© Tanner

Tanner arrangieren Trompeten mit Glockenspiel und Banjo, und erweitern ihre Vorstellung von Popmusik um klangmalerische Elemente. Sänger Christoph van Hal stammt aus dem Umfeld der "Helden", Jean–Michel Tourette übernahm die Produzentenrolle. Live gehört die Band zu den aufregendsten Newcomern und hatte sich schnell eine treue Anhängerschaft erspielt. Mit ihrer ersten EP "Sie nennen es TromPop" liegt auch ein feiner Silberling vor. Wir trafen die Band zum Interview.

{image}regioactive.de: Fangen wir doch ganz von vorne an: Wie kam es zu der Gründung von Tanner?
Ralf: Gut, dann fange ich mal an! Unser Sänger Christoph und Jean-Michel Tourette von Wir sind Helden kennen sich schon aus Studientagen. Christoph hat auch schon öfters bei den Helden Trompete gespielt. Die beiden haben sich irgendwann das Ziel gesetzt, eine Pop-Band zu gründen. Dazu wurde noch Richie Staringer geholt, ein gemeinsamer Freund, und dann wurde auch schon angefangen zu schreiben. Irgendwann ging es dann darum, das Ganze mit einer Band im Studio einzuspielen. Emre und ich sind da sozusagen als Rhythmusgruppe dazugekommen. Später stellte sich heraus, dass Richie und Jean das als Bandmitglieder nicht mittragen konnten, weil Jean noch in einer anderen Band gespielt hat und Richie viel mit Filmmusik zu tun hatte. So haben wir relativ schnell Justin und Martin dazugeholt. Das hat gut funktioniert und alle waren begeistert. Die erschienene EP Sie nennen es Trom-Pop ist sozusagen ein Abbild von dem Prozess, der ungefähr ein Jahr in Anspruch nahm.

Emre: Wir haben noch einige Songs liegen, die wir aufgenommen haben und die man auch fertig hätte stellen können. Kurzzeitig haben wir auch überlegt, ob wir gleich ein Album rausbringen. Da haben wir uns aber erstmal dazu entschlossen, eine EP zu machen. Wir arbeiten jetzt gerade wieder an neuen Songs. Zum Album hin wollen wir einfach noch mehr Songs haben, aus denen wir dann auswählen können.

{image}Warum habt ihr euch gerade Tanner genannt?

Ralf: Eigentlich, weil es ein gutes Wort ist. Es hat schon mit dem Schimanski- Thanner zutun. Ich möchte jetzt nicht sagen, dass es eine tragikomische Figur ist. Es ist eher eine markante Figur. Eine Nebenrolle, mit der jeder etwas anfangen kann. Das war die ursprüngliche Idee. Wir fanden das gut. Ohne weiter darüber nachzudenken, ob das so schlau ist, auf den Schimanski- Thanner Bezug zu nehmen. Letztendlich haben wir dann noch das "h" weggelassen, weil wir es einfach schöner fanden. Es ist ein gutes Wort, ohne Inhalt oder tatsächlichen Bezug.

Ist Tanner für euch die Hauptband oder spielt ihr nebenbei noch woanders mit?

Emre: Ja und ja! Tanner ist unsere Hauptband, alles andere wird hinten angestellt. Klar müssen wir auch von irgendetwas leben. Wenn es sich irgendwie vereinbaren lässt, dann macht man nebenbei noch etwas anderes. Es nützt uns nichts, wenn einer in der Band hungern muss. Wenn irgendwo ein Konzert ansteht, dann ist klar, dass alles andere dafür ausfällt.

Was ist das Besondere an eurer Musik? Wie würdet ihr sie beschreiben?

Ralf: Das kann ich beantworten..

Emre: Wenn du dich darum reißt, dann mach das!

