don't believe the hype
Delphic live im Karlstorbahnhof Heidelberg
Review/Bericht vom 15.05.2010 | Autor: Tina Schäfer
Tags: Delphic
Review/Bericht vom 15.05.2010 | Autor: Tina Schäfer
Tags: Delphic
"Acolyte is on kissing terms with magnificence”, beurteilte Simon Price in The Independent das im Januar 2010 veröffentlichte Debütalbum von Delphic. Auf der BBC Soundliste 2010, das Newcomer listet, stand das New-Rave-Electro-Indie-Alternative Trio aus der New Order Heimatstadt Manchester im Januar auf Platz drei. Grund genug, um sich ein Live-Bild von den Dreien einzufangen und zu hören was dran ist an den Gerüchten.
Keyboarder Richard Boardman und Gittarist Matt Cocksedge langweilte die reine Indie-Injektion. Vor fünf Jahren verließen die beiden die Indie-Band Snowfight in the City Centre, knallten die Radiohead-Platten in die Ecke und zogen sich ein bisschen mehr Chemical Brothers rein. Und New Order. Schließlich haben sie Indie durch Synthie aufregender gestaltet. Nun soll durch Delphic der Dancerock-Style endlich wieder neu belebt worden sein. Aber sagte man das nicht schon von Bloc Party, mit denen sie übrigens im Sommer 2009 tourten. Also doch nicht so innovativ? Der Einfluss der Berliner Techno-Szene soll auch hörbar sein und daher kommen, dass DJ Ewan Pearson (Remixes für The Chemical Brothers, The Rapture, Ladytron, Depeche Mode) das Album in der deutschen Hauptstadt produziert hat.Über die Texte der Band heißt es, sie seien simpel, entfalteten aber im Kontext des Albums ihre existenzielle Tiefgründigkeit. Sehr raffiniert. Vielleicht auch wieder mal ein Fall von Überinterpretation. Oder steckt etwa in "the less you expect, the less you get" im Zusammenhang mit "I wouldn’t stop for red lights, red lights, red lights, red lights, red lights….." eine existenzielle Offenbarung? Die Band gibt sich insgesamt nicht grade von ihrer Shakespeare-Seite. Aber in einer Gesellschaft, in der Britney Spears’ I’m Not A Girl, Not Yet A Woman als Ausdruck einer existenziellen Krise einer jungen Frau in einer postpubertären problematischen Identifikationsphase vermarktet wird, sinkt das Existenziell-Etikett ohnehin in das Loch der Bedeutungslosigkeit.
Fazit: Für ein Delphic-Konzert das schwarze Pailletenkleid und die pinke Strumpfhose aus dem Schrank holen, einige Gläser Sprizz tanken und die Reise nach Delphi kann beginnen. Noch was: das Knicklicht nicht vergessen. Vielleicht erscheint einem während des ekstatischen Tanzens wieder die Python, die einem die Ravekiste als zutiefst tiefgründige Innovation verkaufen wollte. In diesem Fall einfach mental den zischenden Drachenkopf abhacken und weiter tanzen als wäre nichts geschehen. Let’s Rave On! Wer das Ganze so angeht, wird nassgeschwitzt und glücklich nach Hause wanken.
Clarion Call | Doubt-Red Lights | Submission | Halcyon | This Monumentary | Counterpoint
Zugabe: Remain-Acolyte
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