Tomte (Fest van Cleef 2008, Mannheim)
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Tomte (Fest van Cleef 2008, Mannheim) Foto: Marco Di Salvo © regioactive.de

"Tomte Tummetott" - so heißt ein Kinderbuch von Astrid Lindgren und so hieß zu Beginn auch die norddeutsche Band, die jetzt - der Einfachheit halber - nur noch Tomte genannt wird. Thees Uhlmann ist Sänger sowie kreativer Kopf von Tomte. Wir trafen ihn am Nachmittag des 5. November im Hannoveraner Capitol, wo das erste Konzert der Tour stattfand, und sprachen mit ihm über das neue Album "Heureka" sowie darüber, ob er gerne mal beim "Perfekten Promidinner" mitmachen würde.

{image}Ende August 2002 gründet Thees Uhlmann zusammen mit Marcus Wiebusch und Reimer Bustorff von Kettcar das Label "Grand Hotel Van Cleef". Tomte rufen später mit weiteren Kollegen, wie dem Schauspieler Jürgen Vogel, die Hansen Band ins Leben, die die Hauptrolle im Kinofilm "Keine Lieder über Liebe" spielt. Nach Tomtes 1998 erschienenem Debütalbum Du Weißt, Was Ich Meine, dem 2003er Release Hinter All Diesen Fenstern und dem sehr erfolgreichen Buchstaben über der Stadt von 2006, erschien im Oktober das neuste Werk: Heureka. Die dazugehörige Tour startete in Hannover (alle Dates), und dennoch fand Thees Uhlmann die Zeit für das folgende Interview.

RA: Hallo Thees, wie geht es dir?

Thees Uhlmann: Es geht mir hervorragend!

Gut angekommen in Hannover?
Es ist schön, wenn man aufwacht und so durch Hannover fährt.

{image}Heureka ist von 0 auf Platz 9 eingestiegen. Wie war das für euch?

Es ist natürlich nicht so einfach im Oktober eine Platte zu veröffentlichen, wie im Februar. Das ist eine ganz andere Nummer, aber wir wollten das machen. Wir wollten es uns selbst beweisen. Und als es dann soweit war, das war schon ein mördermäßig gutes Gefühl. Und ich weiß, wie hart alle dafür gearbeitet haben. Bei mir ist das auch so: Leute, die hart arbeiten, sind meine Freunde.

Wenn man das neue Album mit seinen Vorgängern vergleicht, dann stellt man fest, dass du sehr viel höher singst. War das eine große Umstellung für dich?

Nee. Wir spielen zum Beispiel einen Song von unserer dritten Platte, Neulich als ich dachte. Früher musste ich dabei mit der Stimme sehr pressen, um diese Stimmlage zu erreichen. Das ist lustigerweise über die Jahre so geworden, dass ich das wirklich einfach singen kann. Woran das liegt, weiß ich auch nicht. Mir bringt Singen inzwischen Spaß. Früher hatte man Angst davor, ob sich das gut anhört, wie man so singt. Inzwischen gefällt mir das, was ich und wie ich singe, so dass ich keine Angst mehr vor mir selbst habe.

Würdest du sagen, dass Heureka nicht Heureka wäre, wenn du noch in Hamburg leben würdest?

Das ist mal eine Frage. Die Musik ist egal, aber die Texte sind schon Berlinmäßig. Aber das ist auch ganz normal. Da hätte ich, glaube ich, auch nach Hannover ziehen können oder sonst irgendwo hin, weil mich immer das inspiriert, was mich umgibt. Berlin ist halt ein inspirierender Ort, ob das jetzt gut oder schlecht ist. Es ist halt einfach so.

Warum gibt es 2 verschiedene Versionen von Voran voran auf dem Album?

Weil die letzte Version, also die laute, die Ursprungsversion ist. Dann haben wir im Studio Musik gemacht und wollten einfach auch gerne eine Ballade haben. Zum Beispiel den Song Es ist so, dass du fehlst empfinde ich nicht als Ballade, sondern als ein ruhiges Stück. Weißt du, was ich meine? Dann haben wir in diese Richtung gedacht. Wir wollten das unbedingt.

Deshalb ist es also zweimal auf der Platte?

Ja, weil wir die alte Version so lieb gewonnen haben, wollten wir sie nicht einfach verschwinden lassen, und den anderen Song nicht sterben lassen. Ich habe eine starke Beziehung zu meinen Songs. Früher hat man oft einfach so Songs geschrieben, aber jetzt bedeuten sie mir wirklich viel. Das Orchester spielt einen Walzer, da könnte ich hier mit einem Edding wie ein Irrer den ganzen Raum damit vollkritzeln, was sich dahinter versteckt. So war das früher nicht.

