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Fotos: Anne-Laure Fontaine-Kuhn © regioactive.de

Samstag Mittag, Meeting im Proberaum unter einem Kindergarten: Wir treffen uns mit den vier Jungs von der Mannheimer Band Moonbird, um ein wenig über ihre Zukunft und über ihr Vorhaben zu reden, ein Album live vor Publikum einzuspielen. Plausible Gründe kommen dabei ans Licht, wieso sich die Band gegen ein Studioalbum entschieden hat, und wieso gerade jetzt der richtige Zeitpunkt dafür gekommen ist, dieses Vorhaben in Angriff zu nehmen.

{image}RA: Wie ist der Name Moonbird entstanden? Ich habe gelesen, ein Moonbird sei ein Fabelwesen. Außerdem wurde 1959 ein Cartoon gedreht, der einen Oscar gewann, der hieß und handelte von einem Moonbird.

Flo: Ja, den haben wir von Google verdrängt, wir sind jetzt vorne!

Matthias: Das war wirklich eine selbst kreierte Idee. Ich saß am Neckar, das war im April 2006 glaub ich, und da ist eine Schleuse und eine Eisenbahnbrücke. Da fuhr eine Eisenbahn über die Brücke, der Mond schien, und da flog ein Vogel darüber. Daraus entstand erst die Zeile "....Moonbird plane ride". Es war mehr eine Zeile, die mir im Kopf geblieben ist, aus dem ein Akustikstück entstehen sollte mit dem Namen Moonbird, das ist aber nie richtig fertig geworden. Als wir dann zu der Namensfindung kamen, dachte ich irgendwann: Moonbird, das passt ganz gut. Und dann hat es der Band auch ganz gut gefallen. Kürzlich hab ich Simpsons geschaut, und da kam auch eine ganz kurze Sequenz, wo irgendwie ne Statue zu sehen war, und tatsächlich unten Moonbird stand. Das war sehr amüsant.

 

RA: Drei von euch haben zuerst in der Schule bei einem Coverprojekt mitgemacht und dann kam irgendwann Nico dazu, stimmt das?

{image}Flo: Als Martin und ich 2006 Abi gemacht haben, da haben wir für den Abischerz eine Coverband gegründet. Und ich kannte Matthias noch von alten Zeiten, noch mit einer anderen Band, und da wir einen Sänger gebraucht haben ist Matthias spontanerweise, weil er grad nicht so viel zu tun hatte, mit eingestiegen. Dann ist der Drummer zum Bund gegangen, hat seine Seele für zwölf Jahre verkauft und dann haben wir den Nico übers Internet gefunden, nachdem noch ein weiterer Drummer ausgestiegen ist.

Matthias: Wir waren teilweise zu dritt, ohne Drummer, und da gab es auch Momente, wo es nicht so sicher war, ob wir überhaupt noch weitermachen, ob wir überhaupt ein eigenes Projekt starten können. Dann haben wir zufällig Nico übers Internet gefunden. Martin hatte ein Inserat geschrieben und irgendwie haben wir lustigerweise gesagt, nicht den ersten nehmen, wir hören uns erst drei oder vier an. Und Nico war der erste, und Nico blieb! Er hat uns auch ziemlich stark beeinflusst. Vorher waren wir eher chillig.

Martin: Ziemlich stupider Rock. Jetzt machen wir eher Funk.

Matthias: Und Nico hat den Groove mit in die Band gebracht.

Ihr sagt Funk, aber bei euren drei Songs im regioactive.de-Profil hätte ich jetzt eher gesagt: Das ist Country und Bluesrock mit ein paar Elementen aus Funk und Groove.

Flo: Funk ist auch für mich das falsche Wort. Ich würde sagen Groove. Ich finde, das mit den ganzen Genres ist eh so eine Sache.

Matthias: Am ehesten noch Folk, aber Country würde ich nicht sagen.

Auch zu Ain't Got A God? Vor allem noch mit deiner Westerngitarre!

Matthias: Gut, da haben wir auch ganz viel Johnny Cash gehört!

Ihr würdet euch selbst auch gar nicht so wirklich irgendwo einordnen?

Flo: Ich finds halt super schwierig. Hauptsache viel Bass.

...sagt der Bassist! Ain't Got A God und Snapshot hören sich so an, als ob sie im Proberaum aufgenommen wurden. Aber Trouble klingt nicht danach. Wie habt ihr diesen Song aufgenommen?

