Prinz Pi

Prinz Pi © CEM

Der Berliner Rapper Prinz Pi und sein Produzent Biztram touren momentan mit den Stuttgartern Maeckes und Plan B sowie mit dem aufstrebenden Casper durchs Land, um den "NeoPunk" unters Volk zu bringen. Der Titel von PIs Ende Oktober erschienenem Album spiegelt bereits die Absicht des Künstlers wieder, sich nicht in traditionelle Rap-Kategorien einordnen zu lassen: Der teilweise intellektuelle, teilweise emotionsgeladene Rap der drei Acts scheint die unterschiedlichsten Menschen anzusprechen.

{image}Als wir am Samstagabend das Café Central in Weinheim betreten, bestätigt sich diese Vermutung. Dreizehnjährige Emos treffen auf HipHop-Heads aus den älteren Tagen. Ein szeneübergreifendes Publikum lässt das Café bereits vor dem ersten Auftritt fast aus den Nähten platzen. Als der charismatische Casper die Bühne betritt, beginnt der Laden gleich zu brodeln. Caspers Erscheinungsbild ist für HipHop-Verhältnisse überraschend unkonventionell. Kleidung und gestylte Frisur erinnern an die Indie-Szene: "Enge Jeans, [..] Hauptsache Friese sitzt!", beschreibt er es selbst in einem seiner Texte. Seine Reibeisenstimme und stellenweise harten Punchlines brechen jedoch auch schnell wieder mit diesem Klischee. Casper ist kein Act, den man sich anhört, während man auf den Headliner wartet. Textsicher unterstützt ihn bouncend seine feste Fanbase von Anfang an bei jedem seiner Tracks. Er nutzt die Textsicherheit seines Publikums geschickt und schafft Gänshautmomente, wenn er beispielsweise bei Die Welt steht still kurz nur der Crowd das Wort überlässt. Auch ältere Tracks wie Kippenpause werden von den Besuchern begeistert gefeiert. Selbst wenn ganz vereinzelt mal ein Reim nicht hundertprozentig tight sitzt, überzeugt und beeindruckt Casper als Live-Act auf ganzer Linie.

{image}Ohne Verschnaufpause kommen anschließend Maeckes und Plan B auf die Bühne. Die beiden sind für ihre guten Live-Shows bekannt, in denen sie ihre Rap-Tracks mit kleinen Theater-Performances kombinieren. Das Publikum begrüßt die beiden Stuttgarter jubelnd, die sich ähnlich wie Casper von Anfang an auf der Bühne des Café Central wohl zu fühlen scheinen. Ihr Track Heiliges Kanonenrohr, den der halbe Saal von Anfang an beigeistert mitbrüllt, zeigt den steigenden Bekanntheitsgrad der beiden Jungs. Das Duo scheint zusätzlich zu seinen Rapskills Schauspieltalent mit in die Wiege gelegt bekommen zu haben. Ihre gewohnten Showeinlagen zwischen den Tracks werden vom Publikum enthusiastisch aufgenommen. Maeckes und Plan B heizen der Menge mit viel Energie ein, und letztere verzeiht ihnen dafür gerne die ein oder andere vergessene Textzeile. Bei White Trash schließlich toben und springen die Weinheimer, sie feiern diese Hymne über verlorene Identität.

Anschließend steigt die Spannung auf den Headliner des Abends. Doch Prinz Pi lässt auch nach technischem Umbau noch einige Minuten warten, bis sein Backup-MC mit Logomaske die Bühne betritt und den Berliner Adel ankündigt. Repetitiv schallt sein Name im gebrüllten Chor durch den Saal. Die Strategie funktioniert, denn als der ehemalige Prinz Porno dann schließlich die Bühne betritt, rastet die Menge aus.

{image}Mit (einem) Donnerwetter und Instinkt beginnt der Westberliner sein "NeoPunk"-Rap-Feuerwerk, und die Crowd jubelt ihm erwartungsvoll entgegen. Prinz Pi hat nicht nur seinen Produzenten Biztram mit auf seiner Tour, sondern er hat auch einen eigenen Abmischer mit im Gepäck. Das macht sich bezahlt: Obwohl das Café Central mit so vielen Menschen nicht leicht zu beschallen ist, waren auch in den hinteren Reihen Beat und Rap harmonisch abgemischt. Der Bass drückt durch den Raum und Prinz Pis Stimme liegt angenehm verständlich darüber. Souverän zieht der erfahrene Rapper seine Show durch und wirkt dabei ein wenig distanzierter als seine Vorgänger. Das ändert jedoch nichts an der Stimmung, die zu diesem Zeitpunkt auf ihrem Höhepunkt angelangt ist. Das Publikum tobt und feiert den Prinzen. Dieser rappt ohne Stolpersteine auf konstant hohem Niveau eine gute Mischung seiner bis dato sieben erschienenen Alben. Nach gut zweieinhalb Stunden geballter Power verlassen die meisten Besucher schweißgebadet und schwer schnaufend das Café Central.

Insgesamt betrachtet war das Konzert der "NeoPunk"-Tour in Weinheim ein erfrischendes Rap-Ereignis der etwas anderen Art. Sowohl die Künstler als auch das Publikum werden wohl mit positiven Gefühlen an diesen Samstagabend in Weinheim zurückdenken.

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