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Sie füllen Blogs, Vlogs, YouTube-Channel und neuerdings auch Hallen: Deutschlands Influencer sind on Tour und ziehen die Blicke magisch auf sich. Was als Spaßprojekt begann, als privates Tagebuch im Internet oder eine Inspiration für Fashionliebhaber dienen sollte, ist nun Publikumsmagnet und "neuer Journalismus". Wohin führt der Quotenreichtum und wie kam es eigentlich dazu? Im Blick: Fünf Vlogger und Blogger, die es geschafft haben, wie sie dorthin kamen und was sie mit ihrem Ruhm anfangen.

Blogger, das sind die neuen im Revier, die neben Werbungsmachern und Journalisten im Mediendschungel mitmischen. Was meist als Hobby begann, hat sich in den letzten Jahren zum Hauptberuf entwickelt und füllt neben Seiten im Internet auch das Konto des Betreibers. Da ist jedoch noch nicht Schluss – denn Blogger werden durch ihre Publikumswirksamkeit zu kleinen Sternchen, die wo immer sie auftauchen entdeckt und erkannt werden.

Manche nehmen das zum Anlass, ihre Produkte auf den Markt zu bringen, andere gehen gleich auf Tour und stellen sich den Massen nicht nur virtuell gegenüber. Diese Entwicklung ist spannend zu beobachten, bedeutet jedoch auch einen Wandel der Medienlandschaft, der Meinungsmache und der Art, wie Werbung gemacht wird.

Vom Hobby zum Beruf

Blogs waren zu Beginn der Entwicklung nicht viel mehr als Internettagebücher. Abseits von Myspace gab es die Möglichkeit, eine eigene Seite zu betreiben, darauf Inhalte nach eigenem Maß zu veröffentlichen und aus dem eigenen Leben zu berichten. Oft ging es da schon um spezielle Themen, die sich nach und nach herauskristallisierten. Ein wenig Musik hier, vielleicht dort ein wenig Mode – und die Community bildet sich drum herum. Das Internet hat auch hier seine Spezialität gezeigt: Menschen aus unterschiedlichen Nischen zusammen zu bringen.

So bildete sich eine Leserschaft, die Feedback gab, interessiert verfolgte, was immer gerade online gestellt wurde. Neben den großen Zeitungen warten sie die ersten Online-Magazine, die sich zu spezialisierten Themen äußerten und als dann der Rest ins Netz umzog, war die Blogosphäre bereits ein dicht gestricktes Netz von interessanten Seiten, die vernetzt und intertextuell berichteten und veröffentlichten - ganz wie Printjournalismus, nur schneller.

Durch die – noch – gegebene Unabhängigkeit von Werbeträgern und CVDs können Blogger freier agieren, ungeschminkt ihre Meinung niederschreiben und auf Leserwünsche eingehen – oder auch nicht, schließlich ist es ihre Entscheidung, was sie mit dem Blog anfangen. Die, die es richtig machen, werden weiter verfolgt, geteilt, gelesen: Denn die Freiheit kommt an. Freier Zutritt, keine Werbung – das fühlt sich an, wie ein Platz zum Durchatmen. Und noch viel mehr.

Denn nicht nur einzelne machen das richtig. Immer mehr Blogs werden interessiert gelesen und Konkurrenz belebt bekanntermaßen das Geschäft. Designs werden angepasst, die Qualität auf ein neues Level gehoben und der Veröffentlichungsturnus wird regelmäßig. Leser mögen Verlässlichkeit und die Tatsache, dass sie mitentscheiden können. Im permanenten Diskurs, der abgesehen von dem Blog selbst auch auf den sozialen Medien stattfindet, zeigt sich so die große Leserschaft. Ein privates Internettagebuch der persönlichen Interessen wurde zum Magazin.

Durch Kooperationen zur einträglichen Geldquelle

Die so entstandene Reichweite macht sich bezahlt und bleibt nicht unentdeckt. Die Kunden sind skeptisch geworden, Werbung braucht wieder eine vertrauenserweckende Komponente. Die findet sich in den Blogs, die gerne und oft gelesen werden. Dort, wo ehrliche Testberichte an der Tagesordnung sind, können Leser überzeugt werden – klar, dass auch hier nicht lange auf Kooperationsanfragen zu warten ist. Das Spannende bleibt: Die meisten Blogger lassen sich ihre Meinung zur angefragten Kooperation nicht vorschreiben und die Freiheit, sie abzulehnen, bleibt erhalten. Die unabhängige Art zu berichten – seinerseits Zeichen des Journalismus – schafft nach wie vor Leser und das wiederum schafft Einfluss.

