Ben Kweller (live in Hamburg, 2008)
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Ben Kweller (live in Hamburg, 2008) Foto: Holger Nassenstein © regioactive.de

Ben Kweller gilt als kleines Wunderkind. Schon als achtjähriges Kind beherrschte er mehrere Instrumente. Mit seiner Musik zwischen Indie-und Folk war der mittlerweile 27-jährige bis vor wenigen Tagen auf seiner Deutschland-Tournee, um ein kleines "Best-Of"-Programm aus seinen bisherigen Alben zu präsentieren. regioactive.de war gleich zweimal vor Ort: Aus Hamburg haben wir Fotos mitgebracht, aus Berlin einen Bericht. Mit seiner Soloperformance erntete Kwelller allerorten viel Applaus.

{image}Musikalische Wunderkinder sind größtenteils aus der klassischen Musik bekannt. Zum Beispiel sah man den österreichische Komponist Wolfgang Amadeus Mozart als solch ein Genie an, und in der heutigen Zeit gilt vor allem der chinesische Pianist Lang Lang aus Ausnahmetalent. Weniger bekannt sind Wunderkinder im Bereich des Indie-Rock. Dass es diese aber auch gibt, weiß man spätestens dann, wenn man den aus Texas stammenden, amerikanischen Songwriter Ben Kweller kennengelernt hat. So hat er, wie seine klassischen Vorbilder, schon in frühester Kindheit das Spielen mehrerer Instrumenten erlernt (Kweller beherrscht Klavier, Schlagzeug und Gitarre) und mit acht Jahren sogar schon seine ersten eigenen Stücke geschrieben. Daraufhin gewinnt er ein Jahr später einen Preis bei einem Songwriting-Contest des Billboard-Magazins. Wenig später spielt er auf seiner Junior High School nicht nur in einer, sondern in gleich drei Bands, die erfolgreich in den lokalen Clubs seiner Heimatstadt Greenville auftreten. 1993 gründet er mit nur 13 Jahren eine weitere neue Band namens Radish. Mit ihnen erhält er einen Plattenvertrag, doch der wirkliche Durchbruch will trotz einigen Charterfolgen nicht gelingen. 1999 löst sich die Band deshalb wieder auf.

{image}Daraufhin entscheidet sich Ben Kweller dazu solo weiterzumachen, zieht nach Broklyn und erschafft dort, an seinem Piano in einer kleinen angemieteten Wohnung, erste Songs, die vom Indie-Sound der neunziger Jahre geprägt sind und unbekümmert wie auch leicht melancholisch klingen. Daraus entsteht die Solo-EP Freak Out It’s Ben Kweller und wenig später sein erstes Album Sha Sha. Eine Support-Tour für den Lemonheads-Kopf Evan Dando, die Strokes und die Moldy Peaches folgen. In letztgenannter Band lernt er auch einen gewissen Adam Green kennen. Heute sind sie gute Freunde. Sein zweites Album On My Way erscheint 2004 und ist etwas ruhiger gehalten als der Vorgänger. Die Songs klingen nun eher nach Folkmusik der sechziger Jahre, als nach dem typischen, von Gitarren geprägten Indie-Sound der neunziger Jahre. 2006 erscheint dann schließlich das bisher neuste, dritte und selbstbetitelte Album Ben Kweller.

{image}Mit diesem war er im gleichen Jahr auch erstmals in Deutschland unterwegs und wurde hier begeistert gefeiert. Grund genug also, um zurückzukehren, unter anderem ins Lido nach Berlin, wo er den Saal zum Kochen brachte. Mit freundlicher Unterstützung eines gemütlichen, etwas dicklichen Freundes mit einer Baseballkappe, der aussieht, als wäre er geradewegs in einer texanischen Bar aufgelesen worden. Dabei war es eigentlich nur sein Busfahrer, der da während des Konzerts ganz lässig und ohne viel Aufsehen die Slide-Gitarre bediente. Und der macht das so gut, dass er am Ende des Konzerts fast mehr Applaus bekommt als Ben Kweller selbst. Der hatte aber eine ebenso großartige Arbeit, oder besser gesagt Performance, abgelegt.

{image}Eine Performance, bei der Ben Kweller vor guter Laune nur so strotzt. Wenn er zum Beispiel breit grinsend die Bühne betritt und erstmal scherzhaft zu einer Flasche Whiskey meint, die er in der Hand hält: "This is whiskey but i am not drunken." Ebenso, wenn er mit der Akustikgitarre in der Hand über die Bühne tanzt, oder sich vielmehr in Pirouetten und auf einem Bein springend über die Bühne bewegt. Wenn er die Akustikgitarre dabei teilweise wie eine elektrische Gitarre erklingen lässt, so dass man manchmal den Eindruck hat, dass nicht nur er alleine mit seinem sitzenden Freund, sondern eine ganze Band auf der Bühne steht. Dazu singt er mit einer an diesem Abend sehr klaren, unbekümmerten Stimme, die vor allem in den ruhigen Momenten an Ausdruck gewinnt. Und auch aus dem Piano versucht er mit kleinen Boogie-Einlagen alles herauszuholen.

{image}Das Publikum wird von den folkigen Melodien jedenfalls sofort mitgerissen und bejubelt jeden Song mit viel Applaus. Ob das nun das stimmige The apartment, das entspannt-lässige I Don’t Know Why, Family Tree, oder aber das am Piano performte How It Should Be von seinem Debütalbum Sha Sha ist. Auch zwei neue, vielversprechende Songs präsentiert er, und bei der sehr euphorischen Zugabe Penny On The Train Track springt nicht nur Ben Kweller tanzend über die Bühne, sondern das Publikum greift ihm auch gesangstechnisch unter die Arme.

Und so kann sich das Publikum schon jetzt auf das neue Jahr freuen. Denn Ben Kweller kündigt in Berlin für das nächste Jahr in großer Vorfreude an, dass im Frühjahr sein neues und damit viertes Album erscheinen wird, und dass er Berlin im Mai mit einem weiteren Konzert beehren möchte. Und zwar dann nicht alleine, sondern mit seiner gesamten Band – was spannend werden dürfte. Denn dann werden die Songs höchstwahrscheinlich nicht akustisch, sondern mit elektrischen Gitarren präsentiert. Der regioactive.de-Tipp lautet also: Hingehen!

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