Sarah Connor (live bei Jazz & Joy in Worms, 2018)

Sarah Connor (live bei Jazz & Joy in Worms, 2018) © Bernward Bertram

Sarah Connors neuer Song "Vincent", der vom Coming Out eines schwulen Jugendlichen handelt, wird von einigen Radiosendern zensiert oder sogar boykottiert. Umstritten ist vor allem die erste Textzeile. Jetzt hat sich auch die Sängerin selbst dazu geäußert.

Der neue Song "Vincent" beginnt mit der Textzeile "Vincent kriegt kein' hoch, wenn er an Mädchen denkt". Das Lied handelt von einem Jungen, der erkennt, dass er schwul ist und den Qualen der ersten Liebe. 

Sarah Connor hat mit dem Song definitiv einen Nerv getroffen. Trotz aller Toleranzbekundungen sorgt ein positiver, lebensbejahender Pop-Song für Kontroversen – und nur deshalb, weil er sich um homosexuelle Liebe dreht.

Problematische Zeile

Die Reaktionen auf das Lied könnten unterschiedlicher nicht sein: Einige Radiosender sind von der Message so begeistert, dass sie den Song schnell in ihr Hauptprogramm aufgenommen haben. Es gibt aber auch andere Sender, zum Beispiel Antenne Bayern, Deutschlands größter privater Radiosender, der den Song nur in einer zensierten Version spielt.

Die Message des Liedes sei dabei nicht der ausschlaggebende Punkt, so der Sender. Der Sender stört sich aber an der ersten Textzeile, die aus seiner Sicht nicht mit dem Jugendschutz vereinbar ist. Antenne Bayern spielt "Vincent" zwar, aber in einer Version in der diese Textzeile nicht vorkommt.

Solche Argumente haben in Bayern lange Tradition. Der Bayerische Rundfunk war in früheren Jahrzehnten bekannt dafür, missliebige Botschaften aus dem Programm zu verbannen, beispielsweise das EAV-Lied "Burli" mit der Begründung, es würde Behinderte beleidigen. In Wirklichkeit störte sich der BR aber an der kernkraftkritischen Aussage des Songs.

Weitere Stellungnahmen

Wie damals macht auch heute das Beispiel Schule: Das "familienorientierte" Berliner Radio Teddy verzichtet ganz darauf "Vincent" abzuspielen, Hitradio Antenne 1 aus Stuttgart, hat sich ähnlich Antenne Bayern dazu entschieden, tagsüber nur eine zensierte Version abzuspielen. 

Der Bayrische Rundfunk, der heute anders agiert als damals, sowie die RBB-Sender Antenne Brandenburg und rbb 88.8 äußern sich sehr positiv über den neuen Song der 38-Jährigen. Sprecher der Sender unterstützen die Message des Songs und haben ihn sofort in das normale Tagesprogramm aufgenommen. 

Der echte Vincent

Die Idee für "Vincent" kommt nicht von irgendwoher. Connor berichtet, dass in ihrem Umkreis solch eine Situation vorgekommen sei. Ein Freund ihrer Kinder habe sich geoutet, woraufhin die Sängerin das Thema der Homosexualität und der Liebe im Gesamten ansprechen wollte.

In einem Interview mit RTL hat Sarah Connor nun auf die heftige Kritik reagiert und sagt: "Wir tun ja immer so, als wäre es überall, als wäre es völlig in Ordnung, und dann bringt es ein Song auf den Punkt und dann gibt's plötzlich Ressentiments. Ich finde, man sollte es als Chance ergreifen, darüber zu sprechen."

Auch bei den Fans umstritten

Wie notwendig das ist zeigen auch die Reaktionen unter einem Instagram-Post von Sarah Connor, in dem sie ihren Fans dankt. In den Kommentaren sind sehr unterschiedliche Meinungen vertreten. Lob und Dank von Eltern, dass die Sängerin das Thema angesprochen habe, aber auch Kritik: Manche äußern Sorgen, dass Kinder mit dem Namen Vincent in Zukunft Opfer von Mobbing werden könnten.

Insgesamt erhält Sarah Connor aber sehr viel Unterstützung von ihren Fans, die ihr zeigen wollen, dass sie mit dem Song alles richtig gemacht hat. Dennoch stellt diese Kontroverse das Bild einer Gesellschaft in Frage, die gerne den Anspruch erhebt, mit dem Thema Homosexalität und mit einer offenen Sprache umgehen zu können.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

❤️ Vincent ist überall ❤️ DANKE ?@christophkoestlin

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