Popular Damage

Popular Damage © Foto: Pablo Ruiz Holst

Popular Damage, das sind drei Musiker aus Berlin, deren Musik sich schlecht in Schubladen stecken lässt und trotzdem eingängig ist. Ein bisschen Electro, ein bisschen Pop und eine Prise 80er – fertig ist der Mix. Klingt ziemlich einfach, ist es aber nicht. Ehrgeiz zahlt sich dann aber doch irgendwann aus: Die Band durfte für die Berlin Music Comission beim SXSW Festival in den USA spielen, einem der bekanntesten Festivals weltweit, wovon uns Bassist Stephan dann ein bisschen mehr erzählt hat.

{image}RA: Erst einmal: Ihr werdet sehr oft als eine Berliner Band bezeichnet, sollt aber gleichzeitig der Popakademie entstammen. Also doch eher eine Mannheimer Band?

Stephan: Andersherum. Wir sind eine Berliner Band. Nur ich studiere hier in Mannheim. Der Rest der Truppe hat damit nichts zu tun.

Ihr seid ja sehr fleißig, so habt ihr in eurem ersten Jahr ganze 4 EPs eingespielt. Kann man weiterhin so viel Neues von euch erwarten?

Ganz so schnell geht es jetzt wohl nicht mehr, da wir mittlerweile ein wenig strategischer an die ganze Sache heran gehen. Aber ja, im Sommer soll die nächste EP kommen. Und dann evtl. noch in diesem Jahr ein weiterer Output.

Ihr seid zur Zeit bei einem Indie-Label. Wollt ihr daran etwas ändern, wenn ihr die Möglichkeit dazu habt, oder sagt ihr lieber "Nein Danke" zu Major-Verträgen?

Also zu einem Major werden wir wohl nicht gehen. Natürlich wäre es klasse, mit größeren Promo- und Produktionsbudgets arbeiten zu können, aber deren Strukturen passen einfach nicht zu uns.

Kannst du noch etwas genauer erklären, welche Strukturen im Bezug auf Majorlabels und größere Promo- und Produktionsbudgets nicht zu euch passen?

Also große Budgets würden natürlich schon sehr gut zu uns passen, haha! Nein, es ist einfach so, dass die Majors aufgrund ihrer Struktur total unflexibel in ihrer Arbeit sind. Vor allem was internationale Auswertungen angeht. Eine Universal Deutschland z.B. kann nicht einfach bestimmen, einen ihrer Acts international zu veröffentlichen. Das entscheiden immer die Dependancen in den jeweiligen Territorien, bzw. die Hauptsitze in UK oder den USA. Und die sind in der Regel gar nicht an internationalem Repertoire interessiert, weil sie selbst so viele Veröffentlichungen haben, die sie verkaufen müssen. Darüber könnte man Aufsätze schreiben. Außerdem lassen die Majors ihre Künstler auch gerne mal wieder fallen, wenn sie nur mäßig erfolgreich sind. Da zählen nur Quartalszahlen. {image}Bei Independents ist das anders, weil die aufgrund ihrer übersichtlicheren Kostenstrukturen einfach schon bei geringeren Abverkaufszahlen wirtschaftlich sein können. Außerdem erfährt man dort als Künstler in der Regel eine viel intensivere und persönlichere Betreuung, als bei den Großen. Und die Indies haben meist sehr gute internationale Vertriebsstrukturen und oftmals auch einfach ein viel passenderes künstlerisches Umfeld, in dem man sich einfach wohler fühlen kann, und wo man in guter Gesellschaft mit Bands und Künstlern ist, die zu einem passen.

Ihr bezeichnet euch selbst als "modern und zeitlos zugleich". Woran glaubst du liegt das, dass ihr den Mittelweg so gut schafft und euch in keine Schubladen stecken lasst?

Das haben nicht wir, sondern ein befreundeter Journalist so formuliert. Ich glaube grob gesehen kann man uns schon wie auch jegliche andere Musik in irgendwelche Schubladen stecken. Wäre ja auch Quatsch wenn nicht. Wenn dir von einer Band erzählt wird oder du über eine Band liest, dir aber niemand beschreiben wann worum es da eigentlich geht, würde sich im Zweifel nie das Interesse bei dir wecken, dir die Sache rein zu ziehen. Also grobe Schublade bei uns ganz klar: Pop. Und dann halt noch ein bisschen Elektro, ein bisschen Indie, ein bisschen weiß der Kuckuck was. Kommt immer auf den jeweiligen Track an. Ein guter Song ist ein guter Song.

Dass aber doch einige 80er-Jahre-Einflüsse ihren Weg in eure Musik gefunden haben, lässt sich wohl kaum bestreiten, oder ?

Lässt sich wohl nicht, nein. Obwohl wir in den Achtzigern eigentlich noch so jung waren, dass wir so bewusst wahrscheinlich noch gar nicht Musik gehört haben. Keine Ahnung woher das kommt. Das passiert auch automatisch. Einen Plan gibt es dahinter nicht.

Ihr ward vergangenen Monat bei einem der größten und vor allem weltweit anerkannten Festivals, dem SXSW, dabei. Wie seid ihr dazu gekommen, in den USA bei diesem Festival zu spielen?

Wir hatten das Glück, von der "Berlin Music Commission", die den unabhängigen Musikwirtschaftsstandort Berlin vertritt, eingeladen worden zu sein, auf der SXSW bei ihrer Party die aktuelle Berliner Musikszene zu repräsentieren. Da konnten wir natürlich nicht nein sagen.

Was habt ihr, und du persönlich, dort an Erfahrungen sammeln können? Konntet ihr neue Kontakte knüpfen?

Business-mäßig hat es sich nicht so wahnsinnig gelohnt. Damit haben wir aber auch nicht wirklich gerechnet. Uns kennt ja hier schon kaum jemand, wie soll das dann erst in den USA sein. Aber vom Ami-Publikum haben wir tatsächlich sehr gute Resonanz bekommen. {image}Viele wollten nach den Shows CDs kaufen und waren ganz begeistert. Ich glaube unser Vorteil war, dass wir ein bisschen Farbe in die Veranstaltung gebracht haben. Die meisten Bands, die wir auf der SXSW gesehen haben waren schon sehr rocklastig. Es hättr sich eventuell richtig lohnen können, wenn wir mit einem großen Headliner zusammen gespielt hätten. Da wären bestimmt viele Businessleute gewesen. Das haben wir leider nicht. Und vor Ort bei 1900 Bands verläuft sich das dann schon mal. Ansonsten hatten wir aber echt eine geile Woche. Das Wetter war im Gegensatz zu Deutschland echt super, wir hatten total nette Gastgeber, bei denen wir gewohnt haben und die sich echt rührend um uns gekümmert haben, das Festival war cool, und wir haben zwei sehr gute Konzerte gespielt. Alles in allem: Top!

Für viele bekannte Bands wie The Strokes war das SXSW Festival ein Sprungbrett in die Weiten des Musikbusiness. Erwartet ihr ähnliches von euch selbst, oder geht ihr eher gelassen an das  "Projekt Band" heran?

Also gelassen gehen wir auf keinen Fall an die Sache heran, sonst hätten wir ja nicht, wie du schon sagst, bisher einen so hohen Output gehabt und wären so umtriebig dabei uns zu entwickeln und Songs zu schreiben. Aber die SXSW war bei uns dann doch nicht das absolute Karrieresprungbrett. Zumindest nicht in diesem Jahr ...

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg noch !

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