Eric Clapton begeisterte das Publikum in Frankfurt Fotostrecke starten

© George Chin

Der Startschuss für seine Jubiläums-Europatournee fiel am 29.05.13 in Frankfurt: Begleitet von einer exzellenten Band zeigte Eric Clapton alle Facetten seiner Kunst und präsentierte sich als Sänger sowie als Gitarrist in Top-Form.

Eric Clapton hat einen beachtlichen Abstieg hinter sich. Vor 50 Jahren auf den Mauern Londons zum God erkoren, mutierte er zu Slowhand, wurde dann der Inbegriff von MTV Unplugged und in diesem Jahr zur Old sock, wie der Titel seines aktuellen Albums lautet.

Und was macht man als alte Socke, die in diesem Jahr das halbe Jahrhundert im Business feiert? Man stellt eine Band zusammen, die an sich schon so hochkarätig ist, dass man dagegen fast nur verblassen kann und spielt sie ganz entspannt an die Wand.

Erster Halt: Frankfurt am Main

Nach dem er sich mit dieser Band an sieben Abenden in seinem Wohnzimmer, der Royal Albert Hall in London, warm gespielt hat, zieht es ihn nun auf Tournee mit dem ersten Stop Frankfurt am Main. Die Frankfurter Festhalle ist zwar nicht ganz so gediegen wie die wohl demnächst in Royal Eric Hall umbenannte Location, aber nicht minder imposant. Vor allem passen doppelt so viele Zuschauer hinein: 11.000 sind es an diesem Abend – ausverkauftes Haus.  

Als Support fungiert ein langjähriger Mitstreiter von Clapton, der walisische Gitarrist/Sänger Andy Fairweather-Low, der in den letzten Jahrzehnten beim Who-is-who der britischen Rockgeschichte im Hintergrund tätig war. Mit seiner Band The Lowrider eröffnet er den Abend mit eben demselben Stilmix, der auch Clapton auszeichnet.

Seine Ansagen sind humorvoll, der Sound hervorragend und sowohl Fairweather-Low als auch das Publikum freuen sich, dass die Wahl des Supports eine stimmige ist. Zum Ende seines Auftritts verneigt er sich vor den beiden englische Gitarristen, die ihn am meisten geprägt haben:  Zunächst vor Hank Marvin mit dessen Apache und danach huldigt er Clapton mit dem Bluesbreaker-Instrumental Hideaway.

Claptons Band

Die Band, mit der Clapton in seinem Jubiläumsjahr spielt, wäre in der Lage auch ohne ihren Frontman eine exzellente Liveshow auf die Beine zu stellen.

Pianist Chris Stainton spielte schon seit Ende der 70s immer wieder mit Mr. Slowhand und kann auch darüber hinaus eine beeindruckende Referenzliste vorweisen. Dazu Gitarrist Doyle Bramhall II, der in den letzten 10 Jahren auf vielen Touren ein genialer Sideman zu Clapton war. Greg Leisz wiederum hat mit dem Who-is-who der US-Musikszene gespielt und veredelt den Konzertabend mit seinen unglaublichen Lap- und Pedalsteel-Licks.

Bassist Willie Weeks hat auch schon einige Tourneen mit Clapton absolviert und nebenbei mit dem Who-is-who der US- und UK-Szene gespielt. Bis auf zwei brillante Solospots hält er sich im Spiel zurück und daddelt nicht so viel herum wie Nathan East, der mit seinem aufdringlichen Spiel schon so manches Clapton-Livealbum versaut hat.

Drummer Steve Jordan, einer der wenigen Drummer, die man an ihrem Sound erkennt, durfte sogar schon mal im Studio Charlie Watts bei den Stones vertreten, als dieser Mitte der 80er schwer angeschlagen war. Und als wäre das noch nicht genug, holt Clapton dann noch Paul Carrack als Keyboarder und weiteren Sänger, der sogar mit It ain't easy einen Solospot erhält.

