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In diesem Jahr richten Patrick Forgacs und Alexander Henninger mit Unterstützung des Clustermanagements Musikwirtschaft erstmals das Jetztmusik Festival aus. Wir sprachen mit Alexander Henniger (im Bild vorne) und Matthias Rauch (ganz rechts) vom Clustermanagement über ihr Konzept, Programmhighlights und warum es dieses Jahr keine Freiluftveranstaltungen gibt.

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regioactive.de: Was ist das Konzept des Jetztmusik Festivals 2014?

Matthias Rauch: Das Jetztmusik Festival 2014 ist ein anderes, als es noch im Jahr 2013 war. Zum einen gibt es ein neues Team: Patrick Forgacs (hinten links) und Alexander Henninger sind die beiden neuen Veranstalter. Das Festival wird nicht mehr von Cosmopop ausgerichtet, sondern von ihnen in Zusammenarbeit mit dem Clustermanagement.

regioactive.de: Das Clustermanagement ist aber nicht selbst Veranstalter?

Matthias Rauch: Nein, das Clustermanagement ist beratend und unterstützend tätig. Die musikalische Ausrichtung des Festivals hat sich ebenfalls geändert: Zwar steht die elektronische Musik nach wie vor im Mittelpunkt, dabei wird aber verstärkt der Austausch mit der sogenannten Hochkultur angestrebt. Es gibt dieses Mal stärkere Schnittstellen zur Klassik, außerdem zur Literatur, zum Tanz und zur Performance. Wir wollen das Festival auch weiterhin im öffentlichen Raum stattfinden lassen, an Locations, die nicht unbedingt ausschließlich für Konzerte genutzt werden.

"Unser Fokus liegt auf der Schnittstelle zwischen Klassik und Pop"

Alexander Henninger: Matthias hat das eigentlich schon sehr gut zusammengefasst. Wir möchten uns von der Clubmusik, auf die das Jetztmusik Festival die Jahre zuvor ausgerichtet war, ein wenig loslösen. Es wird neue Locations und neue Künstler geben, unser Fokus liegt neben der elektronischen Musik nun auf der Schnittstelle zwischen Klassik und Pop.

regioactive.de: Bislang hat Cosmopop sowohl das Jetztmusik Festival als auch die Time Warp veranstaltet hat. Warum ist das dieses Jahr nicht mehr so?

Matthias Rauch: Cosmopop ist mit vielen Festivals europaweit sehr erfolgreich, mittlerweile expandieren sie in die USA und Südamerika. Deshalb waren einfach die Ressourcen nicht mehr da, um das Jetztmusik-Festival wieder zu stemmen. Das haben sie uns rechtzeitig mitgeteilt, wir haben uns dann gemeinsam mit Cosmopop auf die Suche nach den passenden Leuten gemacht, die das Festival übernehmen und tragen können.

Alexander Henninger: Patrick wurde von Robin Ebinger von Cosmopop angesprochen. Patrick ist z.B. verantwortlich für die Herbstzeitlose auf dem Heidelberger Herbst und die Sommerzeitlose auf dem Campus der Heidelberger Uni. Ihm wurde der Job angeboten und er hat mich gefragt, ob ich das Ganze mit ihm zusammen angehen möchte, weil wir schon für mehrere Projekte zusammengearbeitet haben.

"Das Symposium behandelt die Unterschiede zwischen Hoch- und Popkultur"

regioactive.de: Das Jetztmusik Festival beginnt mit dem relativ theoretischen Symposium, das sich mit den Grenzen der E- und U-Musik beschäftigt. Was ist das Ziel dieses Symposiums?

Matthias Rauch: Das Symposium setzt genau am Kernpunkt des diesjährigen Festivals an. Was wir während des Festivals inhaltlich mit den Künstlern verhandeln, wollen wir auch noch diskursiv als Opener diskutieren. Ich finde es immer gut, neue Anknüpfungspunkte zu schaffen und eine Austauschplattform für die Zuschauer zu bieten. Wir werden die Unterschiede zwischen Hoch- und Popkultur, beziehungsweise zwischen E- und U-Musik, thematisieren. Das soll zuerst auf einer abstrakten, theoretischen Ebene, also in einem wissenschaftlichen Kontext, erfolgen. Im zweiten Schritt soll es darum gehen, wie man redet, schreibt und denkt mit diesen Begriffen, also eine Betrachtung aus dem journalistischen Blickwinkel. Das letzte Podium soll dann die kulturpolitischen Konsequenzen dieser Entscheidung beleuchten.

Lest im zweiten Teil, wie die Veranstalter planen, die Grenzen zwischen Pop und Klassik aufzubrechen.

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regioactive.de: Es soll also eine Art Konferenz werden? Dann ist klar, dass die Außenwirkung eher begrenzt ausfallen wird, es werden wohl hauptsächlich Mannheimer Kulturschaffende und die Konferenzvortragenden kommen. Die Veranstaltung konzentriert sich also auf eine kleine Elite, die an diesen Themen interessiert ist.