Wer alles richtig macht, sein Handwerk versteht und seinen Einflussbereich nutzt, wird vom Blogger zum Influencer. Was aber macht den Unterschied zwischen erfolgreichen und weniger erfolgreichen Blogs? Das wissen vor allem die Blogger selbst, die dank ihrer Leser erfolgreich von ihrem Hobby leben können und Erfolg mir ihrer Schreiberei haben. So sagt Caro vom Design-Blog Sodapop dazu: „Ich glaube, das ist ganz wichtig beim Bloggen: seine Nische zu finden! Das entwickelt sich aber im Laufe der Zeit. Am Anfang sollte man ruhig ausprobieren was einem selbst gut gefällt und interessiert. In gewisser Weise spiegelt ein Blog ja auch die jeweilige persönliche Entwicklung wieder.“

Somit finden sich Leser, denen genau diese Nische gefällt und die auf dem Blog bleiben, weil dieser eine persönliche Note hat, die ansprechend, authentisch und positiv ist. Überhaupt ist genau das ein Pluspunkt gegenüber dem herkömmlichen Journalismus. Während Online-Seiten von großen Zeitungen überquellen von negativen, erschütternden Nachrichten und sofort ein Weltuntergangsfeeling aufkommt, wenn die Startseite nur betreten wird, bieten Blogs eine heile Welt. Der Leser kann sich aussuchen, was er lesen möchte und muss nicht zwischen Terrornachrichten, politischen Krisen und Werbung nach DIYs oder Modeberichten suchen. Die Transparenz, die bei einem guten Blog über Kooperationen geliefert wird, tut ihr übriges und macht den Blog zum fast schon überlegenen Produkt.

Ist das Hobby oder schon Beruf?

Traumberuf Fashionblogger – kann es das schon geben? Klar, denn viele Betreiber leben bereits von ihren Blogs und YouTube-Channels, wie die Erfolgsgeschichten zeigen. Und auch wenn es nicht dazu kommt, dass der Blog zur Haupteinnahmequelle wird: Einträgliche Jobs bringt das erworbene Know-How und die Publikumswirksamkeit ganz sicher. Das ist besonders im Mode-Business so, wo den Bloggern ein ganz besonders harter Weg zum Aufstieg bevorsteht, sich am Ende jedoch mit Plätzen in der Front Row der großen Labels bezahlt macht. Und ganz ehrlich – wäre es ein Traumberuf, wenn dem ganzen nicht gewisse Entbehrungen voran gingen?

Nun bleibt die Frage: Ist das schon Journalismus? Jein. Denn auf der einen Seite haben Blogger andere Ziele als Journalisten. Auf der anderen Seite richten sie ihre Artikel an die gleiche Zielgruppe und möchten doch zumindest in ihrer Nische möglichst unabhängig informieren und ihre Überzeugung mitteilen. Vereinzelt gereicht das, um als Journalist akkreditiert zu werden, in anderen Fällen bleiben Blogger einfach Blogger. So ungeklärt die Journalistenfrage ist - sicher ist: Es verändert die Medienlandschaft. Wenn unbezahlte Interessierte für eine potenzielle Öffentlichkeit schreiben, nennen manche das Bürgerjournalismus. Das stellt das Bloggen auf eine andere Ebene, die einzigartig ist und neue Chancen bietet. Denn die Bürger sind die, für die letztendlich produziert wird. Es sind die, die die Mode tragen sollen, die eine Meinung formen können und ganz unabhängig berichten – etwas, das nicht mehr jedem Journalisten gegeben ist. Für den Leser bedeutet das vor allem Vielfalt, aber auch, dass sie sich ihre Informationen zusammen suchen können und selbst entscheiden: Vertraue ich dieser Quelle?

Publikumsmagnet und Shooting Star

Wie genau jeder Einzelne den Blog seiner Wahl einordnet, bleibt schließlich ihm überlassen. Aber Fakt ist: Sie sind ein Publikumsmagnet, der auch außerhalb des Internets funktioniert. Bestes Beispiel: Bianca Heinicke alias BibisBeautyPalace. Die YouTuberin hat mit ihrem Vlog (Video-Blog) mittlerweile ein ganzes Imperium aufgebaut und dürfte mit ihren 23 Jahren eine ganze Menge mehr verdienen, als so mancher Journalist sich träumen lassen könnte. Dazu gehören neben Videos aus dem alltäglichen Leben, Product Placements und ihren eigenen Dusch-Schäumen auch Live-Auftritte, die ganze Hallen füllen oder gar abgebrochen werden müssen, weil das Publikum in eine Massenhysterie verfällt, wie in Wien geschehen.

