Arctic Monkeys (Highfield 2009)
Foto: Achim Casper punkrockpix

Arctic Monkeys (Highfield 2009) Foto: Achim Casper punkrockpix © regioactive.de

Am Dienstag öffnete die Offenbacher Stadthalle ihre Pforten für ca. 4000 Besucher. Sie alle waren gekommen, um vier Mitzwanziger aus England zu bejubeln, die sich die Arctic Monkeys nennen. Zu diesem gelungenen Abend bei ausgelassener Stimmung trug außerdem auch der Support-Act Mystery Jets bei, der ebenfalls den Weg von der Insel nach Hessen gefunden hatte, um die Menschenmenge gekonnt in Feierlaune zu versetzen.

{image}Viele Menschen aus halb Deutschland und diversen Nachbarländern schienen sich schon lange auf dieses Konzert-Highlight gefreut zu haben. Doch vor dem ungetrübten Musikgenuss hatte man noch mittelschwere Strapazen durchzustehen, die dem Veranstalter anzulasten sind. Aber nach einer Odyssee aus im Stau stehen, verzweifelt in Seitengassen Parkplatz suchen, sich in eisiger Kälte vor der Halle drängen und an einer völlig überlasteten Garderobe anstehen hatte man es endlich geschafft: Man war drin! Leider schaffte es aufgrund dieser widrigen Umstände gut ein Drittel der Besucher nicht mehr rechtzeitig zu der ausgezeichnet gewählten Vorband, den Mystery Jets.

{image}Diese sind in Großbritannien hinlänglich bekannt und haben dort auch bereits drei Alben veröffentlicht. Die Klänge ihres ausgefeilten Indie-Rocks mit deutlichen Pop-Einschlägen rissen binnen Minuten die Massen vor der Bühne mit. Auch wenn Titel wie Behind the Bunhouse oder Flakes dem vorwiegend deutschen Publikum eher unbekannt schienen, stimmten sie in ihrer 45-minütigen Performance gelungen auf den Haupt-Act ein. Während man auf diesen wartete füllte sich die Halle bei jazzigen Klängen vom Band schier unaufhörlich weiter. Obgleich das Konzert im Vorfeld nicht vollständig ausverkauft war, hatte man den Eindruck, dass kaum mehr Menschen Platz in der Halle hätten finden können. Dass die Arctic Monkeys nicht zu den aktuellen Indie-Hype-Bands gehören, sondern sich seit nunmehr drei Jahren auf dem Musikmarkt etabliert haben, konnte man auch am Publikum erkennen, dessen Altersschnitt gut ein paar Jahre über dem von anderen Indie-Konzerten lag.

Nach einer erträglichen Umbaupause wurde dann das Licht gelöscht und es ertönten die Klänge des Charthits I Got a Feeling der Blackeyed Peas in voller Lautstärke aus den Boxen. Man mag das vielleicht unpassend finden, wenn man den Stil der Musik des Haupt-Acts bedenkt, beim Publikum verfehlte es seine Wirkung allerdings nicht. Dieses tobte schon vor Begeisterung, als die Musiker der Arctic Monkeys dann die Bühne betraten. Bei dramatisch inszeniertem Rückenlicht und Gänsehaut-Atmosphäre ertönte alsbald der erste Titel Dance Little Liar aus dem aktuellen Album Humbug. Kaum war dessen letzter Ton verklungen, wurde auch schon zügig einer der bekanntesten Titel der Band, Brainstorm, angestimmt. Dieser stammt von einem früheren Album mit dem Titel Favourite Worst Nightmare und riss die Menge bedingungslos mit.

Während einer kurzen Verschnaufpause ergriff Sänger und Frontmann Alex Turner die Chance und begrüßte das Publikum auf deutsch und wünschte, anständig wie die Briten nun mal sind, viel Spaß bei der Show. Doch dann ging es auch schon zügig weiter mit Titeln der ersten beiden Alben (unter anderem das eingängige Still take you home), die die Menge aus der Reserve lockten. Dann endlich strich sich der Leadsänger die Haarpracht aus dem Gesicht, von welchem man bisweilen nicht viel gesehen hatte. Und überhaupt legten die Musiker ganz eindeutig den Schwerpunkt auf die akustischen Elemente ihrer Performance, denn Bewegung kam auf der Bühne lediglich dann ins Geschehen, wenn die Gitarren gewechselt wurden. Aber diese puristische Attitüde wurde durch eine interessante Gestaltung der Videowalls sowie durch opulentes Lichtspiel aufgefangen, sodass keiner es der Band verübelte.

{image}Mit Potion Approaching wurde wieder kurz zum aktuellen Album gewechselt, bevor die Band ein Cover des Titels Red Right Hand  von Nick Cave anstimmte. Zunächst verhalten, doch dann wohlgesonnen reagierten die Zuschauer auf diese Abwechslung. Es folgte ein nahezu unterbrechungsloser Block an Liedern aus allen drei Alben, gekrönt von den beiden Singleauskopplungen aus Humbug: Cornerstone und Crying Lightning. Während Letzteres zu wildem Gepoge und Crowdsurfing (was aber von der Security rabiat unterbunden wurde) animierte, nahm Ersteres zum einzigen Mal für diesen Abend ein wenig das Tempo raus. Doch das war nur die Ruhe vor dem Sturm, denn sogleich wurde mit A View from the Afternoon wieder in die Saiten gehauen. Dieser Titel offenbarte erneut ein prägnantes Stilmerkmal der Monkeys, welches darin besteht, dass sie ihre Lieder gerne mal mit einer etwa 10-sekündigen Pause versehen, was bei live Konzerten besonders gut zum Tragen kommt.

Atemlos wurde das hüpfende und gröhlende Publikum weiter ohne Rücksicht auf Verluste mit etablierten Hits wie Skummy Man und I Bet that You Look Good on the Dancefloor sowie mit Titeln des neuen Albums beschallt. Beides wurde gleichermaßen von den Besuchern gefeiert. Nach einer kurzen Verabschiedung von Turner wurde während Secret Door durch das Abfeuern eine Konfettikanone das Ende eingeläutet. Und während noch die letzten weißen Schnipsel von der Decke schwebten verstummten die vorerst letzten Klänge eines mitreißenden Konzertes. Auf eine Zugabe musste das enthusastische Publikum auch nicht verzichten, wenn diese auch mit nur zwei Titeln (Fluorescent Adolescent und 505) recht knapp ausfiel. So entströmte nach 1½ Stunden feinstem Indie-Rock ein erschöpftes aber glückliches Publikum der Offenbacher Stadthalle.

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