Crystal Stilts (Pressefoto, 2009)

Crystal Stilts (Pressefoto, 2009) © Crystal Stilts

Der Sänger der aus Brooklyn stammenden und 2003 gegründeten Band Crystal Stilts, Brad Hargett, hat in seiner Jugend mit Sicherheit viele Tage und Nächte mit der Musik von Joy Division verbracht. Zumindest mag man das glauben, wenn man am vergangenen Dienstag einen Ausflug in den Bang Bang Club in Berlin zum Konzert der Band unternommen hatte.

{image}Brad Hargett hat mit Ian Curtis nicht nur die unnahbare, tiefe und unterkühlte Stimme gemeinsam – auch seine ganzen Gesten und Bewegungsabläufe erinnern an den Sänger der Kultband aus den siebziger Jahren. Zum Beispiel, wie er sich mit beiden Händen an das Mikrofon klammert. Wie er dabei ausdruckslos und in Trance durch die Gegend blickt und zu träumen scheint. Wie er in Textpausen mit seinem ganzen Oberkörper Hin und Her wippt. Und wie er sich schließlich, in den durch das Reißen von mehreren Gitarrensaiten des Gitarristen J.B. Townsend verursachten Pausen, teilweise teilnahmslos über die Bühne bewegt. Da fühlt man sich schlagartig in die Zeit zurückversetzt, als Joy Division ihren großen Erfolg feiern konnten. Und manchmal fragt man sich angesichts dieser Parallelen: Benimmt sich der Sänger der Crystal Stilts vielleicht bewusst so? Da es ihm ein Anliegen ist, seinen möglichen Ikonen die Ehre zu erweisen, die sie bis heute verdienen? Fast scheint es so.

{image}Seine drei Kollegen sind bei diesem Auftritt praktisch nur Staffage. Überhaupt drängt sich der Eindruck auf, dass die Band Crystal Stilts nicht als homogenes Ganzes, sondern jeder Musiker nur für sich selbst auftritt. Während Schlagzeugerin Frankie Rose wenigstens noch mit allen Bandmitgliedern Blickkontakt hält, starrt Bassist Andy Adler bei  jeder Gelegenheit auf den Boden. Gitarrist J.B. Townsend blickt entweder auf seinen Verstärker, die Wand oder, wie der Sänger Brad Hargett, ziellos durch die Gegend. Der Keyboarder Kyle Forester fehlt sogar ganz.

Aber vielleicht ist dieses Verhalten ja tatsächlich bewusst so inszeniert. Eine reine Show. Um eine bestimmte, magische Atmosphäre zu schaffen. Um bewusst die Helden der Jugend zu ehren. Und vielleicht, um eine alte Zeitepoche wieder auferstehen zu lassen. Als Ian Curtis noch lebte, dessen verbliebene Mitglieder sich noch nicht zu New Order formiert hatten und Joy Division die Musikfans begeisterte. Nach dem Motto also: Lasst die gute, alte Zeit wieder lebendig machen!

Und genau das ist Crystal Stilts jedenfalls perfekt gelungen!

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