Aber auch ohne YouTube-Channel mit 4,2 Millionen Followern und eigener Beauty-Marke werden Deutschlands Blogger inzwischen auf der Straße erkannt, angesprochen und gerne aufgesucht, wenn sie sich öffentlich blicken lassen. Besonders Food-Blogger, die hin und wieder zum Verkosten ihrer Produkte einladen, wenn sie eine Pop-Up-Bakery starten, sind dabei oft sehr schnell ausverkauft und merken auch hier: Das sind nicht nur Leserzahlen, sondern reale Fans, die auch im echten Leben gerne auf einen Plausch vorbeischneien. Und so werden Food-Blogger zu Café-Besitzern und Kochbuchautoren, Politik-Blogger zu Angehörigen der Bundespressekonferenz und Fashion-Bloggern zu Moderedakteuren, ihren eigenen Chefs oder eben Models, wie die Erfolgsgeschichten zeigen.

Erfolgsgeschichten

Blogging an sich gibt es jetzt schon seit einiger Zeit und damit natürlich auch die, die es damit zu Erfolg gebracht haben. Erfolgsgeschichten können dabei ganz unterschiedlich ausfallen, zeigen aber allesamt, wie vielseitig der Trend ist und dass es für die Hauptakteure hauptsächlich positive Folgen hat, ob sie jetzt Model, Autoren oder Schauspieler werden.

Julia Dalia von MUSASMUSAS

Julia Dalia ist Fashion-Bloggerin und Model, zierte bereits das Cover der GEO und ist das Gesicht der EOS Lipbalm Werbung. Ihr Blog  MUSASMUSAS, den sie mit zwei weiteren Freundinnen betreibt, entstand aus der Freude an ihrer Freundschaft heraus. Im Interview sagt sie dazu: "Mit dem Bloggen haben wir angefangen, weil unser Leben und unsere Freundschaft uns so viel Freude bereitet haben, dass wir das Bedürfnis hatten, es zu teilen und darüber zu schreiben. Wir inspirieren uns gegenseitig und das ist ein Never-Ending Prozess. Die Projekte und Situationen, die durch unsere Arbeit entstehen und vor allem die Leute, die man auf dem Weg trifft, sind das Beste am Bloggen." Die Inspirationen sammelt sie in ihrem täglichen Leben und durch das Bloggen selbst, da hierüber viele Projekte und Situationen entstehen, die so nicht vorher zu sehen waren. 

Durch die doppelte Bekanntheit durch Bloggen und Modeln kann sie inzwischen gut davon leben, Tendenz steigend. Das Bloggen ist dabei Ausgleich zum Modeln, Inspiration und Mitteilung an die Welt zugleich. Als Influencer ist Julia Dalia dabei so erfolgreich, dass sie für Fotos auf ihrem Instagram Account mit über 20.000 Followern bezahlt wird. Und obwohl das Bloggen nach dem Modeln anfing, führt es zu Erfolg, der bei Julia Dalia gleich über zwei Seiten begann. Ihre Reichweite nutzt sie auch, um der positiven Einstellung gegenüber ihrer kulturellen Identität und ihrer Religiosität Ausdruck zu verleihen. 

Nilam Farooq von Daaruum

Nilam Farooq ist eine der erfolgreichsten deutschen YouTuberinnen. Über 1,2 Millionen Menschen folgen ihrem Kanal und ihre Videos werden im Schnitt 150.000 Mal geklickt. Früher war es Beauty, heute sind es Reise-Vlogs, Kochvideos, DIYs oder ein Gespräch mit ihr über alles und nichts. Aber das ist nicht ihre einzige Tätigkeit, auch wenn sie vermutlich gut davon leben könnte.

In erster Linie ist Nilam Farooq Schauspielerin und das macht sie immer wieder mehr als deutlich: "Ich mag nicht, wenn die Leute sagen: Sie hat YouTube gemacht und wurde dann Schauspielerin. Das verletzt mich. In meinem Fall ist das die falsche Geschichte. Ich habe Schauspiel vor zehn Jahren angefangen und YouTube vor fünf. Da liegt also etwas Zeit dazwischen. Ich schäme mich nicht für mein YouTube-Dasein, ich möchte das nur richtigstellen", sagt sie im Interview. Trotz der "nur fünf Jahre" ist Nilam Farooq sehr erfolgreich mit ihrem Vlog, sie formt Meinungen und lässt die Zuschauer mit sich wachsen, wie auch sie von einer 21-Jährigen Schauspielschülerin zur 27-Jährigen Jungschauspielerin wurde. Das kommt vor allem durch harte Arbeit, Durchhaltevermögen und Leidenschaft.