Ralf: Inhaltlich geht es darum, musikalisch Stereotype zu vermeiden, ohne das Rad neu zu erfinden. Wir versuchen schon Popmusik zu machen, ohne zu schauen was gerade angesagt ist oder was sich im Moment gut verkauft. Wir versuchen es so zu machen, dass es uns gut gefällt und dass das Ganze eine Aussage hat. Es ist uns wichtig kein Produkt zu machen, wie es heute gemeinhin genannt wird. Sondern eine Musik zu machen, die etwas anders ist und auch einen hohen Wiedererkennungswert hat. Man kann natürlich auch mit einem Filetiermesser beigehen und sagen: Das habe ich da und das schon mal da gehört. Wie gesagt, es ist nicht so, dass wir nun den Rock´n´Roll neu erfinden.

{image}Habt ihr beiden noch etwas hinzuzufügen?

Emre: Du fragtest ja, was das Spezielle an unserer Musik ist. Ganz vordergründig ist es natürlich die Instrumentierung. Wir benutzen Instrumente, die man jetzt nicht alltäglich in der Popmusik hört, wie zum Beispiel Banjo oder Trompete. Wir benutzen diese Instrumente aber nicht, weil wir übers Knie gebrochen unbedingt anders klingen wollen. Es ist einfach unsere Vorstellung von Ästhetik. Christoph spielt Trompete und da liegt es nahe, diese auch mit einzubauen. Jeder von uns bringt etwas aus dem Background mit, wo er herkommt und lässt es in die Musik mit einfließen. Dann entstehen solche Klangwelten. Das verschmilzt dann zu einem Ding.

Wann und wo habt ihr denn euer allererstes Konzert gespielt?

Emre: Unser allererstes Konzert? Das war hier in unserer Heimatstadt Hamburg. Im Logo spielten wir vor Paulsrekorder. Das war der erste Auftritt und der war sehr gut! Wir waren gut vorbereitet. Wir haben diesen Weg als Ansporn dazu genommen, die ganzen Dinge auf die Bühne zu bringen. Wie ich zum Anfang schon erzählte, ist das alles aus einer Idee entstanden. Dass da drei Jungs versucht haben Songs auf die Beine zu stellen. Es wurde immer konkreter und irgendwann kamen wir dazu und dann war es so, dass es langsam ernst wurde. Anfang 2009 hat sich die Band endgültig in dieser Formation gefunden und da wurde klar: Jetzt wird ernst gemacht; Dass wir die Songs zum Leben erwecken und auf die Bühne bringen. Im März haben wir uns gezielt drei Termine gebucht, sodass wir uns selber in den Arsch getreten haben. Und wie gesagt: Der erste Auftritt im Logo war super!

{image}Gibt es denn Konzerte, wo Mal alles schief gelaufen ist oder die euch noch gut in Erinnerung geblieben sind?

Martin: Das heutige zum Beispiel!

Emre: Genau! Da ist eigentlich alles schief gegangen. Das Konzert musste leider abgesagt werden, aber dafür konnten wir nichts. Ist sonst mal irgendwas richtig schief gelaufen?

Ralf: Eigentlich nicht.

Martin: Außer vielleicht bei dem Konzert in Hannover, wo es die ganze Zeit geregnet hat. Da waren einfach kaum Leute vor der Bühne. Die haben sich alle links und rechts untergestellt. Das sah dann etwas komisch aus.

Emre: Gut, dass war jetzt aber kein Konzert, wo bei uns auf der Bühne irgendwas schief gelaufen ist. Das war ein gutbezahltes Konzert...

Martin: Das war auch so ein Familientag dort gewesen, von der Zeitung Hannover. Deswegen waren wir auch etwas fehl am Platz.

Ralf: Von einer Tageszeitung, die wir nicht nennen wollten.

Martin: Habe ich den Namen gerade gesagt? Habe ich doch gar nicht!

Emre: Du hast allgemeine Presse gesagt.

Martin: Die sind aber total gut zu uns.

Ralf: Sind sie auch. Das hat einfach nur wie verrückt geregnet. Da hätte kein Mensch freiwillig vor der Bühne gestanden.

Wer schreibt bei euch die Texte? Bringt ihr euch alle mit ein oder wird das eher Christoph überlassen?

Martin: Wir bringen uns auf jeden Fall mit ein.

