Rainer Döhring auf der Bühne mit seiner Band Four Sided Cube.
Foto: Jutta Leiske

Rainer Döhring auf der Bühne mit seiner Band Four Sided Cube. Foto: Jutta Leiske © fokus-eventphotos.de

Ladenburg: hier baute Carl Benz das erste Auto, hier drückte Xavier Naidoo die Schulbank, und hier gründete sich die heißeste Rockband des Südens: Four Sided Cube. In der "Kiste" veranstaltet die Band seit 2001 jährlich das FESTival, bei dem junge Bands aus der Region ordentlich abrocken. Diesmal mit dabei: FSC, Skall and Crossbones und Bartender’s Eve. Wer diesen Abend verpasst hat, braucht sich nicht zu sorgen, denn diese Bands werden in der Musikszene bestimmt noch einiges von sich hören lassen.

{image}Sieben sympathische Jungs im besten Alter: Trotz der winterlichen Weihnachtsstimmung verschafften die Musiker von Skall and Crossbones den Zuschauern Sommergefühle der höchsten Art. Mit Posaune, Saxophon, Bass, Keyboard, E-Gitarre, Drums und Gesang machten sie den Anfang dieses glorreichen Abends. Das Publikum teilt sich bei diesem Auftritt in drei Teile: ¼ pogt, ¼ wippt, die Hälfte tanzt. Eins steht fest: Bei diesem rhythmischen und energiegeladenen Sound kann niemand stillhalten. Auf der Bühne geht’s heiß her: die ersten Bandmitglieder entkleiden sich. "Wir hoffen, dass es euch unten auch so heiß wird! Oder lag’s am Schnapps?" – Nein, es war definitiv der große Sound, der die Meute zum Schwitzen brachte! Für einen Song spielt das ehemalige Bandmitglied Dirk Wiesner am Bass, dann ist wieder der neue Bassist, Sascha Barembruch, am Start und Dirk pogt in der Menge mit. Doch die Band ist nicht nur für’s Feiern zuständig: "Jeder Nachbar ist ein potenzieller Terrorist" schreit Sänger und MC Paul Brenndörfer ins Mike und zeigt damit auch die kritische Seite der Gute-Laune-Musik, die für eine gute Skaband und damit auch für Skall and Crossbones unerlässlich ist.

{image}"Es wäre sau krass, wenn ihr noch fünf Meter weiter nach vorne kommen würdet", meint er im Anschluss, und die Angesprochenen reagieren im Nu. Während die Feierwütigen nach vorne pogen, sinkt Armin Rothe – oberkörperfrei und mit seiner Posaune verschmelzend – in die Knie und erinnert an chillige Neckarwiesenabende im Sommer. "Komm' mit mir und verlier' den Verstand", mit Elvis im Wunderland entführen sie die Zuschauer in ferne Länder. Dorthin, wo 24 Stunden am Tag die Sonne scheint, Schnee und Kälte Fremdwörter sind und die Nacht sich beschämt fühlt, wenn sie nicht zur Party genutzt, sondern mit Schlaf gequält wird. Die Menge kreischt und applaudiert. Die Tetrismelodie endet im Final Stage: der Sänger jumpt zum Schlagzeug, dieser nickt mit dem Kopf zum Beat. Applaus und Stimmungskurve steigen steil an. Die Jungs verlieren sämtliche Hemmungen und übertragen das verstärkte Zucken der Tanzmuskeln auf die Zuhörer. "Das ist Knastbruder Lucas, der ewige Zeit in der JVA war, weil er eine Gefährdung für die öffentliche Ordnung darstellt. Wir hoffen, dass wir mit dem nächsten Song eure Stimmung nicht gefährden", meint der Sänger der Band. Zum Schluss folgt noch ein extrem tanzbarer Song mit dem rebellischen Wortlaut "la puta policia" und einem springenden Lucas Lörch am Saxophon. Laute Zugabeschreie befördern Skall and Crossbones nach ihrem Abgang wieder auf die Bühne. "Skall dankt für euer Vertrauen", meint Paul. Dann spielen sie Sunshine. Die tanzende Mange bestätigt den Spruch der Band: "der Song ist super heiß."  Mit einem sympathischen "Dankeschööön" verabschieden sich die Musiker.