Lange Zeit lief ihr Kanal dabei unter dem Namen daaruum. Diese Zweiteilung lief vor allem unter der Idee der Privatsphäre, die Nilam bis heute noch sehr wichtig ist. Obwohl sie einiges preisgebe, gäbe es immer noch große Teile ihres Lebens, die für die Follower nicht geöffnet werden. Dazu zählen Familie, Freunde und auch große Teile ihrer Wohnung. Auch heute möchte sie sich nicht davon verbiegen lassen, was Leute vor den Computern von ihr erwarten. Früher war sie Beauty-Vloggerin, heute ist sie einfach sie selbst, YouTuberin der ersten Stunde und sehr, sehr erfolgreich.

Nina Schwichtenberg von fashiioncarpet

Eine weitere Erfolgsgeschichte mit Fashion-Blog begann für die damals 21-Jährige Nina Schwichtenberg während ihres Mode-Studiums in Kiel. Ihren Blog rief sie mehr oder weniger aus Langeweile ins Leben – inzwischen lebt sie davon und hat auch ihren Freund Patrick mit in das Business aufgenommen. Als Blogger-Paar mit zwei Blogs sind sie dabei vor allem zusammen stark und leben – wie Nina sagt – ihren Traum.

Auch sie hat sich mit ihrem Blog weiterentwickelt, von der Modestudentin zur Business-Frau, die weiß, was sie will und sein muss: "Ich bin eine sehr fleißige, ehrgeizige, bodenständige Person – auch wenn die Modebranche häufig dazu verleitet, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Das Stichwort lautet hier Authentizität, denn genau das ist auch ein wichtiger Grund dafür, dass mein Blog gerne gelesen wird." 

Dabei nimmt sie auch kein Blatt vor den Mund: "Ich rede offen über Themen, die andere nicht ansprechen. Zum Beispiel schreibe ich in der Kategorie 'Bloggertipps', ehrlich und authentisch über Tipps, die man bei der Bloggründung beachten sollte und teile meine Erfahrungen aus der Modewelt, die leider vielerorts beschönigt werden. Jede Medaille hat zwei Seiten – um erfolgreich zu sein, muss man sich der Realität stellen." 100%ig hinter dem Projekt zu stehen, ist ein Schlüssel zum Erfolg – und den wiederum teilt sie gerne mit ihren Lesern, denen sie regelmäßig Anregungen zur Gründung eines eigenen Blogs liefert. 

Markus Hummel von Backbube

Aus einer anderen Ecke – oder besser gesagt Nische – kommt Markus Hummel, der Backbube. Als backender Mann ist besonders das das erfrischend Neue an seinem Blog Backbube, der verschiedene Serien wie den Ice Tea Monday oder auch kulinarische Reiseberichte zu bieten hat. Für ihn ist besonders wichtig: "Do what you love. Love what you do" sagt der Schauspieler aus Ulm. Als Theater-Schauspieler hat er sich bewusst für die Bretter, die die Welt bedeuten entschieden und aufgegeben, was Sicherheit bedeutet.

Aufs Bloggen übertragen heißt es für Markus Hummel: "Auch das mache ich nur aus einem einzigen Grund: Weil ich es liebe. Mir sind einfach schon so viele schöne Dinge "widerfahren", seit ich blogge. Ich habe tolle neue Menschen kennengelernt, die genau wie ich, das machen, was sie lieben. Ich habe Orte gesehn‘, die ich sonst wohl nicht gesehn‘ hätte. Ich durfte leckere Dinge essen, die ich sonst wohl niemals gegessen hätte. Und darum hab ich nicht vor, das Bloggen so schnell wieder aufzugeben." Diese Überzeugung und Wertschätzung des eigenen Hobbys und der damit verbundenen Erfahrungen fördert auch langfristige Kooperationen, Einladungen zu Events und ein Teil zu werden von dem, das sich Blogosphäre nennt. Daraus wiederum resultierte die Veröffentlichung von mittlerweile drei Kochbüchern.

Dieses Feature, die Leidenschaft und die Überzeugung hinter dem, was sie tun, bedeutet wohl für alle Blogger das Herz dessen, was ihr Hobby und oftmals auch Herzensprojekt ausmacht. Macht das den Unterschied zwischen einem Internettagebuch und einem erfolgreichen Blog? Ja – und die Übereinstimmung mit anderen, meint Marc Ehrich.

