Click Click Decker
Foto: Jan Kruse

Click Click Decker Foto: Jan Kruse

ClickClickDecker hat sich mit seinem dritten Album "Den Umständen entsprechend" und der dazugehörigen Tour eindrucksvoll zurück gemeldet. Seit dem 30. Januar steht das gute Stück in den Plattenläden. Für diesen Longplayer hat er sich zur Unterstützung seine Band mit ins Studio geholt. Vor seinem Konzert in Berlin nahm sich Kevin Hamann etwas Zeit für uns, um Rede und Antwort zu stehen. Unter anderem sprach er über seine neuen Songs, motivierende Schlager und seine Rituale vor einem Konzert.

{image}RA: Kevin, wie lief die Tour bisher?

Kevin: Sehr gut!

Gab es denn bereits besondere Highlights?

Jeder Abend ist ein Highlight! Das möchte ich gerne so stehen lassen. Jeder Abend ist unterschiedlich. Von der Location gab es ein Highlight, und zwar in Dachau. Da haben wir in einer Friedenskirche gespielt. Es war sehr beeindruckend, einschüchternd, ein neues Erlebnis, aber auch hervorragend!

Dein neues Album Den Umständen entsprechend hast du diesmal nicht, wie es bei den Vorgängeralben der Fall war, alleine eingespielt, sondern mit Band. Wie wirst du das in Zukunft machen?

Das weiß ich noch nicht. Es hat mir auf jedenfall gut geschmeckt, es diesmal mit anderen Leuten gemeinsam zu machen. Aber ich weiß nicht, wie ich es in Zukunft handhaben werde. Kommt darauf an, wozu ich Lust habe. Vielleicht so eine Mischung aus beidem. Abwarten!

Wenn man sich das Albumcover und die T-Shirts anschaut, dann stellt man sich die Frage: Was hat es mit den Tiermotiven auf sich?

{image}Also man braucht ja immer ein Cover. Für mich war ganz klar, nachdem wir die Platte mit mehreren Leuten aufgenommen hatten , dass ich nicht auf dem Cover zu sehen sein wollte. Und das mit den Tieren war so: Ich war in einem Tierpark in Hamburg und habe dort einem älteren Ehepaar Postkarten abgekauft, die ich hervorragend fand. Und bei denen ich dachte: die müssen unbedingt auf das Cover! So ist das entstanden. Mit den Tieren auf den T-Shirts. Ja, das kaufen die Leute halt gerne. Gegen Tiere hat niemand etwas einzuwenden. Tiere, Maschinen... Damit kann jeder was anfangen. Tiere sind gerade angesagt und machen nichts verkehrt. Ach, ich weiß auch nicht! Man beschäftigt sich viel zu sehr mit Maschinen, finde ich. Ich habe zum Beispiel kein Haustier, das macht mich traurig. Ich habe Allergien gegen Haare. Federtiere mag ich nicht. Finde ich langweilig. Nein, das stimmt natürlich nicht! Ich habe sogar einen Buntspecht im Hinterhof – und das in Hamburg! Da freue ich mich immer, wenn er hämmert. Soviel zu den Tieren!

Auf deiner Homepage (www.clickclickdecker.de) konnte man sich dein Album in Gänze anhören. Allerdings nur, wenn man zuvor ein Memoryspiel gelöst hatte. Wie bist du darauf gekommen, und warum gerade Memory?

Das war die Idee meines Verlags. Es gab da mal so ein Internetmemory, das man sich runterladen konnte. Das Spiel als Vorbau, sozusagen. Meine Freundin hat die Bilder gemalt. Es mussten ja auch wieder Tiere sein, damit es den Bezug zum Album hatte. Wir fanden die Idee gut, dass die Leute etwas machen mussten, um sich das anhören zu können. Interessanter, als die Sachen einfach bei Myspace oder sonstwo online zu stellen. Das war der Plan.

Wie kommt man die Idee, Fans die B-Seite produzieren zu lassen? (Man kann sich die Spuren von Dialog mit dem Tölpel runterladen und einen Remix anfertigen, der eventuell mit auf die nächste Single kommen wird; Anm.d.Red.)