{image}Kettcar spielten sieben Mal hintereinander in Hamburg. Könntet ihr euch das auch vorstellen?

Nee. Gestern hat Marcus Wiebusch nochmal gefragt: "Ey Thees! Sag mir mal, wie du am Anfang die Idee fandest, dass wir 7x in Hamburg spielen!" Marcus hatte mir von der Idee erzählt und ich antwortete ihm zunächst: "Wiebusch, das ist doch Quatsch, das ist doch Scheiße! Mach das doch nicht!" Dann war es aber das Beste, was Kettcar jemals gemacht haben. Ich habe das erst überhaupt nicht geblickt. Aber jetzt bin ich natürlich stolz wie Bolle, ne! So etwas kann man nur einmal machen. Wenn man das dann nachmacht, ist man einfach nur ein Nachmacher! Das ist halt das geile, wenn man eine gute Idee hat, sozusagen.

Am 4. November gab es ein Aufwärmkonzert im Knust in Hamburg, für das man die Karten allerdings nur gewinnen konnte. Wie kam es dazu?

Unsere Konzerte sind jetzt aufwändiger, denn bei der Band hat sich viel getan: Wir mussten ein Klavier integrieren, das auch zum Sound passt. Dann noch mit Cello auf der Bühne, in dem zweiten Block beim Konzert. Wie hört sich das an, wie integriert man das auf die Bühne, wie spielt man das...? Im Enddefekt muss man es mindestens einmal live ausprobieren, damit man weiß, wie es sich anhören soll. Das ist das eine, also einfach eine technische Probe, einfach einmal den Ablauf durchspielen. Dann weiß ich, dass das Forum (gemeint ist das Online-Forum beim Grand Hotel van Cleef; Anm.d.Red.) echt einfach wahnsinnig viel Gas gibt. Mir ist bewusst, dass die Leute den Scheiß, den ich im Blog schreibe, dass die das lesen. Manchmal muss man dann einfach versuchen, etwas zurück zu geben.

Und wie war das Konzert für euch?

Herrlich! Im Knust zu spielen, das bedeutet mir sehr viel.

Wie werden die Vorbands ausgesucht?

Danny, der Typ, der unsere Gitarren stimmt und unser Booker ist, war mit The Weakerthans auf Tour und Novillero haben dort auch mitgespielt. Haben sich gut verstanden und er meinte: "nehmt die mal mit!"

{image}Bei welcher Band würdet ihr denn gerne als Vorband auftreten?

Bei Novillero in Kanada. Mir fällt jetzt auch keine ein, ehrlich gesagt. Es gab mal ein Zeitfenster in meinem Leben, 4 Tage lang, ein sehr schönes Zeitfenster. Da war im Gespräch, ob ich Unplugged-Vorband vor Oasis mache, beim Kölner Konzert. Angeblich gibt es eine E-Mail, in der die Engländer geschrieben haben: "Das wäre doch cool, wenn Thees das macht!" Ist leider nicht so gekommen, aber im Endeffekt geht es darum, sich gut zu verstehen und zusammen Kunst zu machen.

Es gibt ja noch andere Sänger in der Band, wie Max und Simon. Würde da mal ein Duett in Frage kommen?

Duett ist ja was anderes, als zusammen zu singen. Wir arbeiten schon daran. Bei manchen Stellen will ich gerne, dass Simon mehr mitsingt. Ansonsten fällt mir jetzt auch nur Ina Müller ein, weil ich die wahnsinnig unspießig finde, und weil sie eine tolle Stimme und eine große musikalische Auffassungsgabe hat. Und sie ist extrem "hot"! So etwas habe ich, glaube ich, auch noch nie in einem Interview gesagt.

Privat bist du des Öfteren auf Konzerten anzutreffen. Dein bisheriges Highlight 2008?

(Thees überlegt lange)

Conor Oberst?

Fand ich scheiße.

Metallica?

Fand ich auch scheiße!

Beatsteaks?

Die fand ich gut.

Je länger das Konzert von Leonard Cohen zurück liegt, umso beschissener fand ich das auch. Das war super, aber im Enddefekt war es auch total beschissen. Hätte er mich vorher doch angerufen und gefragt: "Wie bringe ich das alles möglichst stilvoll rüber?" Das hätte ich ihm gesagt, wäre besser geworden, denn es hat sich angehört, als würde er in einer ostdeutschen Gothicband mitspielen. Das gibt es doch gar nicht! Wie kann man so dämlich sein! 150 Schleifen hat mich das gekostet, aber zweite Reihe! Aber war natürlich schon toll..., Leonard Cohen ... dass man so lange würdevoll Musik machen kann...

