Seit mehr als 20 Jahren bespielen Nouvelle Vague in variierender Besetzung international die Bühnen mit Bossa Nova-Neuinszenierungen von Klassikern des Post-Punk und New Wave. Im Heidelberger Karlstorbahnhof präsentiert das französische Musikprojekt sein neuestes Album “Should I Stay or Should I Go?”. Eine Frage, die der begeisterte Applaus im Publikum schon nach dem ersten Song beantwortet.

Bevor Nouvelle Vague jedoch die Bühne betreten, stimmt mit der australischen Singer-Songwriterin Nadeah ein ehemaliges Mitglied des Musikprojekts das Publikum auf den bevorstehenden Live-Abend ein. Unterstützt wird sie dabei von Gitarrist Arthur, mit dem sie bereits in ihrer ehemaligen Band Lovegods musiziert hat.

Einige der Songs aus Nadeahs Set sind noch unveröffentlicht, dennoch gelingt es der Musikerin schnell, ihr Publikum von ihnen zu überzeugen. Das liegt mitunter wohl auch an der charmanten Anmoderation.

Bevor die Künstlerin einen Song mit dem Titel "Millenial Kids" spielt, paukt sie kurzerhand ein paar Vokabeln mit den Konzertbesucher*innen, damit diese den Text dann auch gut verstehen können. Von ferngesteuerten Autos bis zur Sehnenscheidenentzündung – der Wortschatz muss sitzen. Denn Nadeah erzählt in ihren Songs ganze Geschichten, die das Publikum trotz wiederkehrender Weltschmerz-Trope zum Schmunzeln bringen.

Eine Reise, mehrere Etappen

Nach einer kurzen Pause ist es dann soweit. Als es im Saal dunkel und auf der Bühne etwas heller wird, erfüllt “Psst”-Geflüster den Raum. Dann setzt ein dröhnender Sound ein, die ersten Bandmitglieder betreten die Bühne und nehmen ihre Plätze ein.

Den Auftakt des Konzerts macht mit "Love Will Tear Us Apart" ein Lied, das inzwischen neben einem Joy Division- auch zu einem Nouvelle Vague-Klassiker geworden ist. Mélanie Pain, die dem Stück an diesem Abend ihre Stimme leiht, tritt erst auf die Bühne, als die ersten Zeilen des Lieds bereits gesungen sind. Noch liegt ihr Gesicht im Schatten.

Das ändert sich mit dem nächsten Song. Während "People are People" erhält das Publikum nicht nur einen besseren Blick auf die Bühne, dort komplettiert sich nun auch die Besetzung, als sich Phoebe Killdeer für ihren ersten Gesangseinsatz zu den anderen Mitgliedern gesellt.

Im Sechserpack

Nouvelle Vague präsentieren sich bei ihrem Auftritt in Heidelberg sechsköpfig, im Fokus ihres Sets stehen neben der aktuellen Veröffentlichung "Should I Stay or Should I Go?" auch das selbstbetitelte Album aus dem Jahr 2004. Aber auch weitere Alben wird ein Besuch abgestattet.

So darf etwa der Grauzone-Hit “Eisbär” nicht fehlen, den nicht nur das Publikum, sondern die ganze Besetzung textsicher mitsingt. Während des Konzerts bleibt kaum eines der Mitglieder die gesamte Zeit an selber Stelle. Mal versammelt man sich mit Claves und Rasseln um ein Mikro in der Mitte der Bühne, mal ist es der Kontrabass, der dort von Oliver Smith zum Besten gegeben wird.

Für "The Guns Of Brixton" kommt dann auch Nadeah noch einmal aus dem Backstage zurück auf die Bühne und ans Mikrofon.

Das Publikum geht mit

Mélanie Pain und Phoebe Killdeer liefern die ein oder andere Tanzeinlage, die Choreografien werden teilweise im Publikum übernommen. Während bei "Human Fly" geschunkelt wird, wird es bei “Just Can’t Get Enough” etwas energischer.

Ein besonderes Highlight stellt hier ein Schlagzeug-Solo dar, das mit leuchtenden Schlagzeugsticks performt wird. Schlagzeuger Julien Boyé hat kleine Taschenlampen an diese montiert, mit deren Schein er nach kurzen Unterbrechungen seines Solos das Publikum abtastet, um dieses zu einem immer lauteren Applaus anzustacheln. Auch in "A Forest" – im Original von The Cure – kommt das Schlagzeug eindrucksvoll zum Einsatz.

Nachdem die Gruppe unter tosendem Applaus die Bühne verlässt, kehrt sie handtuchschwingend noch einmal für eine vierteilige Zugabe dorthin zurück, bevor sie den Abend mit ihrem wohl bekanntesten Cover “Manner of Speaking” ausklingen lässt. Das Publikum ist zufrieden, denn: Konzerte der Gruppe lassen nicht nur ein bisschen nostalgisch werden, sie machen auch viel Freude.

Setlist

Love Will Tear Us Apart (Joy Division Cover) / People Are People (Depeche Mode Cover) / Only You (Yazoo Cover) / Making Plans For Migel (XTC Cover) / This Is Not A Lovesong (Public Image Ltd Cover) / Girls On Film (Duran Duran Cover) / What I like Most About You is Your Girlfriend (The Specials Cover) / A Forest (The Cure Cover) / Marian (The Sisters of Mercy) / Eisbär (Grauzone Cover) / Should I Stay Or Should I Go (The Clash Cover) / Just Can't Get Enough (Depeche Mode Cover) / She's In Parties (Bauhaus Cover) / The Guns Of Brixton (The Clash Cover) / Too Drunk To Fuck (Dead Kennedys Cover) / Shout (Tears for Fears Cover) / Master And Servant (Depeche Mode Cover) / I Melt with You (Modern English Cover) // Ever Fallen In Love (Buzzcocks Cover) / This Charming Man (The Smiths Cover) / Human Fly (The Cramps Cover) / Manner of Speaking (Tuxedomoon Cover)