Nazareth
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Nazareth Foto: Rudi Brand © regioactive.de

Ca. 40 Millionen verkaufte Alben, seit 1973 weltweit bekannt: Nazareth sind unter den berühmtesten Schotten sicherlich in der Top 10. Jedes Mixtape für die neue Freundin hat spätestens auf der B-Seite "Love hurts", "dream on" hat absoluten Kultstatus – und das sind auch Nazareth: Kult. regioactive.de traf sich mit dem Sänger Dan McCafferty vor ihrem Auftritt im Berliner Columbiaclub: "Mir ist gar nicht so bewusst, dass ich tatsächlich eine lebende Legende bin, aber manchmal wird es mir schlagartig bewusst und erschreckt mich".

{image}Über das letzte Album, die Musik und die Evergreens wurde schon viel gesprochen mit Nazareth. Jedes Magazin und jede Zeitschrift, die sich mit Musik beschäftigt, besprach auch irgendwann Nazareth oder hat ihnen gleich ausführlich gehuldigt. Und so muss das auch sein. Jahrgang 1946 spricht eigentlich dafür, dass sich die Musiker mittlerweile ihre Rente verdient hätten, doch irgendwas ist schief gelaufen: "Wenn ich alles richtig gemacht hätte, hätte ich mehr Platten verkauft, mehr Geld auf dem Konto, und ich würde mich hiermit nicht mehr belasten müssen". Doch damit meint Dan nicht den Auftritt, sondern das Ganze drumherum. Interviews hier, Anderes dort, und nicht zur Ruhe kommen können, weil die Miete ja eingespielt werden muss.

RA: Direkt eine Lobhuldigung vorneweg: Wie fühlt es sich an, eine lebende Legende zu sein?

{image}Dan: Mir ist gar nicht so bewusst, dass ich tatsächlich eine lebende Legende bin. Ich wache auf und gehe durch den Tag. Ich schaue nicht in den Spiegel und denke mir dabei, wie toll ich bin. Aber manchmal wird mir schlagartig bewusst, dass ich bei sovielen Menschen an ihrem Leben teilhabe, und meine Musik ihnen viel bedeutet. Und genau das erschreckt mich dann manchmal.

Wie kommt es denn, dass ihr auch 14jährige Fans habt?

Dan: Das Internet spielt dabei tatsächlich eine große Rolle. Da stolpern auch Jugendliche einfach über unsere Musik, und das ist dann ein echt gutes Gefühl zu wissen, dass man immer noch interessant ist für die jüngere Generation.

Und wenn hochkarätige Bands die eigenen Songs covern und sich als Fan outen, wie in eurem Fall u.a. Guns n Roses, wie fühlt sich das dann an?

Dan: Das bedeutet natürlich Stolz. Egal ist einem sowas nicht. Es gibt so unglaublich gute Coverversionen von unseren Liedern und davon kann man auch was lernen. Es ist ein Geben und Nehmen, das uns dann verbindet. Jede Version unserer Songs legt den Schwerpunkt anders, und das ist auch gut so.

Gibt es Fragen, die du einfach nicht mehr hören kannst?

Dan: Nein, mir ist sowas egal. Es gibt auch keine Frage, die ich gerne mal beantworten würde. Fragen gehören dazu und wie gesagt, wenn wir alles richtig gemacht hätten, dann müsste ich gar keine Frage beantworten und nicht mit dir hier sitzen.

Ich hatte vermutet, da deine Einstellung zu Gott viel diskutiert wird, gehörte das vielleicht mittlerweile zu den ungeliebten Fragen.

Dan: Ganz ehrlich, mich interessiert das ganze Zeugs nicht. Weißt Du, jeder kann das so händeln, wie er das möchte. Wenn jemand gerne in die Kirche geht, dann ist das fein. Ich kann nicht ganz nachvollziehen, wie man einen Verein unterstützt, der aus fadenscheinige Gründen Kriege anzettelt und für soviel Ungerechtigkeitin der Welt sorgt. So einen Gott brauche ich einfach nicht. Ich mache auch keinen Unterschied zwischen Gott und Kirche, denn das ist alles miteinander verbunden. Ich habe meine Einstellung und wirklich kontrovers ist sie eigentlich nicht. Jedem wie es ihm gefällt.

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Etwas uncharmant wirkt Dan McCafferty schon, dieser Mann, der ein Idol für mehr als eine Generation darstellt. Zwischen den Zigaretten im Gespräch hustet er, und zwischen dem Husten raucht er. Ich bedanke mich für das Gespräch und gehe vor die Bühne. Er betritt sie und die Leute liegen ihm gleich zu Füßen. Innerhalb eines Augenaufschlags sind seine Fans bei ihm und mit ihm.

Bereits beim dritten Lied, dem sagenumwobenen dream on, merkt man, dass er den Rock'n'Roll lebt, und mit leicht brechender Stimme diese stoische Zufriedenheit ausstrahlt, die zum Rock'n'Roll-Lifestyle einfach dazugehört.

Man wird sehen, was die Zukunft für Nazareth bringt. Wahrscheinlich wird es auf folgendes Motto hinauslaufen: Auf der Bühne leben, auf der Bühne sterben. Es gibt Schlimmeres.

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