Ein gespanntes Publikum auf dem Wave-Gotik-Treffen 2014

Ein gespanntes Publikum auf dem Wave-Gotik-Treffen 2014 © M. Kugelmann

Das 27. WGT (Wave-Gotik-Treffen) lässt vom 18. bis 21. Mai Leipzig in dunklem Glanz erstrahlen. 111 Künstler und Gruppen und über 60 Veranstaltungsorte laden Fans aller Subkulturen des Gothic zu einem Szenetreffen von Weltformat ein.

Im Mai 2018 findet das Wave-Gotik-Treffen in Leipzig zum 27. Mal statt. Am Pfingstwochenende (Freitag 18. Mai bis Montag 21. Mai) versammelt sich die Schwarze Szene aus Deutschland und der Welt, um die sächsische Kulturstadt Leipzig in dunkle Farben zu hüllen.

Allein das Line-up verspricht Vielfalt. Bereits 111 Musiker und Bands sind für 2018 bestätigt. Zwar stammt ein überwiegender Teil aus Deutschland, doch auch Bands aus dem europäischen Ausland, Nordamerika und Australien lassen es sich nicht nehmen das WGT mit ihrer Anwesenheit zu bereichern.

Mit dabei sind Szenegrößen wie Trisomie 21, [:SITD:], Schandmaul, Front Line Assembly, The Jesus and Mary Chain, Tiamat, Rome, Zeromancer, Ost+Front, De/Vision und Centhron.

Elektrifizierend, düsterromantisch oder krachend metallisch

Musikalisch schießt das WGT aus allen Rohren der Schwarzen Szene. Der Festivalbesucher wird bedient mit elektronischen Beats aus Wave, Gothi-Pop, Noise und Industrial (Seelennacht, KiEw. [:SITD:], Mr. Kitty, Boy Harsher). Im krassen Gegensatz dazu steht das Angebot aus der Mittelalter-, (Neo-)Folk- und Neoromantik-Szene (Schandmaul, Arcana, Cesair, Jo Quail, Fairytaile, Rome).

Auch gitarrenlastigere Arrangements aus Subgenres von Punk, Rock und Metal (Paddy and the Rats, The Jesus and Mary Chain, Tiamat, Heldmaschine) werden die Besucher nicht vermissen. Damit ist aber nur die Spitze des Eisbergs angekratzt, denn die Facetten sind zahlreich und Übergänge zwischen den Genres fließend.

Abwechslungsreiches Musikprogramm

Das Songwriterprojekt Rome von Jérôme Reuter, das meist dem Neofolk zugerechnet wird, ist musikalisch recht ambivalent. Das Genre ist immer wieder Gegenstand von Spekulationen über die angeblich rechte politische Ausrichtungen der Künstler. Zum Glück stechen da Rome erfrischend aus dem Klischee hervor. Ihre Songs sind oft zutiefst metaphorisch und politisch nicht klar zu verorten. Stattdessen brillieren Ihre ruhigen und dennoch kraftvollen Songs mit philosophischer Tiefe und sprachlichem Witz.

Eine ganze andere Richtung bedienen The Jesus and Mary Chain. Die britischen Shoegazer stehen stilistisch ein wenig abseits des sonstigen WGT-Programms, bereichern das Programm aber mit exquisiter Düsternis einer etwas anderen Spielart. Ihr stilprägender Einfluss auf die britische Shoegaze-Szene, Indie-Rock, Noise-Rock und Brit-Pop ist unbestritten und live entfesseln sie nach wie vor eine beeindruckende Wucht.

They put the wave in WGT

Dem Wave in Wave-Gotik-Treffen werden Trisomie 21 gerecht. Die Franzosen zählen seit ihrer Gründung 1980 zur ersten Welle des Genres. Ihr Sound erinnert an Anne Clark und Skinny Puppy, wenn auch deutlich ruhiger, geradezu "kälter". Nicht umsonst werden sie dem melancholischen Coldwave zugerechnet, dass euch mit flächigen Arrangements und minimalistischen Beats träumen und tanzen lässt.

Wer es zwar gerne elektronisch, dafür aber viel härter mag, ist mit [:SITD:] (Shadows in the Dark) gut bedient. Hier schließt sich an Wave, Gothic, Neoromantik und Rock eine weitere Fraktion dem Kanon der vielgestaltigen Schwarzen Szene an. Aggrotech oder Industrial nennt sich die geradlinige Musik des deutschen Urgesteins dieses Genres. Verzerrter Sprechgesang, tanzbare Rhythmen und kräftige Bässe sind das Markenzeichen der Gruppe.

Doppelte Zeitreise

Das Wave-Gotik-Treffen, 1992 als sehr kleines Musikfestival mit nur acht Bands entstanden, ist inzwischen eines der bedeutensten Festivals der Gothic-Kultur. Seit deren Anfängen in den 80er Jahren formten sich zahlreiche Stile und feste Genregrößen. Das zeigt sich an den erwähnten Bands, die bereits seit den 1980ern aktiv sind.

Das WGT wartet aber auch immer wieder mit neuen Gesichtern auf und beweist damit seine Nähe zur lebendigen und experimentierfreudigen Wave-Gotik-Szene. Das WGT wird somit zu einem Kaleidoskop von Stilen und Zeiten, was sich auch im altersmäßig sehr durchmischten Publikum zeigt.

