Marco Polo & Ruste Juxx - The eXXecution

Marco Polo & Ruste Juxx - The eXXecution © Duck Down Records

Bands, die schon ihr zigstes Album veröffentlichen, haben es immer schwierig, an die Erfolge vorangegangener Platten anzuknüpfen. Manchen gelingt es sehr gut, manchen einfach nur gut. Dafür haben aufstrebende Künstler das Problem, ständig mit anderen Bands verglichen zu werden. Den Balanceakt zwischen etabliertem Künstler und trotzdem neuen Ideen haben Marco Polo & Juste Ruxx geschafft, die sich extra für ein Album zusammen getan haben.

Marco Polo & Ruste Juxx * Palm Springs * Black Rebel Motorcycle Club * Bilderbuch * Sofa Surfers * Eight Legs

Marco Polo & Ruste Juxx – The eXXecution | Duck Down Records

{image}Als Ruste Juxx mit Marco Polo im Studio abhing, gefiel es ihm so gut, dass er mit dem kanadischen Beatproduzenten kurzerhand ein ganzes Album aufnahm. Die martialische Namensgebung erklärt Juxx so: "I'm killing off wack MC's and Marco's murdering the producers." Dementsprechend wenig zimperlich geht es deshalb auch auf der Scheibe zu – Hardcore-HipHop serviert mit der Brechstange. Gleich bei den ersten zwei Stücken metzelt DJ Revolution munter im Geschehen mit, indem er die schweren Beats guillotineartig mit klingenscharfen Cuts von seinen Turntables aus versorgt. Die weiteren Gäste – Freddie Foxxx sowie Heltah Skeltah und Black Moon von der Boot Camp Clik – stammen ebenfalls alle aus der Reimeinheit fürs Grobe. Anders als sein historischer Namensvetter präsentiert sich Marco Polo in der Beatauswahl wenig universell, sondern straight im New-York-Style. Obwohl der Sound durchaus taugt und mit Oldschool-Elementen wie Drum-Samples von der MPC und MPD auf der einen Seite und digitalen Effekten andererseits gut abgestimmt ist, weiß sich am Ende keine der Produktionen wirklich abzuheben. Allein Let’s Take A Sec mit dem besagten Black Moon Trio weist einen epochalen Klanguntersatz auf, der allerdings nicht zum ersten Mal Verwendung findet, wie Xzibit, Chino XL und die Mexakinz unter anderem bestätigen können. Ähnlich verhält es sich mit Rapper Juxx, der zunächst unverbraucht und frisch an Polos Seite auftritt, dann aber lyrisch in seinem Narzissmus komplett zergeht. Für manch einen ist das vielleicht aber auch Battelrap at it's best. Als Ergebnis einer spontanen Session geht The eXXecution schlussendlich aber doch in Ordnung.

Wertung: +++ (Andreas Margara)

 

Palm Springs – The Hope That Kills You | Random Acts Of Vinyl

{image}DC Cane und Jon Russo, die Köpfe der Brightoner Band Palm Springs, sind überzeugte Vinylisten und daher gibt es auf ihrem bandeigenen Label hauptsächlich 7" Vinyl-Singles von befreundeten Musikern und ihnen selbst. Jetzt haben sie ihr zweites Album veröffentlicht, das drei schon als A-Seiten veröffentlichte Tracks (I Start Fires, Free Atlas und Blood And Water) sowie sieben weitere Songs enthält. Auch wenn die Platte im ersten Augenblick wie eine Compilation oder gar eine aufgefüllte LP klingt stellt man doch fest, dass das Album als solches wunderbar funktioniert – durch geschicktes Tracklisting und die neuen Songs. Von diesen stechen vor allem der Schlusstrack Bury Me Not, das schwelgerische Still Life und der Walzer No More Shall We Be hervor. Insgesamt zeigt The Hope That Kills You auch, dass die Band seit 2007, als der Vorgänger erschien, ihre Stärken noch konsequenter einsetzt und das Debüt klar übertrifft. Musikalisch bewegen sich Palm Springs in getragenen, mitunter melancholischen, aber nie hoffnungslosen Gefilden. Die Instrumentierung (neben Gitarre, Bass, Piano und Drums auch Cello und Geige) schafft zudem einen natürlichen Sound. Kurioserweise haben Palm Springs in Deutschland beinahe eine größere Fanbase als in ihrer Heimat. Wer sich also von den wunderbaren Melodien, den schwärmerischen Arrangements und den großen Gefühlen von Palm Springs verzaubern lassen möchte, hat nicht nur mit dieser Platte die Möglichkeit dazu, sondern auch eine gute Chance auf ein Liveerlebnis in der näheren Umgebung.