Martin: Trouble war ein Pilotprojekt. Wir haben versucht, das ganze Songrecording am PC zu machen. Aber wir haben jetzt insgesamt fast ein halbes Jahr gebraucht, den Song fertig zu stellen, weil wir irgendwie nie so richtig Zeit hatten.

Matthias: Wir haben uns auch nicht richtig dahinter geklemmt. Ich glaube, wenn man sich mal eine Woche am Stück hinsetzt geht das auch, aber wir haben es mal drei bis vier Wochen liegen lassen. Die Grundidee war, auf diese Art eine ganze EP zu machen, aber das hat sich aus zeitlichen Gründen nicht ergeben.

Flo: Darum hatten wir die Idee, jetzt eine Aufnahme auf anderem Wege zu machen. Wir dachten zuerst, wir gehen für einen Tag ins Studio, aber da hatten wir keine so guten Erfahrungen gemacht in Köln, die Aufnahmen waren nicht so gut. Wenn wir einen Song ordentlich aufnehmen wollen, dann müssen wir mehrere Tage ins Studio – aber das hätte halt tierisch gekostet.

Deshalb habt ihr euch für eine Liveaufnahme entschieden, die ihr am 5. März im Café Central aufnehmen wollt?

Nico: Ja, mit Dennis Metz. Ich habe ihn bei der ersten Kulturoffensive kennengelernt. Wir hatten mehrere Möglichkeiten: Ich hatte noch jemand anderen an der Hand und verschiedene Möglichkeiten, ins Studio zu gehen. Doch Dennis war derjenige, der sich gleich gemeldet hat. Wir haben uns dann vor Weihnachten getroffen und festgestellt, dass es sich nicht lohnt, nur für einen Tag ins Studio zu gehen. Aber wie gesagt, wir haben weder das Geld noch die Zeit, für mehrere Tage ins Studio zu gehen. Dennis hat deshalb dem Vorschlag mit dem Live-Gig gemacht. Und dann ist das alles so ins Laufen gekommen.

Matthias: Inzwischen können wir uns auch sehr gut damit anfreunden, es so zu machen.

Nico: Wir haben jetzt seit zwei Jahren immer wieder Aufnahmen im Proberaum gemacht, und jetzt wollen wir auch was festhalten.

Neben dem Finanziellen, warum steht ihr so unter Zeitdruck?

{image}Matthias: Oh, das weißt du gar nicht!

Flo: Tja, uns gibt’s nicht mehr so lange.

Matthias: Wir haben jetzt nicht mehr vor, die Welt zu erobern. Das ist auch der Grund, wieso wir uns für die Liveaufnahme entschieden haben, um unsere Arbeit zu konservieren, weil jeder aus beruflichen und ausbildungstechnischen Gründen seinen Weg gehen wird und wir Moonbird im Guten beenden wollen.

Flo: Aber ein bisschen Wehmut ist schon dabei.

Matthias: Ich würde das aber noch etwas anders ausdrücken. Auch die Art und Weise, wie wir proben, wie wir zusammen spielen, ist halt einfach live. Wir sind deshalb vielleicht nicht fürs Studio gemacht, weil wir nicht zu hundert Prozent die perfekten Techniker sind. Eine Liveaufnahme ist etwas rohes, etwas direktes, und etwas ehrliches irgendwie.

Flo: Was ich persönlich auch hoffe ist, auch wenn es immer schwierig auf einer Platte festzuhalten ist, dass so ein bisschen die Emotionen, der Geist, den wir im Proberaum hatten, dass der mit auf die Platte drauf gepresst werden kann. Das wär ne ganz coole Sache, wenn das funktionieren würde.

Habt ihr für die nächste Zeit trotzdem noch weitere Auftritte geplant?

Flo: Wir hatten eigentlich vor dem Auftritt im Café Central die Idee, mit Cortis zusammen im Schwimmbadclub spielen wollen. Werden wir auch: am 9. Mai.

Matthias: Außerdem ist die nächste Kulturoffensive in Planung.

Die findet ja bald zum dritten Mal statt.

Matthias: Ja, und diesmal in der Alten Feuerwache in Mannheim, das ist auf jeden Fall eine richtig coole Aktion. Diesmal ist es auch so, dass sich Bands bewerben können, damit das ein bisschen offener wird. Und diesmal gibt es den Gedanken, Moonbird dort nicht spielen zu lassen, damit es nicht die Moonbird-Offensive wird, sondern auch wirklich eine Kulturoffensive bleibt.

Dann viel Glück für eure Liveaufnahme und vielleicht hört man von einem von euch in einer anderen Band mal wieder etwas.

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