ZZ Top (live in der SAP-Arena Mannheim, 2009)
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ZZ Top (live in der SAP-Arena Mannheim, 2009) Foto: René Peschel © regioactive.de

Am Samstagabend führte es die Altrocker von ZZ Top im Rahmen ihrer "Double Down Live Europatour" vor die Tore der Stadt Mannheim. Mit Hilfe von knapp 3000 Zuschauern, zehn Saiten und einem Schlagzeug, gelang es den notorischen Bartträgern, die SAP-Arena zum Rockolymp zu erheben.

{image}Um den Texanern eine gebührende Örtlichkeit zu bieten, wurden sämtliche Adler aus der Multifunktionsarena entfernt und letzte Eisreste weggekratzt. Resultat: Eine riesige, standesgemäße, von Stühlen umringte Bühne mitsamt hammerharter Akustik. Wie jede Band, deren Ruhm weit über die "Rock'n'Roll Hall-of-Fame" hinaus geht, braucht auch ZZ Top eine würdige Vorband, die das Volk gebührend auf deren Ankunft vorbereitet. Diesen Job übernahmen Mannheimer Originale: Die aus der städtischen Popakademie entsprungene Combo Timmy Rough Band, deren stimmgewaltiger Frontmann wohlverdient an erster Stelle im Bandnamen genannt wird. Das Ausspielen des Heimvorteils war nicht notwendig, denn die Jungs überzeugten mit ihrem lupenreinen Rock'n'Roll auf voller Linie. Kaum nachdem Timmy Roughs Stimme bis in die letzten Winkel der Hütte hallte, war auch der letzte ZZ Top-Jünger bekehrt, was auch lautstark an den zahlreichen Bierständen verkündet wurde.

{image}Nachdem sich die fünf Jungs rund um Jimmy Rough mit einem "Cheerio" von der Bühne verabschiedet hatten, betrat nach einer kurzen Bierpause das herbeigesehnte Trio aus dem texanischen Houston die Bühne – stilgerecht im bewährten ZZ Top-Dresscode: Die Gitarrenhelden Billy Gibbons und Dusty Hill einheitlich mit Kopfbedeckung, schwarzer Sonnenbrille (die sicher alles andere als Cheap Sunglasses waren) und wohlfrisierten Bärten. Lediglich Drummer Frank Beard blieb frisch rasiert bei der klassischen Rockstar-Robe. Der Eröffnungssong Got Me Under Pressure war eine gute Möglichkeit, die Menge auf das noch Kommende einzuschwören.

Nach dem Titel Waiting For The Bus bestellten die Jungs einen langjährigen Freund der Band auf die Bühne, der nach kurzem Smalltalk mehr oder weniger als Übersetzer herhalten musste. Nach kleineren Frotzeleien und dem Hinweis von Billy "Reverend Billy G" Gibbons, dass sein heute kahler und Gutgenährter Freund früher einmal Haare hatte, musste dieser die Frage: "Ist es möglich, dass in dieser Stadt Blues gespielt wird?" fürs Publikum übersetzen. Der aufkommende Lärmpegel beantwortete diese eindeutig rhetorische gestellte Frage.

{image}Nachdem das Publikum das texanische Trio mit den imposanten Gesichtsfrisuren lautstark von der Blues-Tauglichkeit Mannheims überzeugte, merkte Bassist Dusty Hill an, dass Blues ohne seinen speziellen Blues-Hut (der einem einfachen Farmer-Hut ähnelt) nicht möglich sei. Sofort wurde das gute Stück von zwei leichtbekleideten, in sexy Korsetts geschnürte Assistentinnen, überreicht. Nun stand dem Blues nichts mehr im Wege. Pincushion, Cheap Sunglasses und Gimme All Your Lovin waren nur einige musikalische Höhepunkte. Neben der hauseigenen Musik fand auch Jimi Hendrix’ Foxy Lady Einzug auf die Setlist. Hierzu wurden für einen kurzen Moment die V8-Motoren, Hot Rods und sexy Ladys von den drei überdimensionalen Videoleinwänden verdrängt und durch ein in Flammen stehendes Hendrix-Porträt ersetzt. Auf gleichem Weg wurde auch der Blueslegende Muddy Waters Tribut gezollt.

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In diesem Fall mussten zwar Jack und Zigarre als Bier und Hölle herhalten, aber Gibbons Leidenschaft für Bier war trotzdem unübersehbar: Als er in Showman-Manier seine goldschimmernde Gitarre umdrehte und die Saiten am Oberschenkel rieb, sprach der rießige "Beer-Sticker" auf der pink-lackierten Gitarrenrückseite Bände. Dass die Guitarheros eine Schwäche für extravagante Outfits und Gitarren haben, wird spätestens klar, als Roadies die legendären mit weißem Fell überzogenen Gitarren ankarrten. Auch der Unterhaltungswert stimmte: Neben synchroner Gitarrenakrobatik, einhändigem Gitarrenspiel und dem obligatorischen Zurechtrücken der bis kurz an die Saiten reichenden Bärte war alles vertreten. Nur Drummer Frank Beard gab sich zurückhaltend und verabschiedete nach den lezten beiden Stücken La Grange und Tush grußlos von der Bühne.     

{image}Vom Alter keine Spur – nicht nur weil Brillen, Bärte und Hüte jegliche Mimik und eventuelle Alterserscheinungen aus den Gesichtern verbannten. Auch die Art und Weise, wie die Texaner synchron leichtfüßig über die Bretter tänzelten, ließen auch dem Letzten klar werden, dass dem 30-jährigen Bandjubiläum locker noch ein viertes bzw. fünftes Jahrzehnt folgen könnte.

Wen wundert’s: Scherze wie das verflixte siebte Jahr sind bei ZZ Top nicht drin. Nach 13 goldschimmernden Alben sind sie die einzige Band von Welt, die seit ihrer Gründung in den 70ern noch in Originalbesetzung spielen. Selbst ihr unverwechselbarer Stil aus Blues und Boogie blieb unverändert, mit Ausnahme von Synthesizern, die hier und da Einzug fanden.

Die Jungs haben ihre Hausaufgaben gemacht. Nach den eingefahrenen Online-Kritiken vieler Fans über die kurze Spielzeit vergangener Gigs, dürften die Wogen nach diesem Abend wohl geglättet sein. Nach insgesamt 19 gespielten Songs und zwei Zugaben durften sich ZZ TOP wohlverdient in Richtung Backstage verabschieden. Und somit auch die vielen Fans, die Gibbons und Hill stilistisch nacheiferten – und ihren Idolen Hill verblüffend ähnlich sahen. Der einzige Unterschied war jedoch, dass die Doppelgänger von Gibbons und Hill auf dem Parkplatz in biedere Familienkutschen mit Kindersitzen einstiegen, anstatt in feuerrote 33er Ford Hot Rods mit Pin Up Girls auf der Rückbank.

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