Im Tomteblog stand mal, das du gerne beim "Perfekten Promidinner" mitmachen würdest. Was würdest du deinen Gästen auftischen?

Ich glaube, ich habe nicht geschrieben, dass ich da gerne mitmachen würde. Sondern eher nur, wie lustig das wäre. Letzte Woche kam dann wirklich die Anfrage und ich habe abgesagt.

Warum?

Weil es zu trashig ist! Ich meine, es wäre wahnsinnig geil auf der einen Seite. Aber auf der anderen Seite ist es auch einfach zu trashig. Wenn man sich die Gäste selbst aussuchen könnte, wäre es okay. Was ich kochen würde? Kürbissuppe mit Kastanien. Hauptgang Risotto Milanese. Wenn vegetarisch, dann mit Süßkartoffeln oder einfach Saltimbocca. Nachspeise weiß ich nicht. Nachspeise ist Bier! Bier, Bier, Bier! Nachspeise, was macht man denn da? Geeiste Beeren oder so etwas.

Welche anderen Promis würdest du dabei haben wollen?

Boris Becker, Gundula Gause, Conor Oberst.

Welches Album wird auf Englisch eingespielt oder wird es ein "Best of" werden?

"Best of"! Wir wollen uns den Briten und Amerikanern möglichst gut präsentieren.

Könntest du dir eine Lesetour mit Olli Schulz vorstellen?

{image}Olli Schulz und ich sind extrem eng. Jetzt hat er gerade so Plattenmäßig rumgemacht, ich war auf Promo. Wir rufen uns an und innerhalb von Sekunden weiß er genau, wie ich drauf bin. Er weiß genau, was ich denke. Das ist bei ihm und das ist bei mir, glaube ich, ziemlich ähnlich. Ich kann ihn riechen, sozusagen. Ich weiß genau, was er denkt. Und das ist faszinierend, so jemanden zu kennen.

Also könntest du dir das vorstellen? 4 Stunden quatschen?

Das wäre auch mal was. Ich meine, man muss die Leute quälen, die einen hassen. "Thees Uhlmann und Olli Schulz unterhalten sich". Stell dir das mal vor! Das ist eigentlich ganz geil. "Nichts mit Lesung: Thees Uhlmann und Olli Schulz unterhalten sich!"

Darf man denn mal auf eine Live-DVD hoffen?

Wäre das denn gut oder wäre das schlecht?

Es wäre gut!

Ich weiß das immer nicht. Wenn man das macht, dann muss es halt echt fett aussehen! Es muss gut aussehen. Es muss eine Idee dahinter sein und noch viel mehr. Aber fast würde ich denken, ob man nicht lieber eine Live-CD machen sollte. Wie Bis zum bitteren Ende der Toten Hosen. Ich denke mal darüber nach.

Du bist ja nun Vater. Ist es da schwerer, auf Tour zu gehen?

Es ist schwer auf Tour zu gehen, weil ich Vater bin. Früher war es überhaupt nicht schwer. Wobei... jetzt ist es auch nicht schwer, weil ich weiß: wenn ich nicht auf Tour bin, dann kann ich mehr Gas geben, als andere berufstätige Leute. Es nervt mich einfach nur. Man weiß, man könnte was tun, kann aber eben für eine gewisse Zeit gar nichts tun, weil man weg ist.

Würdest du noch einmal, wenn du die Möglichkeit dazu hättest, als Schauspieler vor der Kamera stehen wollen?

Nein! Jürgen Vogel rief mich neulich an und hat mir zur Platte gratuliert: "Hier ist Hansen! Ich wollte nur sagen, die neue Platte! Richtig geil!" Das hat mich sehr gefreut. Ich stehe halt wahnsinnig gerne auf der Bühne und mache da Remmi Demmi und zieh mich aus, lasse mich von Dennis Becker über den Boden ziehen und mit Rotwein besudeln. Das ist überhaupt kein Problem. Aber mit der Hansen Band haben wir so Sachen in der Öffentlichkeit gefilmt. "Geht da mal längs, durch die Fußgängerzone!" Und ich habe gemerkt, wie mir das den Hals abschnürt. Ich möchte andere nicht mit meiner Anwesenheit belästigen. Außerdem bin ich auch kein guter Schauspieler. Was ich aber schon schauspielern könnte, das wäre ein Behinderter. Sowas könnte ich.

Das war es auch schon, Thees. Vielen Dank für das Interview!

Alles klar!

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