Deerhoof

Deerhoof © Kill Rock Stars

Die seit 1994 bestehende Band Deerhoof ist eine Rockband, die sich besonders durch den Kontrast zwischen der lieblich kindlichen Stimme der Sängerin und dem schroffen Gitarrensound auszeichnet. Ein Klang, der sich live zu einem wahren Gewitter ausbreitet. Das konnte man auch am vergangenen Mittwoch im Lido in Berlin beobachten.

{image}Wenn der Simpsons-Erfinder Matt Groening, die 2004 verstorbene Radiolegende John Peel, die Yeah-Yeah-Yeahs-Sängerin Karen O und auch Sonic Youth gemeinsam zu den Fans einer Band zählen, muss die Musik dieser Gruppe dann nicht zwangsläufig interessant sein? Bei der in San Francisco gegründeten Band Deerhoof scheint diese beinahe rhetorische Frage mit einem klaren "Ja!" beantwortet werden zu können. Seit nunmehr 14 Jahren erschaffen sie einen Sound, den man irgendwo zwischen psychedelisch experimentellem Sixtiesrock, Progressive-Rock und Noiserock einordnen kann. Oder, um es allgemeiner zu sagen: Ihre Musik klingt wie experimenteller Indierock, der vor allem durch den stetigen Wechsel und dem Kontrast zwischen der hellen, brüchigen, piepsenden Stimme der japanischen Sängerin Satomi Matsuzaki und dem schroffen Gitarrensound bestimmt wird.

Die beide Gitarristen Ed Rodriguez und John Dietrich bearbeiten voller Leidenschaft und Energie die Instrumente, und sie wetteifern um die besten Klänge. John Dietrich sieht man in seiner Mimik immer die Emotionen an, die durch die Musik in ihm ausgelöst werden. So zeigt er mal große Entschlossenheit, dann wirkt er gequält und an einer anderen Stelle scheint er einfach nur vor sich hin zu träumen. Man sieht ihm äußerlich an, dass er mit sich und der Musik kämpft. Ed Rodriguez wiederum wirkt zunächst äußerlich lässiger und lächelt stetig in Richtung Band oder Publikum. Dann explodiert er aber auch und versucht die besten Klänge aus seiner Gitarre herauszuholen, auch wenn er seine Gitarre dann in gebückter Stellung über seinen Rücken halten muss. Die beiden Gitarristen gönnen sich nur kurze Verschnaufpausen, und diese werden dann hauptsächlich von dem im Stop-and-Go-Tempo vorgegebenen Rhythmus des Schlagzeugers – dem einzig verbliebenen Deerhoof-Gründungsmitglied – Greg Saunier vorgegeben.

{image}Die Sängerin und Bassistin Satomi Matzuki wirkt dagegen fast etwas zu niedlich. Man glaubt kaum, dass sie es mit diesem Soundgewitter aufnehmen könnte. Aber denkste: Sie nimmt liebend gerne an dem Zirkus teil und springt und hüpft mit ihren nur 1,40m Größe wie ein Grundschulkind um Ed Rodriguez herum. Und wenn sie dann ihre lieblich piepsende, kindliche und mit starkem Akzent versetzte Stimme anstimmt, kann sie sowieso jeden in Trance versetzen. Zum Beispiel, wenn sie die Hits Perfect Me und +81 vom 2007er-Album Friends Opportunity anstimmt, oder aber auch, wenn die Band ältere Songs wie Milk Man oder The Tears And Music Of Love performt.

Das Konzert von Deerhoof endet schließlich, nach gut einer Stunde, mit einem neuen Song namens Basket Ball Get Your Groove vom aktuellen Album Offend Maggie. Es war eine Stunde, die in rasantem Tempo vorüberging. "Schade!", mag man sich da denken, aber dafür ist dies auch oft ein gutes Zeichen für ein gelungenes Konzert. Oder in diesem Fall sogar für drei wunderbare Auftritte. Denn den Abend hatten zwei ebenso tolle Bands namens Hawnay Troof und Parenthetical Girls eingeläutet. Erstere bestand aus einem Solokünstler, der sich für das Konzert noch einen Freund hinzugezogen hatte und mit einem freakigen Gemisch aus HipHop und Elektro aufwartete. Und die zweite Band konnte mit einem Sound aus experimentellem Indierock a là Arcade Fire und Xiu Xiu begeistern. Vor allem von Parenthetical Girls wird man in Zukunft mit Sicherheit noch viel hören. Und überdies: Damit wäre auch der Kreislauf zu Deerhoof wieder geschlossen. Denn dessen Schlagzeuger Greg Saunier ist bekanntlich Dauergast auf den Alben vom Xiu-Xiu-Mastermind Jamie Stewart.

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