Secret Machines (live im Logo in Hamburg, 2009)
Foto: Nina Schober

Secret Machines (live im Logo in Hamburg, 2009) Foto: Nina Schober © regioactive.de

The Secret Machines ist eine amerikanische Blues-, Psychedelic- und Progrockband, die vor kurzem ihr drittes und gleichnamiges Album "Secret Machines" veröffentlichte. Am vergangenen Samstag spielte die Band im Frannz Club in Berlin.

{image}Als vor wenigen Wochen die Meldung durch die Presse ging, dass Sänger und Gitarrist Benjamin Curtis die mit seinem Bruder gegründete Band The Secret Machines verlässt, um sich ganz auf sein zweites Musikprojekt School Of Seven Bells zu konzentrieren, da prophezeite der ein oder andere Fan schon das Ende dieser Blues-, Psychedelic-, und Progrock-Gruppe voraus, die mit ihren teilweise neunminütigen und oftmals epischen epischen Songs bekannt wurde. Falsch gedacht, kann man da als objektiver Betrachter nur sagen. Denn vielmehr hat sich für den Bruder Brandon und den Schlagzeuger Josh Garzan durch diese Situation scheinbar nichts verändert. So glaubt Brandon, dass "die Band schon immer die Summe der einzelnen Egos" war und sie damit heute "nicht weniger Secret Machines sind als früher". Als Ersatz für Benjamin Curtis holten sich die beiden übriggebliebenen Musiker deshalb den Gitarristen Phil Karnats. Dieser nahm daraufhin mit ihnen das nach Now Here To Nowhere und Ten Silver Drops dritte Album Secret Machines auf, und er ist nun auch auf der aktuellen Europatournee mit dabei.

{image}Am vergangenen Samstag spielte die Band im Frannz Club der Kulturbrauerei in Berlin. Dort bauen die drei Musiker von Secret Machines aus ihren intensiven, psychedelischen Songstrukturen eine Atmosphäre auf, die den Zuschauer nach wenigen Minuten gleichzeitig in eine andere Sinneswelt mitnimmt und mitreißt. Der Sound lässt hier bei den Zuschauern ganz eigene Assoziationen und Bilder entstehen, was vor allem durch den Wechsel zwischen ruhigen Passagen, zu denen man aufmerksam das Geschehen beobachtet und sich fragt, was jetzt passieren könnte, und lauten Passagen passiert, bei denen der Zuschauer alle Sinneseindrücke sammeln und verarbeiten muss. Die Musik bleibt so nie an einer Stelle stehen, sondern entwickelt sich fortlaufend weiter. Zuerst spürt man in der Musik eine Ruhe vor dem Sturm aufkeimen, die Spannung aufbaut, und dann bricht der Sturm über den Saal hinweg und die Spannung fällt wieder auseinander, um daraufhin das Geschehen in variierter und weiterentwickelter Form abermals zu wiederholen. Die Songs machen so ständig einen laufenden Prozess durch und die einzelnen Teile reifen zur Eigenständigkeit. Alles steht in einer gegenseitigen Wechselbeziehung und formt eine in sich geschlossene Handlung und Geschichte.

{image}Passend dazu verschwendet der Sänger der Secret Machines bis auf einen Dank an die Fans keine Zeit und Kraft, um irgendwelche klischeehafte Ansagen zu machen, da dies die Leute wahrscheinlich sowieso nur aus der ihm vertrauten, umgebenden Atmosphäre reißen würde. Vielmehr sind die drei Musiker während dem Konzert ganz in ihre eigene Musik vertieft. So wirkt Phil Karnats verträumt, wenn er zwar mit seinen Fingern die Gitarre bespielt, gleichzeitig aber auch an einem Ort stehenbleibt, ein Punkt im Publikum anvisiert oder mit geschlossenen Augen lediglich seinen Kopf hin-und her bewegt. Bei Josh Garza hat man wiederum den Eindruck, dass er manchmal richtig in sein Schlagzeug hinein hören will, wenn er sein Ohr näher ans Instrument hält, um dann jedoch die durch die ruhige Passage aufgestaute Energie zu bündeln und mit aller Kraft und heftigem Kopfbewegen aus seinem Körper herauszulassen. Und Brandon Curtis genießt in ganzer Ruhe die von der Band erzeugten Effekte. Er bleibt beim Singen und Bespielen seiner Instrumente wohl auch deshalb größtenteils recht statisch und unauffällig an seiner angestammten Position hinter dem Keyboard und der Gitarre stehen.

Noch eins fällt dem Autor an diesem Abend auf: Wenn man in eine bestimmte Atmosphäre mit seinen ganzen Sinnesempfindungen eintaucht, dann wundert man sich schnell, warum die Künstler denn scheinbar so schnell wieder die Bühne verlassen. Doch wenn man nach kurzer Besinnung auf die Uhr schaut, stellt man dann doch oft überraschend fest: Wie schnell doch die Zeit vergeht. Zumindest dann, wenn man die Chance hat, mit seinem ganzen Empfinden in Klangwelten einzutauchen. In Klangwelten, die man zum Beispiel auch bei der Band Secret Machines vorfindet und bei diesem Konzert vorfand.

 

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school of seven bells

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