Hallo, alte Socke!

Das Konzert beginnt mit dem entspannten Hello old friend von 1976, bei dem Clapton einfach nur die Akkordbegleitung auf der Westerngitarre übernimmt und Leisz als Solist glänzen lässt. Auch bei dem folgenden My fathers eyes hält er sich als Gitarrist zurück und punktet einfach nur als Sänger. Für Tell the truth vom Derek and the Dominos-Album schnallt er sich die schwarz-weiße Stratocaster um gibt eine erste Kostprobe von den Möglichkeiten, die eine Band mit drei so großartigen Gitarristen, einer perfekten Rhythmusgruppe und geschmackvoll agierenden Tastenleuten, besitzt.

Noch besser gerät dann die umwerfende Version von dem Dominos-Knaller Got to get better in a little while, bei dem zunächst nur Jordan und Clapton am Wah-Wah den Rhythmus tanzen lassen und dann Weeks und der Rest der Band den Song in Höhen treiben, die nur hoffen lassen, dass es von dieser Tour eine Live-Veröffentlichung geben wird.

Eine angenehm zurückhaltende, aber nicht minder majestätische Version von Badge (3 Kreuze, dass Nathan East nicht auf der Bühne ist) beendet den ersten Teil des Konzerts, das nun im Sitzen fortgeführt wird.

Clapton unplugged und rockig

Driftin' Blues von From the cradle eröffnet diesen unplugged-Part, der – wie es den Anschein hat – für viele Besucher das bietet, was sich vor allem von dem Konzertabend erwünscht haben. Sie werden nicht enttäuscht und die Hits Layla und Wonderful tonight werden begeistert vom Publikum gefeiert.

Als Clapton sich danach wieder hinstellt und die Strat umschnallt eröffnet er mit Blues Power von seinem ersten Soloalbum eine neue Phase des Auftritts. Es folgen drei Robert Johnson-Songs, darunter das legendäre Crossroads, viele starke Soli aller Instrumentalisten.

Waren es bei dem unplugged-Teil vor allem die Frauen, die glänzende Augen bekamen, sieht man jetzt viele Männer, die sich Mühe geben, der Versuchung mit beiden Händen Luftgitarre zu spielen, zu widerstehen. Cocaine beendet das reguläre Set, am Ende ruft die ganze Festhalle "Cocaine" in das letzte Break und Clapton sagt einfach nur Danke, winkt und verlässt die Bühne.

Bye bye, God

Die Zugabe beginnt mit einer starken Version von Sunshine of your love, bei der gegen Ende auch Andy Fairweather-Low noch wieder auf die Bühne kommt und mitjammt. High time we went, auf dessen Originalversion von Joe Cocker Chris Stainton auch schon mitgespielt hatte, bildet das Schlussmotto des Konzertes, obwohl kaum einer im Publikum das Gefühl hat, dass es höchste Eisenbahn sei den Abend zu beenden.

Eric Clapton präsentiert sich in seinem Jubiläumsjahr sowohl als Sänger als auch als Gitarrist in der Form seines Lebens, was nun wahrlich nicht allen Mitstreitern seiner Generation vergönnt ist. Eine alte Socke war nicht zu sehen.

Der MTV-unplugged-Mann hatte seinen Spot, auch Slowhand hat beeindruckt. Vielleicht hatten die Typen, die vor 50 Jahren "Clapton is god" and die Wände schreiben, aber auch gar nicht mal so unrecht.

Setlist

Hello old friend | My fathers eyes | Tell the truth | Gotta get over | My woman got a black cat bone | Got to get better in a little while | Come rain or come shine | Badge | Driftin' blues | Nobody knows you when you're down and out | It ain't easy | Layla | Wonderful tonight | Blues power | Love in vain | Crossroads | Little queen of spades | Cocaine

Sunshine of your love | High time we went

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