Paradise Lost

Paradise Lost

Der passende Soundtrack zu verregneten und düsteren Tagen: Die Urväter des Gothic-Metals, Paradise Lost, zelebrierten zusammen mit Samael und Ghost Brigade in der Alten Feuerwache in Mannheim die dunkle Seite des (musikalischen) Daseins.

{image}Kürzere Tage, längere Nächte, anhaltende Kälte und Zwielicht – optimale Bedingungen für den Auftritt einer Band, die sich ganz der Dark Side of Life verschrieben hat. Letzten Samstag spielten die aus dem vereinten Königreich stammenden Genrebegründer des Gothic-Metals Paradise Lost in der Alten Feuerwache in Mannheim. Um die düstere Stimmung zu verbreiten, holten sich die Briten noch die finnischen Ghost Brigade und die Schweizer Samael zu Hilfe. Den Auftakt dieses Spektakels übernahmen Ghost Brigade, deren Stil und Sound sich in keine Ecke drängen lässt. Kein Wunder, wenn man sich auf Pfaden jenseits des Kommerzes bewegt und depressiven und tiefgehenden Dimensionen huldigt – Kopfkino aller erster Güteklasse, in dem von ruhigen Instrumentalpassagen über knallhartem Riffing alles vertreten ist.

{image}Das absolute Gegenstück zu den eher dezenten Ghost Brigade stellten die Schweizer Samael dar, die trotz Ausflüge in die elektronische Welt definitiv in die Blackmetalszene einzuordnen sind. Sie traten mitsamt düsterem, okkultem Songwriting, Schrei-Gesang und synthetischer Doublebass aus dem Drumcomputer auf – ein von der Band bewusst gewagter Schritt.

Den Höhepunkt dieser Nacht stellten eindeutig Paradise Lost dar, deren Namensgebung sich auf die Mär des biblischen Sündenfalls bezieht. Die vier Herren um Sänger Nick Holmes, Greg Mackintosh und Aaron Andy an den Gitarren, Steve Edmundson am Bass und Adrian Erlandsson hinter dem Schlagzeug lösten sich Anfang der 90er von ihren Deathmetal-Fesseln und entwickelten mal ganz nebenbei eine neue Facette: doch selbst dieser neugeborene Stil des Goth-Metals untersteht bis heute einer kontinuierlichen Metamorphose, die jedoch einer immanenten, melancholischen Linie folgt und heute von der Band selbst als Dark Rock bezeichnet wird.

{image}Eine Eigenschaft, die sich auch in dem fast durchgehend in schwarz gekleidetem Publikum widerspiegelte und der von Paradise Lost aufbeschworenen Stimmung entsprach. Der rund eineinhalb Stunden andauernde Balanceakt zwischen seelischen Abgründen wurde mit dem Titel Pity the Sadness eingeleitet und machte nur kurz Halt an Stellen wie Erased, As I Die, The Enemy und dem epischen Forever Failure. Ein gelungener Ausflug in die 14 Alben umfassende Bandhistorie mitsamt einem ausführlichen Einblick in das aktuelle Machwerk Faith Divides Us Death Unites Us. Dieser Abend bewies es mal wieder: Frontmann Holmes versteht sich meisterhaft darin, die Biochemie seiner Zuhörerschaft bewusst akustisch umzupolen und mit der tiefgründigen, teils depressiven Atmosphäre des Paradise Lost Sounds eins werden zu lassen.

Leider wurde der durchweg gelungene Auftritt der fünf Engländer nur durch etwas herzloses Abmischen der Sounds verzerrt, wodurch teilweise Holmes Stimme im Klangwirrwar verloren ging und das charakteristische Gitarrensolo von Forever Failure nur zu erahnen war.  

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