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Black Kids (live im Lido Berlin 2008)@ Nicole Richwald © regioactive.de

Verspielter Synthie-Pop der 80er Jahre. Für diesen Musikstil steht die im März 2006 gegründete, amerikanische Band Black Kids aus Jacksonville in Florida. Mit ihrem Debütalbum "Partie Traumatic" sind sie nun erstmals auf Deutschland-Tournee und machten dabei in der vergangenen Woche auch im Berliner Club Lido Station. Also wie war es auf der Premieren-Tour?

{image}Die 5 Bandmitglieder um das farbige Bruder-Schwester-Paar Reggie Youngblood (Gesang) und Ali Youngblood (Keyboard), sowie Dawn Keatley am Keyboard, Owen Holmes am Bass und Kevin Snow am Schlagzeug, veröffentlichten ihre Musik zunächst nur über das Internet. Derselbe Weg also, den auch die britische Gruppe Arctic Monkeys damals für die Verbreitung ihrer Musik nutzte. Der Werdegang der Black Kids lässt sich ähnlich beschreiben wie jenes ihrer britischen Kollegen. So wurden auch sie von US-Blogs entdeckt, die von der Musik auf der aus vier Songs bestehenden Online-EP Wizard Of Ahhhs so begeistert waren, dass dieser mal wieder mit dem berühmten Wort "Hype" umschriebene Erfolg im Jahr 2007 auch die Ohren verschiedener Plattenfirmen hellhörig machte. Zu den Interessenten gehörte u.a. das Major-Label Sony/Columbia, das mit den Amerikanern schließlich einen Vertrag aushandelte und dieses Jahr, unter der Federführung des auch für die Alben von Duffy zuständigen Produzenten Bernard Butler, ein aus sechs weiteren, neuen Songs bestehendes 10-Track-Album Partie Traumatic produzierte.

{image}Der Live-Premiere in Berlin hat Sänger Reggie Youngblood offenbar entgegen gefiebert, das er sich anfangs vielmals dafür entschuldigt, dass die Entscheidung, nach Deutschland zu kommen, solange gedauert hat. Nach diesem Gig wird dies den Black Kids sicher um einiges leichter fallen, das verriet die Mimik der fünf Protagonisten. So schüttelt die Keyboarderin Dawn Keatley zum Beispiel immer mal wieder, mit offenem Mund und scheinbar etwas ungläubig, den Kopf, wenn ihr der begeisterte Jubel des Publikums entgegenbrandet. Denn die Gäste im Lido haben sich es zu Herzen genommen, die Party anzunehmen, die ihnen die Band mit ihrer Musik aus verspieltem, energievollem Synthie-Pop, unterlegt mit Texten über Teenagerprobleme, anbietet. Darunter der im Marschtempo angelegte Hit The Heartbrakes. Wie während des gesamten Konzert imitieren sie hier mit viel Vergnügen den kräftezehrenden Tanzstil des auf der Bühne ständig präsenten und sich bewegenden dünnen Leadsängers Reggie Youngblood. Dessen Stimme, stets im Wechselgesang mit seiner Schwester Ali, ähnelt in seinen hohen Tonlagen erstaunlich stark der Stimme von Robert Smith, dem Sänger von The Cure – nicht die einzige Künstler-und Soundassoziation, die dem Autor an diesem Abend auffällt. So klingt I’ve Underestimated My Charm (Again) anfangs sehr nach Pulp und Morrissey, bevor sich der Song in der zweiten Hälfte wiederum mehr nach der Girlie-Band The Pipettes anhört. Unterstützt wird dieses Assoziationsdenken auch durch den sternenüberdeckten Bühnenhintergrund, der von zwei in violetten Farben leuchtenden Lichtstäben umrahmt wird und die perfekte Atmosphäre für Träumereien bildet. Träumereien über den der Musik etwas ähnelnden Pop-Sound der achtziger Jahre, und Träumereien über Musik von Künstlern, die dem Sound der Black Kids teilweise ähneln.

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Ein Song ist dann auch wirklich nicht von den Black Kids, sondern das Cover eines Liedes ihrer Musiker-Kollegen von The Magnetic Fields. Strange Powers heißt das gute Stück, das sich wunderbar in die selbstgeschriebenen Songs einfügt. Schließlich folgen dann noch weitere eigene Songs, wie z.B. das euphorische und zum Tanzen animierende I’m Not Gonna Teach Your Boyfriend How To Dance With You, bevor mit dem zunächst lässigen Beat und dem dann durch das Schlagzeug vorangetriebenen, angestachelten und mit einer Ohrwurmmelodie angelegten Hurricane Jane das Konzert nach gut einer Stunde zu Ende geht. Kurz, aber ein Abschluss, der die Zuschauer noch einmal mit der Wucht eines Sound-Sturmes trifft und zufrieden entlässt.

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