Emre: Genau, alle bringen sich mit ein. Mal steuert der eine einen Song bei oder Fragmente werden mit eingebracht. Letztendlich ist das ein Bandding. Es wird zum Schluss eh noch durch den Bandfleischwolf gedreht. Da bleibt so und so kein Stein mehr auf den anderen. Wenn da jetzt natürlich einer mit einem supergeilen Text kommt, gibt es auch keinen Grund mehr, daran irgendetwas zu ändern. Meistens ist es aber so, dass man Ideen präsentiert, an denen dann noch rumgeschraubt wird.

{image}Zu dem Lied Die Geister die ich rief wurde ein Video gedreht. Warum ist es gerade dieser Song geworden?

Emre: Soll ich das beantworten? So blöd es auch klingt, aber man denkt einfach über einen – ich hasse dieses Wort – Singlekandidaten nach. Wir arbeiten auch mit einem guten Musikverlag zusammen. Mit denen haben wir dann überlegt, welcher Song von der EP am singletauglichsten wäre. Gemeinsam haben wir uns dann für Die Geister die ich rief entschieden. Das heißt jetzt aber nicht, dass wir der Meinung sind, dass das unser bester Song ist. Es war einfach der Gedanke, dass die meisten mit diesem Song etwas anfangen könnten. Es ist ein relativ poppiger Song mit einer fröhlichen Anmutung. Er ist auf den ersten Blick einfach radiotauglicher. Trotzdem vereint er die typischen Elemente, die Tanner ausmachen. Aber er ist auch eigenwillig: Die Geister die ich rief präsentiert die Band 1a. Deswegen wurde dieser Song gewählt. Wir haben ganz großes Glück gehabt, dass wir mit Sascha Pierro jemanden gefunden haben, der unser Zeug super findet und sich bereit erklärt hat, dieses Video mit einer unfassbaren Eigenleistung zu produzieren. Der Typ hat sich echt den Arsch aufgerissen!

Martin: Er war auch alles gleichzeitig: Kameramann, Drehbuchautor, Regisseur, Cutter, Locationscout,…

Ralf: Alles!

Emre: Bandpsychologe..

Martin: Er hatte auch nur eine Hilfe dabei. Es war eine sehr gute Leistung von ihm.

Ralf: Es kommt noch dazu, dass Sascha von sich aus diesen Song ausgewählt hat. Es war praktisch das erste Musikvideo, was er gedreht hat. Er sagte, dass er zu diesem Song gerne ein Video machen möchte und er hatte von vorneherein eine riesige Vision. Das hatte man dann auch bei der Zusammenarbeit gemerkt. Er wusste immer genau, was er gerade tat. Wir haben an einem Montag gedreht und es wurde innerhalb eines Tages abgedreht.

Martin: In der darauffolgenden Nacht kam auch schon die erste Schnittfassung für die Band. Das war schon nah dran am Endergebnis.

Ralf: Es wundert mich, dass er nach diesem harten Tag nicht zusammengebrochen ist. Das erste was er machte, war, dass er sich daran setzte und weiter gearbeitet hat. Ein unglaublicher Typ!

{image}Was wollt ihr mit Tanner (-> Webseite) noch erreichen? Was sind eure Ziele?

Emre: Will das jemand konkret sagen?

Martin: Ich weiß gar nicht, ob man das so konkret sagen kann. Viel spielen und dass man davon vielleicht irgendwann leben kann. Noch geilere Songs schreiben...

Emre: Letztendlich hat man einfach den Traum, den jeder Musiker hat: Dass man seine Musik weiter ausleben kann, dass man kreativ bleibt. Dass man die Möglichkeit hat, das weiter zu verfolgen. Im besten Falle ausschließlich zu verfolgen, dass man davon leben kann. Dass man seine ganze Energie und Zeit in diese Band stecken kann und darf. Platten rausbringen, Konzerte spielen. Dass man mit der Band unterwegs ist und mit den Fans eine gute Zeit hat.

Vielen Dank für das Interview!

Das könnte Sie auch interessieren