Matthias Rauch: Elite würde ich so jetzt nicht sagen. Wir bieten das Symposium ganz bewusst umsonst an und haben eine Gruppe hochwertiger Referenten zusammengestellt. Damit möchten wir genau diesem Vorwurf des "Geklüngels" im kleinen Kreis entgegenwirken. Das Symposium ist öffentlich, jeder kann kommen. Wir bitten lediglich um eine kurze Anmeldung per Mail, um die Planung zu erleichtern.

regioactive.de: Wenn man "normale" klassische Konzerte besucht, trifft man zum großen Teil ein eher älteres Publikum. Ist das Aufbrechen traditioneller Formen der einzige Weg, junge Leute überhaupt noch für klassische Musik zu begeistern?

Alexander Henninger: Ich finde es wichtig, gerade den jüngeren Menschen etwas Besonderes zu bieten. Durch ein solches Festival lassen sich die üblichen Formen eines klassischen Konzertes aufbrechen. Gerade weil die Konzerte an anderen Locations stattfinden und die Künstler selber noch sehr jung sind und die elektronischen Einflüsse mit in ihr Programm aufnehmen, wird jungen Leuten gezeigt, dass Klassik und Pop miteinander verschmelzen können. Die festen Normen sind nicht mehr da.

"Wir möchten die Locations von Jahr zu Jahr variieren"

regioactive.de: Eine Tradition beim Jetztmusik Festival ist es schon fast, ungewöhnliche Aufführungsorte zu finden. Ein Beispiel ist Adomeit im Waschsalon.

Alexander Henninger: Der Waschsalon hat etwas Alltägliches, kann aber die Fantasie beflügeln. Das Konzert im Waschsalon wird präsentiert von Kontrastmittel, also von David Kirchner. Er möchte zeigen, dass es zwischen Klassik und Pop keine Grenzen gibt und arbeitet mit dem der Indie-Pop Band Mono Girl aus Schweden und dem Pianisten Kai Adomeit zusammen. Der Waschsalon als Location wird quasi verzaubert und durch die gezeigten Visuals zur Spielfläche: Ein alltäglicher Ort wird zur Bühne gemacht. Wir möchten auch die Locations von Jahr zu Jahr variieren, um noch mehr Abwechslung zu schaffen.

Der dritte Teil behandelt die Frage, warum die Veranstalter dieses Jahr Freiluftveranstaltungen gescheut haben und was es mit dem Jetzt-Club auf sich hat.

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regioactive.de: Nach dem kalten Frühjahr 2013 habt ihr in diesem Jahr die Freiluftveranstaltungen gescheut.

Matthias Rauch: Das stimmt, dieses Jahr ist Freiluft tatsächlich nicht so angesagt. Wir sind vom letzten Jahr noch etwas gebrandmarkt, da hatten wir ziemliches Pech mit dem Wetter. Open Air ist halt immer ein Risiko. Das heißt aber nicht, dass es in Zukunft keine Open Air-Veranstaltungen mehr geben wird, wir lassen uns da alles offen. Ein Punkt, der uns allen sehr wichtig ist, ist die Verbindung von "was" und "wo". Darum ist es sehr wichtig, wo die Veranstaltungen stattfinden und in welchem Kontext.

regioactive.de: Trotzdem gibt es viele normale Locations wie z.B. die Alte Feuerwache. Man kann aber auch diese Locations mit Effekten und Präsentation besonders machen. Visuals werden also wahrscheinlich eine große Rolle spielen.

Alexander Henninger: Auf jeden Fall. Man probiert natürlich, die Location für das Publikum in Szene zu setzen. Deshalb arbeiten wir dieses Jahr auch wieder mit der B-Seite zusammen und werden einige Veranstaltungen mit Licht bestrahlen. Dabei muss man aber auch immer auf die Künstler achten und eine gesunde Mischung finden.

regioactive.de: Wo wir gerade von der B-Seite sprechen: Empfindet ihr es nicht als unglücklich, dass zwei Veranstaltungen mit dem Wort "Jetzt" im Titel zeitlich so nah beieinander liegen?

Matthias Rauch: Die Veranstaltungen lagen schon viel enger zusammen. Ich will auch überhaupt nicht ausschließen, dass sie irgendwann wieder noch enger zusammengelegt werden. Wir sind da völlig offen. Natürlich ist das Wording relativ ähnlich, ich glaube aber schon, dass die B-Seite inhaltlich einen anderen Akzent setzt als das Jetztmusik-Festival.

"Die Besucher dürfen sich auf viele Überraschungen freuen"

regioactive.de: Das Publikum kann aber vielleicht gar nicht zwischen den beiden Veranstaltungen unterscheiden, gerade wegen der Namensgebung

Alexander Henninger: Wenn das Festival über die Bühne ist, werden wir uns natürlich auch mit der B-Seite zusammensetzen und überlegen, wie man in der Hinsicht in Zukunft weitermacht.

regioactive.de: Wer finanziert das Jetztmusik-Festival dieses Jahr?

