Nneka (live in Mannheim, 2008)
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Nneka (live in Mannheim, 2008) Foto: Simone Cihlar © regioactive.de

Mit ihrer ganz eigenen Mischung aus Reggae, Soul und HipHop, die sich jeglicher Kategorisierung entzieht, trat die gebürtige Nigerianerin Nneka am vergangenen Samstag in der Alten Feuerwache in Mannheim auf. Mit im Gepäck hatte sie nicht nur die Supportband Gastone, die sie auf ihrer Tour begleiten, sondern auch den Rapper Genda. Hier lest ihr unseren Konzertbericht und findet eine Galerie mit Live-Fotos des Abends, mit Nneka, ihrer Band und Gastone.

{image}Zunächst wärmte die Frankfurter Band Gastone, die Nneka auf ihrer No Longer at Ease Tour zum gleichnamigen Album begleiten, das Publikum mit gelungenem Acoustic-Pop auf. Deren deutsche Songs mit Titeln wie Da draußen gibt es mehr gefielen dem Publikum sichtlich und animierten zum Mitsingen. Nach wenigen Minuten Umbaupause betrat der Gitarrist die leere Bühne und spielte ein Solo, bis sich allmählich auch der Rest der Band einfand und sich der Sound vervollständigte. Aus dem Off konnte man schon Nnekas Stimme hören, bis sie schließlich singend ins Scheinwerferlicht trat. Die Zuschauer reagierten begeistert, als die Sängerin im Anschluss an die ersten beiden Lieder das Publikum begrüßte und ihre Band – bestehend aus Keyboard, Gitarre, Bass und Schlagzeug – vorstellte.

{image}Obwohl die gebürtige Nigerianerin bereits seit mehreren Jahren in Hamburg lebt, stellte sie ihre Lieder ausschließlich in afrikanischem Englisch vor. So auch den dritten Song Can’t We, den sie als mutmachende Hymne in jeder Lebenslage beschrieb. Spätestens jetzt war auch dem Letzten klar, dass in der kleinen, schmächtigen Sechsundzwanzigjährigen eine unglaublich kräftige und tonsichere Stimme wohnt. Doch auch ihr Bassist blamiert sich am Mikrofon keineswegs, was er in einer ganz eigenen Gesangseinlage unter Beweis stellen durfte. Zum Dank wurde er vom Publikum gebührend gefeiert. Der soulige Rhythmus mit Elementen aus HipHop und Reggae ging nicht nur schnell ins Ohr, sondern offensichtlich auch in die Beine, da an den Rändern des Besucher-Pulks mit fortschreitender Stunde zunehmend getanzt wurde. Dann wurde es aber mit The Uncomfortable Truth etwas ruhiger – ein Lied über die Art von Liebe, die ehrlich und bedingungslos ist; die nicht Besitz beansprucht und nicht verletzt. Nneka sang davon mit solcher Überzeugung und Leidenschaft, dass man ihr als Zuhörer förmlich an den Lippen hing und jedes Wort glaubte. Im darauffolgenden Come with me, bei dem sie sich selbst auf der Gitarre begleitete, wurde deutlich, dass hinter den leichten Klängen der Lieder, genau wie hinter der zierlichen jungen Frau selbst, viel Ernsthaftigkeit und Schwere steckt. Denn der Text des Liedes thematisiert die Missstände und die Ausbeutung Afrikas, die Nneka während des Konzertes immer wieder anspricht. Und auch mit ihrer T-Shirt Aufschrift "Africa is the Future" weist sie darauf hin. Vorwiegend in den Lyrics des zweiten Albums der Sängerin, No Longer at Ease, setzt sie sich mit ihrer Herkunft und den Verhältnissen in ihrer Heimat Nigeria, wo sie die ersten 18 Jahre ihres Lebens verbrachte, auseinander – mit der Absicht den Rest der Welt darauf aufmerksam zu machen.

Den gleichen Ton sollte gleich im Anschluss Torture anschlagen, wenn da nicht ein, offensichtlich von den Ausführungen Nnekas über die Verbrechen an Afrika gelangweilter, Zuschauer gewesen wäre. Dieser zog mit "Action"- und "Spiel mal"-Rufen die Aufmerksamkeit der sympatischen Musikerin auf sich, die ihn dann auch prompt auf die Bühne holte. Nach einer kurzen Unterhaltung entließ sie ihn dann aber wieder, da es ihr wichtiger war mit dem Programm weiter zu machen, und sie nahm den Zwischenfall mit Humor. Begleitet von melodischem Bongospiel fuhr sie mit kritischen Klängen zur Korruption in der Welt und sogenannten VIPs fort, die sie aber für nichts als "vagabonds in power" hält.

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Nach den ersten fünfundvierzig Minuten der Performance verließ die Afrikanerin kurzzeitig die Bühne, um ihrem Kollegen und Freund Genda das Mikrofon zu überlassen. Dieser bezeichnete sich als Storyteller und begann auch gleich rappender Weise eine Geschichte zu erzählen. Danach kam aber auch Nneka schon wieder dazu, und beide boten im gelungenem Zusammenspiel das zweite Lied dar. Genda verabschiedete sich wieder und nach zwei weiteren Songs ertönten die Klänge von Heartbeat aus den Boxen, dem wohl bekanntesten Titel des letzten Albums, und es schien, als habe die Menge nur darauf gewartet. Es wurde ausgelassen getanzt und laut mitgesungen – nahezu alle schienen den eingängigen Text zu kennen. Das Finish des Konzertes in der Feuerwache stellte der Song God of Mercy aus Nnekas ersten Album Victim of Truth dar, während dem sie singend von der Bühne ging und ihre Band alleine zu Ende spielen ließ. Nach langanhaltendem, beharrlichem Applaus, ließ sich Nneka zusammen mit Genda für ein letztes Duett nochmal hervorlocken. So endete ein schöner Abend mit Beautiful Day.

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