{image}Die Umbauphase neigt sich dem Ende zu: Die Gäste strömen voller Vorfreude in den Saal, um Bartender’s Eve live zu erleben: "Ihr werdet uns nie wieder vergessen!" lautet der Begrüßungsspruch der sympathisch lächelnden Sängerin Lenya Krammes. Und mit ihrem professionellen sowie abwechslungsreichen Auftritt wird die vierköpfige Band diese Ankündigung im Laufe des Abends musikalisch untermauern: Bei dem ersten Lied, Upstairs, spielt Lenya Klavier und singt dazu, bei dem rockigeren Song Pretty steht sie dann am Mikro und begibt sich zwischendurch in blitzeseile für die Klavierparts zum Piano. "Wer mag Hessen?" – Stille. "Das nächste Lied handelt über Frankfurt, was nicht heißt, dass ich das mag. Ich wohne da nur." Für In the City tauscht Lenya das Piano gegen eine Gitarre. Ihr warmer Gesang verleiht dem eigentlich melancholischen Song eine versöhnliche, positive Note. Über das nächste Stück, Millionaire, sagt sie: "Es handelt nicht von Geld, sondern wie reich uns das Leben machen kann." Der Song kommt gut an: "Ich will ein Kind von dir", schreit ein sichtlich begeisterter Fan. "Ich heiß' übrigens Lenya", nennt sie da ganz nebenbei ihren Namen. Bei Never Push Reset singt man mit, auch wenn man den Song vielleicht grade zum ersten Mal gehört hat, er gefällt und geht ins Ohr. Technische Probleme verursachen eine kleine Unterbrechung, "aber dafür isses live", lacht Lenya und das Publikum antwortet prompt mit "Wir lieben euch trotzdem." Dann sitzt sie wieder am Piano, kommentiert den nächsten Song und beginnt Mayfly zu spielen. Hier kommt ihre an der Frankfurter Musikwerkstatt ausgebildete Stimme richtig zur Geltung. Sie strahlt wohlige Ruhe aus, lässt sich aber auch bis ins Extrem steigern und ist dann laut, kräftig und rockig, verliert dabei aber niemals an Eleganz. Diese Band weiß, wie man gute Songs schreibt. Melodiöse Gitarren- und Klavierparts, die auch Thom Yorke gefallen würden, werden von rockigen Beats vorangetrieben. Dann brechen rockige Gitarrenriffs ein, immer wird dese begrüßenswerte Komposition mit mehrstimmigem Gesang unterstrichen. Auch dieses Lied geht einem nicht mehr aus dem Kopf. Beim letzten Song ist Lenya wieder an der Gitarre, mit einer ruhigen Stimme und einem nachdenklich ins Unendliche fokussiertem Blick, aber nur solange bis sie zu dem Songwriter, Sänger und Gitarristen Alex rüberschaut. Dann stimmt er mit ein und die beiden singen wieder so harmonisch zusammen, als hätten sie in ihrem Leben nie etwas anderes getan. Begeistert klatschend fordern die Zuhörer nach dem Abgang der Band eine Zugabe: Lenya und Alex betreten nochmal die Bühne und singen ein a-capella-Stück mit Simon Röckel, Bassist bei Four Sided Cube, ein Universalbasser, der in der ersten Zeit auch bei Bartender’s Eve gespielt hat. Vor kurzem erst hat Daniel Malcher dann das Spiel am Bass übernommen.

{image}Ein paar Minuten später rockt Rainer Döhring im wohlbekannten grünen Parker alleine die E-Gitarre, in Sekunden strömen alle von draußen in den Saal. "Mit dem Rauchverbot riechen wir jetzt alle unsre Körpergerüche und ihr stinkt pervers, wir auch, aber wir stinken quasi von der Bühne über euch hinweg", begrüßt der Sänger und Gitarrist von Four Sided Cube die zahlreichen Fans. Mit diesem Spruch steht er ganz in der Tradition des FESTivals. Denn "vielzuviel Geschwätz", eine Flasche Rotwein, die während dem Auftritt zwischen Bühne und Fans zirkuliert und die kleinen technischen Probleme gehören zu den drei konstitutiven Elementen, die das FESTival jedes Jahr zu einem unvergesslichen Erlebnis werden lassen. Die Musik trägt natürlich auch noch einen kleinen Teil dazu bei: In diesem Jahr sorgen das rockige Blinded und das ruhigere, emotionsgeladene We’ll Sing Lullabies für die ersten Begeisterungsrufe. Beide Songs sind von der mittlerweile vierten Platte 4. Aber die Band spielt auch die beliebten alten Stücke, wie Anymore von dem 2003er Album Bunch of Sides. Im Eifer des Gesangs hat Rainer sich seines Parkers entledigt und rockt The Falling Down. In der ersten Reihe werden Fotos geschossen. Wie viele Groupies passen auf ein Foto? [zahlreiche Fotos vom FESTival finden sich auf fokus-eventphotos.de]

Diese Band fasziniert ihre Fans seit mehr als zehn Jahren, und mit den aktuellen Songs hat sie wieder viele neue hinzugewonnen. Wie bei allen FSC-Auftritten wird das Programm immer wieder von nach The Roller fordernden Schreien unterbrochen. "Ihr habt ja schon Gefallen an Lenya gefunden, die ist für Größeres bestimmt", beschwichtigt der Sänger die Forderungen. Sodann kommt Lenya auf die Bühne und begleitet die Band mit ihrem Gesang bei dem von Country angehauchten Song Home Again. Sie haben sichtlich Spaß, lachen und geben diese Freude auch an das Publikum weiter. Frantic Chanting und God rockt Rainer, wie gewohnt, mit geschlossenen Augen, energetisch und schwitzend, die langen Haare fallen ihm ins Gesicht. "get down on your knees and…". Alle rocken! "Directement" kommt der Roller dann angefahren: Während dem Song tanzen Oliver Kotzan, Gitarrist und Sänger von Skall und Crossbones, und ein Freund auf der Bühne mit. "When the hole world brings you doooooown..." ...you listen to FSC und dir geht’s wieder gut. Soviel ist sicher. Zum Schluss verabschiedet sich Rainer mit den Worten: "Fröhliche Weihnachten und guten Rutsch, habt euch lieb und macht Babies, lasst einfach die Pille weg." Mit einer neuen Weinflasche ausgerüstet kehren die Musiker nach lauten Zugaberufen aber schon bald wieder auf die Bühne zurück. Rainer verkündet folgende Neuigkeit: er steige aus der Band aus... Jedenfalls steht jetzt Simon am Mikro und kündigt ein Stück an, das er bis dato nur auf diversen Lagerfeuern zum Besten gegeben hat. Back in Black, ein Song von einer famosen, australischen Rockband, deren Konzerte auf wunderliche Weise stets eine Sekunde nach Verkaufsstart restlos ausverkauft sind. Das letzte Bild: Rainer hat eine dicke Wollmütze über Kopf und Augen gezogen und rockt mit Lucas an der Gitarre und Olli am Schlagzeug das Haus. Und Simon... ohne Worte! Rock on! Wir sehen uns beim FESTival 2009.

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