Metallica (Berlin, O2 World, 2008)
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Metallica (Berlin, O2 World, 2008) Releaseparty von "Death Magnetic" © O2 World

Nachdem im September 2008 "Death Magnetic" veröffentlicht wurde und gleich erfolgreich einschlug, war es wenig verwunderlich, dass Metallicas Tour binnen kürzester Zeit komplett ausverkauft war. Dank der Releaseparty in der Berliner O2-Arena, kurz nach der Veröffentlichung des Albums, durfte man bereits erahnen, was die Fans live erwarten würde. Das konnte die Spannung jedoch kaum trüben - im Gegenteil. So pilgerten in Frankfurt Heerscharen von Alt- und Neu-Metallern in die Festhalle.

Konzertbeginn war pünktlich um 19 Uhr mit der ersten Supportband The Sword, die jedoch mit zwei Problemen zu kämpfen hatte: Einerseits erwischten sie einen wahrlich schlechten PA-Sound, der selbst die tollsten Songs zunichte gemacht hätte. Andererseits hatten sie sichtlich mit einer leichten Desorientierung auf der mittig in der Halle platzierten Bühne zu kämpfen, die besonders die zwei längeren Seiten gen Fans öffnet, aber generell von allen vier Seiten volle Sicht auf das Bühnengeschehen gestattet.

Von manchen Fans geliebt, von manchen Fans gehasst – so oder so für The Sword eindeutig zuviel Platz. Man sollte dieser Band, die gerade ein respektables Album veröffentlicht hat, dennoch in kleineren Clubs und Hallen eine neue Chance einräumen. Deutlich besseren Anklang beim Publikum fanden Machine Head, die den zweiten Supportslot gleich laut und brachial eröffneten. Der Soundmix hätte auch hier etwas besser sein dürfen, dennoch hatten Machine Head die Metalheads in der Frankfurter Festhalle spätestens mit ihrem Maiden-Cover Hallowed Be Thy Name so weit aufgewärmt, dass man davon reden konnte, dass das Feld für Metallica nun ausreichend bestellt sei.

Dennoch galt es, zwischen den letzten Takten von Machine Head und dem Metallica-Intro noch eine kleine Weile zu überbrücken. Punkt 21:15 Uhr folgte dann jedoch das für jeden Fan oder Bootlegger bekannte erste Ritual: Von der Band noch keine Spur, als das berühmte Intro die Festhalle erschüttert.

Um die Bühne zu erstürmen brauchen die Vier jedoch nur Sekunden und hinterlassen mit ihren Sprints gleich den Eindruck, topfit zu sein und klotzen statt kleckern zu wollen. "One Metallica-Family" seien Band und Frankfurter Fans, beschwört James Hetfield recht bald.

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Passend dazu werden mit Song Nummer drei sofort alle alteingesessenen Fans bedient: No remorse aber leider auch im Falle von Metallica, zumindest bis zu diesem Zeitpunkt, mit dem Sound in der Festhalle. Während Gitarren, Bass und Drums bei enormer Lautstärke kraftvoll dröhnend aus den Boxen donnern, kommt von James Hetfields Gesang nur ein helltöniges und halliges Etwas ins große Rund gestolpert. Ein Umstand, der sich im Laufe des Konzerts jedoch noch merklich bessern sollte und beim nächsten groß gefeierten Titel kaum auffällt, startet er doch besinnlich ruhig und geht in einen Instrumentalpart über, der seinerzeit Standards setze.

Für One wird außerdem eingeheizt: Metallica flüchten nach unten an die Bühnenseiten (auf der einen ist massenhaft Technik untergebracht, auf der anderen riesige Cases für Gitarren und frische Shirts) und geben die Mitte der Festhalle für eine eindrucksvolle Pyroshow frei. Auch Laser und die an hängenden "Death Magnetic"-Särgen angebrachte Beleuchtung sorgen bei dieser Tour für beachtliche Effekte. Doch das können viele. Metallica sammeln ihre eigentlichen Punkte an ganz anderen Stellen.

Da wären zum einen die besonders wirkungsvollen Songs, die das Publikum in der Festhalle bis auf die letzte Frau und den letzten Mann mobilisieren: Vorneweg ein enthusiastisch gespieltes Master of Puppets, das nach dem langem Feedback-Ausklingen von The Day That Never Comes förmlich wie ein Schlag in die Magengrube beginnt.

Gefolgt von Blackened, das sich noch tiefer in die Magengruben der Fans wühlt und für reichlich Bewegung rund um die Bühne sorgt (Crowdsurfing blieb jedoch unerwünscht in Frankfurt), bevor das schwarze Album auch noch seine Chance bekommt, sich zu beweisen. Garage Days im Zugabenblock und, jeder hat es gewusst, denn das ist analog zum Ritual beim Konzertbeginn mindestens ebenso obligatorisch, selbstverständlich auch Seek & Destroy runden eine Setliste ab (siehe unten), die durchaus gelungen war, und damit ein Konzert, das für viele Fans auch nach diesen knapp zwei Stunden noch hätte weitergeführt werden können.

Die Show ist das eine, die Songs, Sound und Power das andere. Metallicas Stellungsspiel das dritte. Soll heissen, dass James Hetfield, Kirk Hammet, Lars Ulrich und Robert Trujillo ganz im Gegenteil zu ihren beiden den Abend eröffnenden Kollegen sehr wohl verstehen, wie sie die Pros und Contras der mittigen Bühne gekommt für sich ausnutzen. Diese in ihrer Bandgeschichte so oft mit sich (und ihren Fans) hadernde Band setzt tonlose Signale und Akzente, wenn sie sich zu Soli oder Groove-Parts mal um das Drumkit, mal an einer Stelle der riesigen Bühne zusammenfinden, sich gegenüberstehen, in die Augen blicken, und alles aus ihren Äxten herausprügeln, was diese hergeben.

Das vermittelt Spielfreude, überpielt Mängel am Sound, fokussiert die Aufmerksamkeit immer wieder an zentrale Stellen. Metallica haben verstanden, dass es für die Fans sowieso unmöglich ist, alle Punkte, alle Positionen auf der Bühne zu überblicken und so schaffen sie es auf ihre Art, gleich mehrfach Cubgig-Atmosphäre zu simulieren – wenn auch nur für kurze Momente. Doch die sind entscheidend für den Gesamteindruck eines starken Konzertes einer Band, die zumindest derzeit mal wieder mit sich im Reinen zu sein scheint. Lange genug hatte es dafür ja auch gebraucht.

Und es gibt noch einen vierten Punkt, den die "Death Magnetic"-Tour vor Augen führt: Lars Ulrich und James Hetfield können Besetzungswechsel am Bass als Band überstehen, doch was wäre das alles ohne den Leadgitarristen Kirk Hammet wert, der nicht nur live die eigentliche Seele der Band zu sein scheint. Mit Death Magnetic (Rezension) hat St. Anger endültig ausgedient. Und zwar auf Platte sowie live. Und das ist auch gut so. Oder hat's jemand vermisst? 

Setliste:

That Was Just Your Life / The End Of The Line / No Remorse / Holier Than Thou / One / Broken, Beat And Scarred / My Apocalypse / Sad But True / The Outlaw Torn / All Nightmare Long / The Day That Never Comes / Master Of Puppets / Blackened / Nothing Else Matters / Enter Sandman

Too Late Too Late / Helpless / Seek and Destroy

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