The Streets

The Streets © Warner Media

Eine Pferderennbahn in Düsseldorf, ein "Festival für aktuelle Musik", Tocotronic, The Streets und viel experimentelle elektronische Musik. Die Voraussetzungen für einen gelungenen Abend waren gegeben. Von der Umsetzung berichtet regioactive.de.

{image}Das Programm des Open Source Festivals versprach Gutes, nur das Wetter hielt sich mit einer genaueren Ansage etwas zurück. Den drohenden Regen im Hinterkopf zum Trotz war das Festival ziemlich gut besucht, man kann The Streets oder Tocotronic ja schließlich auch gut im Regen erleben und ist später um eine Festival-Anekdote reicher. Der große Regen blieb aus, die Sonne ließ sich des Öfteren sehen und so konnte man relativ entspannt von Bühne zu Bühne wandern, um zu erleben, was außer den beiden großen Acts des Abends noch so geboten wurde. Vieles war gut, vieles war interessant und vieles war auch schnell wieder vergessen. Prefuse 73, als meisterhafter Plattenmischer bekannt, wurde Opfer des ziemlich miesen Sounds der Carhartt–Bühne, seine exzellente Darbietung ließ sich daher eher erahnen, denn wirklich genießen und erleben. Hauschka, Schneider TM & Hildur Gudnadottir litten ebenfalls unter dem Sound bzw. unter der Bassline von Prefuse, was aber nicht so schlimm war. Die Musik der Drei fällt schlichtweg in die Kategorie "bemüht, aber belanglos und schlichtweg zu gewollt". Wenn man schon mit klassischen Instrumenten und Elementen arbeitet, sollte die Akustik nahezu perfekt sein, nicht aber übersteuert und nach Blech klingend. Nichts gegen experimentelle Musik, vor allem wenn schon nicht auf einem Festival wie diesen, wo dann? Aber dieser Auftritt war einfach nur anstrengend und hatte mit guter Musik nicht viel zu tun. Er bewies nur einmal mehr, wie selten man in diesem Feld auf Qualität trifft.

{image}Die Befürchtung, dass der Sound auch den Auftritt von The Streets einen Strich durch die Rechnung machen würde, erfüllte sich zum Glück nicht. Mike Skinner legte eine gewohnt erstklassig engagierte Show ab, die sich zwar über die Jahre bis auf ein paar neue Songs nicht zu verändern scheint, einmalig ist sie allemal. Für den komischen Teil war dieses Mal nicht nur Mike Skinner zuständig, sondern auch ein weiblicher Fan auf der Bühne. Die junge Dame entwickelte mit ihren Englischkenntnissen und ihrem Tanzstil eine völlig neue Dimension des Fremdschämens. The Streets spielten sogar länger als erwartet und schafften es, mit der Zeit dem etwas versteiften Publikum langsam die Verspannungen aus der Hüfte zu massieren und dezent zum Kochen zu bringen – zumindest auf kleiner Flamme.

{image}Tocotronics Auftritt wurde direkt vom Publikum angesagt. Zehn Minuten vor Beginn strömten mit Jeansjacken, Nickelbrillen und Teekannen bewaffnete Hardcore-Urfans auf die vorderen Plätze der Tribüne und standen im leichten Gegensatz zu Röhrenjeans und Neonshirts. Der Sound fiel wieder deutlich zurück und man wunderte sich, was Tocotronic bei ihrem späten Soundcheck eigentlich gemacht haben. Einen echten Soundcheck wohl kaum. Dirk von Lowtzow kündigte wie gehabt seine Songs mit einer sarkastisch-traurigen philosophisch angehauchten Systemkritik an, um danach alles in einem scheppernd, verschrobenen Wirrwarr an Übersteuerung und Lärm untergehen zu lassen. Von den Songs bekam man wenig mit, hätte er nicht ständig die Namen der Songs im Vorfeld erwähnt, hätten wir nicht  darauf wetten wollen, was denn nun gespielt wurde.

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