Orishas

Orishas

Wer auf Abwechslung steht, war an diesem Abend in der Münchner Tonhalle genau richtig aufgehoben. Neben Reggae und Electronic gab es auch exzellenten HipHop aus Kuba. Als Support für den eigentlichen Mainact Orishas waren die Berliner Ohrbooten, die Münchner Jungs von Les Babacools und die aus London stammenden Stereo MCs am Start. Sofern man im Falle der Stereo MCs überhaupt von einem Support-Act sprechen darf. Sie hätten ihr eigenes Konzert verdient gehabt.

{image}Als erster Einheizer betrat an diesem Abend das Reggae-Quartett der Ohrbooten um Sänger Ben die Bühne. Mit ihrem, wie sie selbst sagen "Gyp-Hop" – einer Mischung aus Reggae, Ragga und HipHop – legten sie einen gelungenen Einstieg hin. Gute Live-Musik mit einer jungen Band, von der man in Zukunft mit Sicherheit noch mehr hören wird. Wer die Jungs noch live erleben will, hat diesen Dezember auf diversen Berliner Reggae-Jams die Möglichkeit dazu, oder man legt sich einfach ihr aktuelles Album Babylon bei Boot zu, das auf dem Label der Toten Hosen (JPK) erschienen ist.

Nach einer kurzen Pause hatten dann die Locals, Les Babacools, Gelegenheit sich ihrem heimischen Publikum zu präsentieren. Mit ihrem auf Spanisch singendem MC Caramel und dem englischen Sänger Lobster lieferten sie ein solide Performance ab. Das Münchner Publikum, wie sollte es anders sein, gab sich die größte Mühe die siebenköpfige Reggae-Band nach bestem Willen zu unterstützen und machte ordentlich Lärm.

{image}Als hämmernde Bässe und klassische Synthie-Beats aus den Boxen gedonnert kamen, wusste man was die Stunde geschlagen hatte. Die Stereo MCs mit ihrem neuen Album Double Bubble waren bereit, um vor den Orishas noch mal so richtig Gas zu geben. Die Kombo gibt es bereits seit 1985, bestehend aus Sänger Rob Birch, DJ Nick Hallam, Drummer Owen If und den beiden Sängerinnen Cath Coffey und Rachel Birch. Mit ihren klassischen Hits wie Elevate my mind oder Connected zeigten sie, warum sie für ihre Liveauftritte so bekannt sind. Sie boten einen wirklich sensationell energiegeladenen Auftritt, mit elektronisch durchzogenem HipHop. Besonders Sänger Rob Birch war anzumerken, wie viel Spaß er selbst an seiner eigenen Musik und an Live-Auftritten hat. Kaum zu bremsen sprang er von einer Seite der Bühne zur anderen, immer unterstützt von seinen beiden Vocal-Sängerinnen, die ihn mit kleinen Tanzeinlagen unterstützten. Dem Publikum merkte man allerdings nach ein paar Tracks der MCs an, dass es langsam unruhig wurde. Und leider skandierten die Leute in den Liedpausen immer vehementer und lautstärker nach den Orishas. Birch aber ließ sich davon kaum beunruhigen und zog das Programm bis zum Ende souverän durch.

Nachdem schon ein paar Stunden unterhaltsam ins Land gezogen waren, bekam die Crowd schließlich ihre Lieblinge zu sehen: Drei Kubaner, die sich im Exil in Paris kennengelernt hatten und nun im Zuge ihrer "Cosita Buena"-Tour (gleichzeitig der Name ihres neuen Albums) in München gelandet waren. Ein starker, gefühlsbetonter Auftritt mit viel Herzblut und südamerikanischen Klängen. Einem guten Mix aus klassischer kubanischer Musik (Son und Bolero) und modernen HipHop-Beats. Sie boten die komplette Bandbreite. Gute Rap-Parts der beiden MCs, Ruzzo und Yotuel, sowie den Gesang von Roldán, der die Orishas erst zu einem außergewöhnlichen Act macht. Neben ihren Hymnen Represent und Qué Pasa? durfte natürlich auch die Ballade El Kilo nicht fehlen.

{image}Was dabei vor allem dem weiblichen Publikum gefallen haben dürfte und bei den Herren der Schöpfung wohl eher etwas Neid hervorgerufen hat, waren die  typischen Latino-Hüftschwünge, die in Perfektion von allen Dreien auch ausgiebig zelebriert wurden. Trotzdem sind auch die anwesenden Männer auf ihre Kosten gekommen, denn bei der schwungvollen Musik der Orishas kann man einfach nicht schlecht drauf sein. Auch wenn sich ihre Texte hauptsachlich um ihre Heimat Kuba und die Geschehnisse auf der Karibikinsel drehen, verpacken sie ihre Inhalte zumeist in gute Partytracks. Insgesamt kann man von einem rundum gelungenen Abend sprechen. Einzig an der Zusammenstellung des Programms könnte man vielleicht Kritik üben. Zwar ist jeder Act für sich alleine eine Wucht, aber die Konstellation war einfach nicht harmonisch. So fiel der Übergang von den Stereo MCs mit ihrem für Engländer typischen leicht elektronisch angehauchtem Style, zu den Orishas doch etwas schwer aus, und die Stereo MCs hätten wahrscheinlich eine größere Wertschätzung erfahren, wenn sie ein separates Konzert gegeben hätten.

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