Marc Ehrich von testspiel.de

Fashion- und Foodblogs gibt es viele, Musikblogs hingegen gibt es weniger. Noch mehr als andere Blogs fristen diese ihr Nischen-Dasein, denn sich kleiden und kochen müssen alle, Musik hingegen ist pure Leidenschaft an sich. Die besten Musikblogs bestehen zwar schon seit den Anfängen des Bloggens, halten können sich jedoch nur die, die am Geist der Zeit sind. Auch die Nische ist hier wichtig – über alles schreiben funktioniert bei Musik genau so wenig, wie bei Mode.

Es muss das gewisse etwas sein, wie Indie-Newcomer oder Backstage-Berichte von verschiedenen Touren. Wenn die Nische gefunden ist, ist es ebenfalls von Bedeutung auch den Empfindungen anderer Blogger und Leser entsprechen. So sagt Marc Ehrich, Gründer von testspiel.de zu den Gründen des Erfolgs seines Blogs: "Vermutlich ist es mir gelungen, die große Nische der Musik innerhalb der Blog-Welt ganz gut zu besetzen und ich treffe den Musikgeschmack von anderen Bloggern."

Auch das hat also Gewicht – das Treffen des Geschmacks, das Wohlfühlfeeling. Das "Heile-Welt-Gefühl" und die Sicherheit, dass auf dieser Seite keine schlechten Nachrichten lauern. Also nicht Ersatz-Journalismus, sondern Ergänzung? Ja, so kann es wohl sein.

Was noch kommen mag

Blogs haben in den letzten Jahren einen rasanten Aufschwung hingelegt. Von privaten Internet-Tagebüchern zum Informationsträger mit Wunsch-Umgebung, zum Kooperationspartner und Werbungsträger, zu einer Ergänzung des Journalismus. Und obwohl der Kern der Entwicklung bei den Privatpersonen hinter dem Blog liegt, ist doch eine ebenso große Entwicklung des Ganzen zu beobachten und eine neue Art, wie die Konzerne sich an den Leser wenden. Sie nutzen die Glaubwürdigkeit des Bloggers und fügen ihrer Werbung so eine neue Vertrauenskomponente hinzu, unterstrichen mit der sympathischen Wirkung des Blogs.

Diese neue Art der Identifikation und der Werbungsmache bedeutet möglicherweise einen weiteren Wandel der Print-Magazine, die ebenfalls versuchen, online ein starkes zweites Bein auf den Boden zu kriegen. Ob eins das andere ersetzen kann, ist jedoch fragwürdig. Schließlich bleibt ein Blog, was es ist: Ein persönliches Sprachrohr eines Einzelnen oder einer kleinen Gruppe. Zwar haben so auch viele Magazine angefangen, durch die lange „Lebensdauer“ und Entwicklung, die diese dabei hingelegt haben, werden sie ihre Daseinsberechtigung nicht so schnell abtreten.

Fakt ist jedoch, dass Blogs vielen Journalisten gegenüber einen entscheidenden Vorteil haben: Die Unabhängigkeit das zu schreiben, was immer ihnen beliebt. Ob ihnen dann so zu vertrauen ist wie den etablierten Magazinen in manchen Sparten, muss jeder Leser für sich entscheiden. Einen Informationsanspruch sollten sie alle haben, bleibt übrig, wo die Quellen liegen und wie sie damit umgehen.

Zur eingangs gestellten Frage "Sind Influencer die neuen Stars?" lässt sich ein klares "Ja" äußern. Ihre Publikumswirksamkeit, ihre Instagram-Accounts und ihr Werbepotenzial drücken das deutlich aus. Ihr Geheimnis? Sie sind nahbar und eben ganz normale Menschen, die mit einem kleinen Account angefangen haben. Vom Blogger zum Influencer mag dabei der neue "Internet Dream" sein, der tatsächlich greifbar und realisierbar ist.

Kern des ganzen sollte jedoch nicht der Griff nach Ruhm und Fame sein – das sagen alle Erfolgsgeschichten eindeutig: Tu was du liebst. Steh hinter deinen Inhalten. Sei authentisch. Sei leidenschaftlich. Eine persönliche Entwicklung folgt schließlich und bringt – vielleicht oder vielleicht auch nicht – den Einzelnen einen Schritt näher zum Sternchen-Himmel der Blogosphäre. Aber auch wenn das nicht Ziel der Reise ist, ist es dennoch interessant, die eigenen Gedanken mit der Welt zu teilen, seine Nische im Netz zu finden und sich eine Leserschaft aufzubauen. Denn eins sagen ebenfalls alle Blogger, ob erfolgreich oder nicht: Es macht verdammt viel Spaß. 

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