Wertung: ++++ (Jan Wölfer)

 

Black Rebel Motorcycle Club – Beat The Devil's Tattoo | Vagrant

{image}2001 traten Black Rebel Motorcycle Club an, um mit ihrem ersten Album und der Single What ever happened to my Rock'n'Roll das Rock'n'Roll Fenster weit aufzureißen und mal ordentlich durchzulüften. Laut, brachial und vertrackt kam der frische Wind des ersten BRMC Albums daher, doch das Trio schien in der Folge durch den Sturm selbst die Orientierung verloren zu haben. Das zweite Album Take them home, on your own war keinesfalls zwingend und stellenweise keine originelle Kopie des Erstlings. Es folgte das gute Americana-Album Howl, das wieder bessere und druckvolle Baby 81 und anschließend wurde das Instrumental-Album The Effects of 333 veröffentlicht. Keine Frage, BRMC sind äußerst aktiv, vielleicht etwas zu viel Output, bei dem die Qualität manchmal auf der Strecke blieb. Doch neues Album, neues Hörvergnügen?! Beat The Devil's Tattoo (der Titel ist übrigens einer E.A. Poe Kurzgeschichte entnommen) macht was her. Mit der neuen Drummerin Leah Shapiro sind den Stammkräften Peter Hayes (Gitarre) und Robert Levon Been (Bass) wieder mal einige schöne und eingängige Lieder geglückt. Bietet Beat The Devil's Tattoo mit blueslastigem Südstaatenrock noch relativ erwartbares, kommt mit Conscience Killer eine druckvolle und punkige Nummer daher. Danach verliert das Album etwas an Fahrt (Bad Blood, War Machine), um dann mit Sweet Feeling einen guten und melodischen Americana abzuliefern. Insgesamt wieder ein stärkeres Albums des Motorradclubs, das besonders durch seine Mischung aus psychedelischen Rock- und Americana-Stücken gefällt.

Wertung: +++ (Thomas Laux)

 

Bilderbuch – Nelken & Schillinge | ink music

{image}Für Freunde des gepflegten deutschsprachigen BritPop/Indierocks kommen die Österreicher Bilderbuch mit ihrem Album Nelken & Schillinge genau pünktlich daher. Greift man einzelne Lieder aus dem Album, bemerkt man die Vielfältigkeit von Bilderbuch, die trotz ihrer klar erkennbaren Linie das Gegenteil von monoton sind. Zum Beispiel das sehr rhytmische Calypso: Melodiös mit einem kleinen Hauch verrotzter Hausbesetzernostalgie. "Es gibt keine Lösung, es gibt kein Problem" trifft auch inhaltlich den gleichen Ton – Es erinnert zwar an Sie hat geschrien von Selig, ist allerdings kein Abklatsch, sondern sehr Bilderbuch-eigen. Kopf ab ist hingegen schon mehr Rock'n'Roll und pöbelt sich auf salonfähige Art und Weise als großer Ohrwurm des Albums in den Gehörgang. Und worum es bei Joghurt auf der Bluse genau geht, erschließt sich auch nach dem vierzigsten Hören nicht, ist aber auch egal: Denn es macht trotzdem oder genau deswegen jede Menge Spaß. Im Ganzen macht das Album Lust auf mehr, auf Live, aufs Tanzbein schwingen und auf ein bisschen "kränke" Party. Für Fans deutschsprachiger Musik ein Tipp, für Freunde des gekonnten Indie/Pop/Rocks eine klare Empfehlung und für Liebhaber dieser Musikrichtung ein absolutes Muss!

