Man sollte glücklich und dankbar sein, dass es die Band bzw. das Musikprojekt Nouvelle Vague gibt. Wegen der Art Songs zu covern, die neue Facetten der Originale aufzeigt, den Charakter bewahrt und doch keine einfachen Coverversionen darstellen, sondern stets kleine Liebeserklärungen. Zudem werden viele Songs aus der Vergessenheit gerissen und finden auch in ihrer Originalversion nun wieder verstärkt den Weg auf die iPods der Hörerschaft. Auch danke dafür, so manchen Kritiker in den Wahnsinn zu treiben, jenen aber auch die Gelegenheit zu geben, sich als konservative, verbissene und kurzsichtige Ohrenzeugen zu präsentieren, die Musik nicht hören und fühlen möchten, sondern als wichtigen Bestandteil einer Profilneurose verstehen. Gerade Nouvelle Vague schaffen es mit ihrer Musik scheinbare Grenzen zu überqueren und das Ergebnis erstaunlich logisch klingen zu lassen. Was auf den Alben schon äußerst gut funktioniert, sollte doch auch auf der Bühne klappen. Man rechnet daher mit einem entspannten Abend voller fantastischer Musik, bei dem man sich an der Bar Rotwein statt Bier holt und sich erhofft, ein wenig Savoir Vivre einzuatmen. Dazu kommt noch ein Stück Neugier, wieviele Sängerinnen wohl auf der Bühne sein mögen, und ob das alles live dieselbe Anziehungskraft verbreitet, wie auf Platte. Im Endeffekt sind die Erwartungen and Bands mit solchen grandiosen Alben standesgemäß hoch und führen daher leicht zu Enttäuschungen.
Bevor es soweit war, musste man leider noch mit der schrecklichen Performance des Supportacts vorlieb nehmen und fragte sich, wieso dieser junge Mann überhaupt auf die Bühne durfte. Von dem Augenblick an, als Nouvelle Vague die Bühne betraten, war das aber auch schon egal. Wieder war Verwunderung angesagt, diesmal aber positiver Art. Mit solch einer Energieleistung seitens Band und Sängerinnen hatte niemand gerechnet. Es war auf eine ungeahnte Art Punk-lastig, trotz Country, Bossa Nova und Jazz. Das lag einmal an den wundervollen Sängerinnen, die sich rotzfrech und doch äußerst charmant präsentierten und den Charakter der Songs live noch näher am Original hielten, als man es hätte erwarten können. Dass sie die Originale zuvor nicht kannten, ließ sich nur schwer glauben. Nouvelle Vague schafften es, mit ihren Versionen der Songs zu rocken, obwohl sie scheinbar genauso wie auf ihren Alben daher kamen. Mit minimalen Akzentuierungen an den richtigen Stellen, einer stärkeren Betonung bestimmter Textzeilen oder auch nur einer gewissen Mimik schufen sie eine besondere Atmosphäre.
Als plötzlich Gerald Toto aus dem Vorprogramm die Bühne betrat und Heart Of Glass performte, machte er seinen schlechten Auftritt vom Anfang verziehen. Ob Love Will Tear Us Apart von Joy Division, Too Drunk To Fuck von den Dead Kennedys oder Human Fly von den Cramps, jeder Song war ein Highlight, jede Performance einzigartig und das Publikum hin und weg. Fast zwei Stunden spielten Nouvelle Vague und genossen es sichtlich, vom Publikum frenetisch gefeiert zu werden. Bei Eisbär von Grauzone spielte Melanie Pain wieder ihr komplettes Repertoire an Klein-Mädchen-Charme aus, wodurch sich wohl der Großteil der männlichen Besucher in sie verliebt haben muss, der sexgeladenen Tanzperformance ihrer Kollegin Nadeah zum Trotz. So grandios Nadeah auch war, die Momente in denen Melanie Pain zu Einsatz kam waren die spannendsten und zogen den Besucher voll und ganz in ihren Bann. Und somit wurde bewiesen, dass selbst Konzerte mit kaum erreichbaren Erwartungen deutlich übertroffen werden können. Dieser Abend gehört definitiv zu den Highlights 2009.