Die Musik steht zwar im Vordergrund des Wave-Gotik-Treffens, aber das Festival bietet weit mehr als Musik. Fest dabei ist jedes Jahr das große viktorianische Picknick im Clara-Zetkin-Park, das zahlreiche Besucher in historisch inspirierter Festgarderobe anlockt. Ob angelehnt an Barock oder ganz im skurilen Steampunkdesign, ob 17., 18. oder 19. Jahrhundert, dort im Grünen finden Freunde der düsteren Extravaganz ihresgleichen. Auch ein mittelalterliches Dorf wird es wieder geben.

Festival, Familientreffen, fantasievolle Verwandlung

Neben Konzerten, Picknick im Park und heidnisch-mittelalterlichem Dorf wird das Programm jedes Jahr mit einer großen Zahl anderer Veranstaltungen rund um die Wave-Gotik-Kultur abgerundet. So zählen Lesungen, Workshops, Ausstellungen, ein Gottesdienst der besonderen Art und eine Fetisch-Party zum festen Programm.

An über 60 Eventlocations verteilt in der Stadt bietet das WGT ein unfassbar vielfältiges Programm, das die vielen Gesichter der Schwarzen Szene widerspiegelt. Hauptlocations sind dabei das Messegelände des agra-Treffenparks und das mittelalterliche Dorf nahe des zentralen WGT-Campingplatzes. Aber auch viele Leipziger Clubs, Museen, Bars, Cafés der große Südfriedhof, das Völkerschlachtdenkmal, Kirchen und andere Orte der Stadtkultur sind Schauplätze des fröhlichen Fests im dunklen Gewand.

Während des Wave-Gotik-Treffens verwandelt sich Leipzig in eine andere Welt: einen schwarzen, fantasievollen, pulsierenden Bienenkorb, der von ca. 20.000 Gästen bereichert wird. Für einige ist das WGT längst vom einfachen Festival zum Familientreffen oder Jahresurlaub geworden.

Das bisherige Line-up

A Projection (S) - Actors (CDN) - Aeon Rings (USA) - Aeverium (D) - All Gone Dead (USA) exklusives Europa-Konzert 2018 - Arcana (S) - Ash Code (I) - Ataraxia (I) - Autobahn (GB) - Beinhaus (D) - Black Line (GB/USA) - Bootblacks (USA) - Boy Harsher (USA) - Buzz Kull (AUS) - Centhron (D) - Cesair (NL) - Confrontational (GB) - Crisis (GB) - Crying Vessel (CH) - Dageist (F) - De/Vision (D) - Dead Leaf Echo (USA) - Detachments (GB) - Die Kammer (D) - Dive (B) - Drifter (S) - Eden Weint Im Grab (D) - Einar Selvik (N) - Elegant Machinery (S) - Ext!ze (D) - Fabrik C (D) - Fairytale (D) - Formalin (D) - Frank The Baptist (USA) - Front Line Assembly (CDN) - God Module (USA) - Grave Pleasures (FIN) - Grendel (NL) - Greyhound (D) - Guerre Froide (F) - Hekate (D) - Heldmaschine (D) - Hexheart (USA) - Illuminate (D) - Imminent & Synapscape (B/D) - Imperium Dekadenz (D) - Ingrimm (D) - Japan Suicide (I) - Jo Quail (GB) - Joy/Disaster (F) - Kaizer (D) - Kiew (D) - Les Discrets (F) - Merciful Nuns (D) - Model Kaos (D) - Mono No Aware (D) - Monolith (B) - Mr. Kitty (USA) - Nachtsucher (D) - Oberer Totpunkt (D) - Ost+Front (D) - Paddy And The Rats (H) - Palast (D) - Phil Shoenfelt & Southern Cross (GB/CZ) - Phosgore (D) - Principe Valiente (S) - Pyogenesis (D) - Raison D'être (S) - Randolph's Grin (USA/A) - Rapalje (NL) - Readership Hostile (USA) - Rome (L) - Sardh (D) - Sarin (IR) - Scarlet And The Spooky Spiders (I) - Schandmaul (D) - Scheuber (D) - Second Still (USA) - Seelennacht (D) - Seigmen (N) - Silent Runners (NL) - Siva Six (GR) - Solitary Experiments (D) - Spark! (S) - Stahlr (NL) - Still Patient? (D) Konzert zum 30. Jubiläum - Sturm Café (S) - Suir (D) - Svartsinn (N) - The Beauty Of Gemina (CH) - The Crimson Ghosts (D) - The Fright (D) - The Jesus And Mary Chain (GB) - The KVB (GB) - The Last Cry (GB) - The Other (D) - Then Comes Silence (S) - Tiamat (S) spielen Stücke aus den Alben „Wildhoney“ und „Clouds“ - Totus Gaudeo (D) - Traitrs (CDN) - Traumtaenzer (D) - Trepaneringsritualen (S) - Trisomie 21 (F) - Undertheskin (PL) - Unterschicht (D) - Vogon Poetry (S) - Vomito Negro (B) - Xenturion Prime (N) - Zanias (AUS) - Zeromancer (N) - [:SITD:] (D)

Wave-Gotik-Treffen 2018

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