{image}Das wiederum war die Idee von meinem Labelchef. Der macht ziemlich oft solche Remixcontests. Und bei den Bands von Audiolith bietet sich so was an. Dann habe ich halt gesagt: okay, ich habe auch bock auf Remixe. Das Stück bietet sich auch an, weil es nur sehr wenig Text hat. Ich wollte aber keine bestimmten Leute dafür fragen. Also haben wir die Spuren einfach ins Netz gestellt, damit jeder daran arbeiten kann. Ich finde es sehr interessant, was die Leute daraus machen. Es kommen noch immer Einsendungen. Nach der Tour muss ich mich dann für einige Stücke entscheiden, die mit auf die Single kommen. Alle anderen kann man sich auch im Netz anhören. Ich finde es spannend. Bis jetzt gibt es 20 Einsendungen, und es werden ständig mehr. Wieviele dann letztendlich auf der Single landen, weiß ich jetzt noch gar nicht. Die Single wird es außerdem nur als Download geben. Um das als CD rauszubringen, fehlt uns leider das Geld.

Welche Idee steckt hinter dem Video zu Händedruck am Wendepunkt?

{image}Die Idee war eigentlich, dass wir gar keine Idee hatten. Wir brauchten schnell ein Video. Dann haben wir jemanden gefragt, mit dem ich schon des Öfteren was gemacht habe und auf den ich mich immer gut verlassen konnte. Ich habe ihn angerufen und gesagt: "Ich weiß, du bist gerade Vater geworden und hast bestimmt viel zu tun. Aber wir brauchen unbedingt ein Video!" Man beutet seine Freunde ja gerne aus. Bzw. ihre Kreativität, ...aber egal! Ich fragte ihn also, ob er denn eine Idee hätte. Er hat dann eine Nacht darüber geschlafen, hatte einen Einfall und sagte zu, dass wir das machen. Wir wussten bis dahin auch nichts weiter von seiner Idee. Dann sind wir alle zusammen in das Atelier einer seiner Freunde gefahren. Wir sollten alle einen Gegenstand mitbringen, der uns am Herzen liegt. Der durfte allerdings nicht größer als eine Katze sein, das war die Aufgabe. Kommt natürlich auch darauf an, wie groß die Katze ist! Was er im Atelier als einziges vorbereitet hatte, war eine Tür auf dem Boden, unter die er vier Rollen geschraubt hatte. Daran war eine Schnur befestigt, und so haben sie uns die ganze Zeit durch den Raum gezogen. Das haben wir dann ungefähr vier Stunden lang duchgezogen und uns dabei gefilmt. Dann schloss er sich über Weihnachten ein und hat aus diesem Matieral das Video gemacht. So schnell kann es gehen. Wir sind mit dem Endprodukt mehr als zufrieden. Es ist großartig geworden.

Letztes Jahr warst du zusammen mit Der Tante Renate als Bratze auf Tour. Hast du es in dieser Zeit vermisst, als ClickClickDecker unterwegs zu sein?

{image}Ja, schon. Aber andersrum geht es mir genauso. Bei Bratze habe ich es manchmal vermisst, eine Gitarre zu spielen. Dort habe ich ja nur das Mikrofon in der Hand, spiele manchmal noch Keyboard. Da ist die Gefahr einfach geringer, dass ich mich verspiele. Auf der anderen Seite würde ich mir jetzt auch so einen Abend wünschen, wo ich einfach mal wieder die Sau rauslassen kann.

Beim entwickeln neuer Ideen und dem Schreiben von Texten: Bist du jemand, der dafür viel Ruhe braucht und aufs Land zieht, oder brauchst du doch eher die Atmosphäre einer Stadt?

