teil der Show und der Zugabenteil holt das Publikum dann wieder vom Tanzboden in andere Sphären. Denn spätestens als Braithwaite und Aitchison rituell zu Helicon 1 die Instrumente tauschen, läuft das Kopfkino auf Hochtouren: Aus der Vogelperspektive gefilmte Büffelherden, Gletscherpanoramen, Wildbäche im Frühjahr oder anonyme Menschenmassen in den Metropolen des 21. Jahrhunderts, solche Bilder entstehen bei geschlossenen Augen quasi automatisch.

Anstatt den Abend dann ruhig und besinnlich zu beschließen, gibt es zum Abschluss noch einmal die volle Dröhnung: in diabolisches Orange getaucht donnert We’re No Here über die Köpfe des Publikums, um im Stroboskop-Stakkato zu verglühen und ein gefühltes Loch im Frankfurter Boden zu hinterlassen (den Uni-Turm hätte das wahrscheinlich auch zur Strecke gebracht).

Zurück bleibt ein minutenlanger, tonnenschwer durch den Raum wabernder Nachhall. Erst ein Crewmitarbeiter erlöst das immer noch gebannt auf die Bühne starrende Publikum nach einer gefühlten Ewigkeit durch das Ausschalten der Amps. Augenreiben. Heimwärts, immer noch mit ordentlicher Dröhnung auf den Ohren. Ein Konzert, an das man sich erinnern wird.

Mogwai, die Setlist

Heard about you last night | Rano Pano | MasterCard | I’m Jim Morrison, I’m dead | Blues Hour | Friend of the Night | The Lord is out of Control | White Noise | Deesh | How to be a Werewolf (Thirty Century Man) | Remurdered | Mexican GP

Encore: Helicon 1 | We’re No Here

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