Wertung: ++++ (Jasmin Weidner)

 

Sofa Surfers: Blindside | Monoscope Productions

{image}Alles ist anderes bei den Sofa Surfers, so auch auf ihrem neuen Album Blindside. Diesmal gibt es mehr Gitarren, die neben dem dominanten Bass und dem Schlagzeug rumschrammeln und fiepen, oder auch mal ordentlich psychedelisch hallen (Deserter). Damit verabschiedet sich das Wiener Sextett immer weiter von den Downbeat- und Dub-Einflüssen der Anfangsjahre. Doch Wiederholung ist in der Musik ja nicht immer das größte Geschenk. Blindside legt mit dem ordentlich loskrachenden und sehr tanzbaren Playing the game los, um dann mit dem sehr von Faithless inspirierten, düster mäanderndem Hardwire nochmals eins nachzulegen. Tired Nation, das poppigste Lied, geht dann schwer in die Richtung von Bloc Party und Konsorten. Mit Sinus und Deserter enthält die Platte auch zwei ruhigere Stücke, wobei besonders Sinus sehr eingängig balladesk geraten ist. Gegen Ende werden mit Gutcut/u.d.h.w. und 100 Days nochmals deutlich schnellere Lieder aufgefahren, die beide sehr dringlich ausfallen.
Blindside zeigt sich alles in allem als sehr variables und ausgetüfteltes Album, mit dem die Sofa Surfers teilweise Neues in ihre Musik integrieren, ohne die alte Stärke aufzugeben. Nach etwas düsteren Anklängen, hier sind besonders die Soundtracks zu den Brenner Filmen zu nennen, dominiert jetzt ein wabernder Bass, der zum Tanzen einlädt.

Wertung: ++++ (Thomas Laux)

 

Eight Legs – The Best Of Me (EP) | Universal

{image}Fleißig sind die vier Briten von Eight Legs jedenfalls, zwei Alben und eine EP in zwei Jahren. Da können sich andere Bands in Sachen Output noch die ein oder andere Scheibe abschneiden. Und wer jetzt ein Qualitätsabfall aufgrund zuviel Quantität befürchtet, kann sich beruhigt zurücklehnen. Denn die Eight Legs reißen auch mit The Best Of Me nicht die selbst sehr hoch angesetzte Meßlatte ein.
Die sechs Lieder schließen an die beiden guten Alben Searching For The Simple Life und The Electric Kool-Aid Cuckoo Nest an. Dringlich (Best Of Me), mit manchmal etwas düsteren Bassriffs kommen die Lieder daher, gerade zwischen Nirvana, Arctic Monkeys und Batmanthema (Over The Edge). Mit Over And Over ist der Band zudem noch ein veritabler Sommerhit gelungen, hier lässt das erste The Kooks-Album grüßen. Zu Cosmonauts schreibt der Infobrief der Plattenfirma "Oasis meets Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band". Das stimmt zwar, ist aber trotzdem etwas abgeschmackt. Abschließend ist sehr zu begrüßen, dass mal wieder das schöne EP- Format verwendet wurde. Das trauen sich leider nicht mehr so viele Bands. Chapeau den Eight Legs!

Wertung: ++++ (Thomas Laux)

 

So werten wir:

+

schnell auf ebay damit, bevor es jemand merkt

++

hier mangelt es an so einigen Ecken und Enden

+++

das kann sich wirklich hören lassen

++++

ein TOP-Album

+++++

definitiv ein "must have"

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