Also das mit dem Land habe ich noch nie probiert. Ich könnte damit, glaube ich, auch nicht soviel anfangen. Ruhe brauche ich dennoch auf jeden Fall. Wenn wir zum Beispiel auf Tour sind, kann ich überhaupt nichts schreiben. Ich werde ständig abgelenkt. Selbst wenn wir sechs Stunden im Bus sitzen, muss ich mich auf die Straße konzentrieren. Ich fahre selber nicht, aber ich bin immer so ein ängstlicher Beifahrer. Oder ich bin einfach zu müde. Ich brauche Konzentration dafür. Aber auf das Land ziehen? Trotzdem eher nicht! Ich brauche Inspiration. Ich gehe raus, laufe durch die Straßen und fahre mit dem Bus und mit der U-Bahn. Unterhalte mich mit vielen Leuten. Sowas ist für mich inspirierend.

Wie sehen bei dir die letzten Minuten vor einem Konzert aus? Gibt es vielleicht ein Ritual oder ähnliches?

{image}Rituale, in dem Sinne, gibt es nicht. Also ich muss andauernd auf Toilette, Simon geht es genauso. Auf dieser Tour haben wir eingeführt, dass wir uns alle im Kreis aufstellen. So ein Klassiker halt. Wir wünschen uns dann ein gutes Konzert und sowas. Wir haben halt gemerkt, dass es die Stimmung hebt. Wir gehen jetzt auch alle zusammen auf die Bühne. Früher war es so, dass ich alleine angefangen habe und die Band dann erst dazu kam.

Es gibt ja immer mal Langeweile auf Tour. Was macht ihr dagegen?

Ja, es gibt sehr viel Langeweile. Simon spielt zum Beispiel gerade mit dem Hund. Er hat sich wahnsinnig gefreut, dass endlich mal ein Hund da ist. Die größte Langeweile findet im Bus statt. Heute sind wir sechs Stunden gefahren. Wir haben einen Film geguckt. Ansonsten ist jeder mit sich selbst beschäftigt. Oli schreibt gerade seine Diplomarbeit. Lars muss nebenbei arbeiten, Emails beantworten und so was. Der Fahrer fährt. Ich versuche zu lesen. Heute habe ich mal in das neue Klez.E- Album reingehört, um mir da einen Eindruck zu verschaffen. Außerhalb vom Bus gibt es ein straffes Programm: Soundcheck, Interviews, dann wird gegessen, dann wird schon gespielt, abgebaut und dann versucht man, noch etwas zu feiern. Morgen fahren wir 700km, müssen um 10 Uhr wieder los.

Auf welche Bands könnt ihr euch im Bandbus einigen?

{image}Wir können uns auf keine Bands einigen. Wenn, dann einigen wir uns auf einen Sender. Meistens WDR4, das ist ein Schlagersender. Irgendwie haben wir rausgefunden, dass es bei der Fahrt einfach das angenehmste ist. Ich weiß nicht warum, aber es motiviert am meisten.

Welche Bands begeistern und beeinflussen dich heutzutage?

Das sind ganz viele. Ich höre sehr viel unterschiedliche Musik, unterschiedliche Bands. Das kann ich eigentlich gar nicht genau sagen, wer mich da jetzt beeinflusst. Es ist von allem etwas. Da will ich mich auch gar nicht festlegen.

Und welche Bands waren es bei deinen Anfängen?

Ich habe früher ganz viel Falco gehört, den fand ich großartig. Von Udo Lindenberg war ich auch ein großer Fan. Daher kommt wohl auch meine Affinität zu deutschen Texten.

Kannst du dir vorstellen, mal ein englischsprachiges Album zu veröffentlichen?

Vorstellen kann ich es mir. Ich würde es gerne auch mal machen, nur kann ich mich in der englischen Sprache nicht so perfekt ausdrücken, wie ich das mit deutschen Texten kann. Das ist das Problem. Ich könnte es auch lernen, aber ich bin einfach zu faul dafür. Insofern stelle ich das ganz hinten an.

Hast du es schon versucht, englische Texte zu schreiben?

Früher: Ich hatte englische Texte auf meinen Tapes in den 90ern. Die waren ganz schlimm! Die Texte hatten sehr viele grammatische Fehler, ganz schrecklich!

Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Spaß auf der Tour!

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