"Opinions are on sale" ist das Debütalbum der Bochumer Band Microclocks.

© Artist Station Records

microClocks verbinden auf ihrem neuen Album Industrial und Electro-Pop und finden den perfekten Mittelpunkt zwischen beiden Genres. Heraus kommt ein düsteres Stück Musik, das aber niemals an seiner Schwere zu leiden hat.

microClocks haben sich mit ihrem Debütalbum Opinions are on sale an etwas Großes herangetraut: den politischen Song. Viele Musiker haben es vorher versucht und sind gescheitert, denn der Grad zwischen gut gemacht und gut gemeint ist gerade hier sehr schmal. Das Trio aus Bochum löst dieses Problem geschickt. Ihre Texte drehen sich um gesellschaftliche Probleme, bleiben aber thematisch offen. Statt von der Protestbewegung Occupy singt die Band von der Revolution, statt vom Ende des Kapitalismus vom Fall des Hyperion, einem Titan aus der griechischen Mythologie. Hin und wieder wird die Band trotzdem deutlich: "Put your fist in their face / ... / dont give them a day's grace" heißt es bei Revolution und im Titel New World Order gedenkt man ehemaligen US-Präsidenten: "The axis/ of evil/ Pretends to know God's will". Man kann das Album als Ansage zur heutigen Zeit betrachten, dank der textlichen Unschärfe aber auch als reines Kunstprodukt. Diese Offenheit hat die Band auch musikalisch umgesetzt. Das Album vereint Songs der härten Gangart problemlos mit astreinem Pop.

So steht neben dem Schlusstrack The Spirit That Denies, der mit lauten Paukenschlägen und schreienden Gitarren das Ende einläutet, das vergleichsweise leichte Is Anybody Out There?. Der Song dreht sich um die Frage, ob die Außenwelt nur ein Konstrukt des eigenen Ichs ist oder wirklich existiert. Die Philosophen nennen das metaphysischer Solipsismus. microClocks machen das Ganze dadurch spannend, dass sie den Songtext in ein Pop-Gewand verpacken, das an die Pet Shop Boys erinnert. Für Industrial-Fans ist das vielleicht eine Todsünde, gibt dem Text aber die nötige Atemluft, damit er nicht ins Lächerliche abdriftet. Diese geschickte Mischung aus Text und Musik exerziert die Band auf ganzer Albumlänge durch. Heraus kommt ein düsteres Stück Musik, das aber niemals an seiner Schwere zu leiden hat.

Wertung: +++++ (von +++++)

Und so werten wir:

+

da lohnt noch nicht mal Piraterie

++

hier mangelt es an einigen Ecken und Enden

+++

solides Album mit Tendenz nach oben

++++

in allen Punkten bestanden

+++++

diese Platte könnte den Durchbruch bedeuten

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