Matthias Rauch: Unsere Hauptförderer sind nach wie vor das Kulturamt, das Stadtmarketing und der Beauftragte für Kultur- und Kreativwirtschaften sowie das Clustermanagement, das sich vor allem mit Arbeitskraft einbringt.

regioactive.de: Für den Jetzt-Club konntet ihr Ricarda Rausch gewinnen, die schon mit ihrem Projekt "Zwischenraum" für Aufsehen gesorgt hat.

Matthias Rauch: Julian Bender und Ricarda Rausch werden gemeinsam den Jetzt-Club bespielen, der jeden Tag der Woche ab 21 Uhr abends geöffnet sein wird. Das Programm wird variieren, mal elektronisch, mal Live-Performances, eine kleine Ausstellung und leckere Drinks, da darf man sich auf viele Überraschungen freuen.

Der vierte Teil stellt Programmhighlights vor und verrät, wie die Organisatoren Schubladendenken überwinden wollen.

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regioactive.de: Es fallen auch noch ein paar andere Schwerpunkte im Programm auf, wie zum Beispiel Hauschka oder Nils Frahm.

Alexander Henninger: Highlights bietet unter anderem der Donnerstag im zeitraumexit mit Darkstar & patten. Das sind eine Band und ein Künstler aus London, die beide im Februar ihre ersten Alben veröffentlicht haben. Von diesem Abend darf man musikalisch sehr viel erwarten.
Ebenfalls nicht zu unterschätzen ist Florian Kupfer im Cinemix, ein aufstrebender DJ der bei einem New Yorker Label unter Vertrag steht. Er wird den Stummfilm "Der Mann mit der Kamera" vertonen. Das ist eine absolute Premiere, auf die wir sehr gespannt sind.

"Der Jetztclub schafft eine Anlaufstelle, um den Abend ausklingen zu lassen"

regioactive.de: Man merkt, dass ihr euch bemüht, einen kompletten Abend zu gestalten und nicht nur ein Konzert, nach dem die Leute dann alle nach Hause gehen.

Alexander Henninger: Der Abend soll generell schön abgerundet werden, die Besucher können zwischen den einzelnen Locations wechseln. Nach den Konzerten bietet der Jetztclub im Alten Volksbad für alle noch eine Anlaufstelle, um den Abend ausklingen zu lassen.

Matthias Rauch: Was uns wichtig ist, ist eine Plattform zum Austausch und zur Kommunikation zwischen den Leuten zu schaffen. Kunst soll hier eine Verbindungsstelle zwischen Menschen darstellen. Was das Jetztmusik Festival für sich beanspruchen darf, ist, dass sehr unterschiedliche Menschen zu den Konzerten kommen. Das ist für uns einer der spannendsten Aspekte des Festivals: Menschen mit unterschiedlichem Background kommen zusammen und verleben gemeinsam einen schönen Abend.

Alexander Henninger: Das bringt natürlich auch dieser Festivalcharakter mit sich: Der Abend ist nach dem Konzert nicht zu Ende, die Besucher können immer noch zu anderen Locations wechseln.

regioactive.de: Das setzt natürlich voraus, dass alle Veranstaltungen in der Stadt stattfinden. An mehreren Standorten wäre das Ganze sehr schwierig.

Alexander Henninger: Deshalb sind die Veranstaltungen dieses Jahr auch nur in Mannheim.

"Wir versuchen die Einordnung in Schubladen zu problematisieren"

regioactive.de: Was erwartet uns bei Nils Frahm und Hauschka?

Matthias Rauch: Beide stehen relativ paradigmatisch dafür, was wir in diesem Jahr erreichen wollten: Sie betrachten den Unterschied zwischen Hochkultur und Popkultur. Sie lassen sich nicht so recht in eine der beiden Kategorien einordnen, viele nennen das "Neo-Klassik". Solche Begriffe sind interessant, weil sie zeigen, dass man relativ hilflos ist, diese Musik einzuordnen. Das ist sehr spannend. Auch Sven Helbig darf man da nicht unter den Tisch fallen lassen, er wird auch das Eröffnungskonzert spielen. Er sitzt ebenso zwischen den Stühlen und ist im Pop genauso zu Hause wie in der Klassik.

regioactive.de: An einer Kategorisierung kommt man trotzdem nicht ganz vorbei, man möchte natürlich den Musikstil eines Künstlers beschreiben.

Matthias Rauch: Wir brauchen scheinbar diese Begriffe, gleichzeitig ist es jedoch wichtig, sie zu problematisieren. Man macht es sich mit Schubladen und Begriffen generell zu einfach. So einfach ist die Zuordnung in Wirklichkeit selten. Die Künstler des Jetztmusik-Festivals problematisieren diese einfachen Entscheidungen, das macht sie so spannend.

Alexander Henninger: Was man nicht vergessen darf sind die Twiolins, die jetzt auch bald ihre CD-Release-Party feiern, und unsere Closing Party, die als Abschluss des Festivals dienen wird.

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