With Full Force 2008: Die Apokalyptischen Reiter
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With Full Force 2008: Die Apokalyptischen Reiter Foto: Till Schieck © regioactive.de

Unter dem Motto "Reiterfestspiele" sind die Apokalyptischen Reiter 2008 mit ihrer neuen Scheibe "Licht" auf Tour. Wie jedes Jahr hat sich das Quartett rund um den Frontmann Fuchs ein paar Support-Bands gepackt, die sie auf ihren Reiterfestspielen tatkräftig unterstützen. Dieses Jahr waren dies die 2 schwedischen Bands Marionette und Mustasch, sowie die Dortmunder Honigdieb.

{image}Dies war eine breitgefächerte Bandauswahl, wie man schnell feststellten konnte. So spielen Marionette eine Mischung aus Visual Key und Metalcore, während Mustasch eine Art Stoner Classic Rock, beziehungsweise Heavy Metal liefern. Honigdieb hingegen bedienen sich tief im Punk-Topf und vermischen diesen mit ruhigem und rhytmischen Folk-Rock. Klingt zwar nicht alles passend als Reiter-Support, aber für den in Frankfurt wirklich fairen Eintrittspreis konnte der Besucher nichts falsch machen, denn da man allein für die Reiter wahrscheinlich genauso viel ausgeben würde, freut man sich doch über jedes Plus, das man geboten bekommt. Eröffnet haben die sechs Schweden von Marionett mit einem interessanten Bühnenbild und einem ziemlich ungewohnten Outfit. Im Publikum sorgte es für etwas Überraschung, dass die Band in diesem Aufzug die Bühne betrat und einem dann harten Metalcore um die Ohren schlug. Der Sänger, bzw. Shouter, wie man es in diesem Genre nennt, wusste ziemlich genau was er tat und schreite kräftig ins Mikrofon, unterlegt durch schnelle Bassschläge und harte Gitarrenriffs, die regelrecht aggressiv klangen. Noch war die Location nicht ganz gefüllt und die Gäste schienen etwas verunsichert, was sie mit dieser Musik anfangen sollen. Selbst nach einigen Aufforderungen seitens der Band blieb es bei wenigen Leuten, die sich mit der Musik auseinandersetzen wollten, sich auf die Show einließen und mitmachten. Nach knapp 30 Minuten war der Opener zu Ende und die Bühne wurde für Honigdieb hergerichtet.

Die Dortmunder Punker mit dem selbsternannten "King-of-Punk" Sir Hannes traten ohne ihre Flötistin und Chorsängerin Alex auf, was sich jedoch nicht in der Genialität des Auftritts niederschlug. Obenrum nur mit vielen blinkenden Lichtern, einem Pelzmantel und einem Zylinder bewaffnet, heizte Sir Hannes die Meute auf, und es gab sofort ein paar Frankfurter, die sich genötigt fühlten auf den verrückten Sound zu tanzen. Den fehlenden Flöten-Part übernahm Sir Hannes an diesem Abend persönlich, indem er an einigen Stellen mit einer großen Ziehflöte zu Werke ging, was in Kombination mit der Geige den Folk-Touch ausmacht. Sonst bedienten sich die fünf Musiker im Rock- und Metal-Bereich, kombiniert mit anstößigen und humorvollen Texten. Auf Sätze wie "Fick Dich ins Knie Madame, Madame, mich kriegst Du nie Madame, Madame" sollte man vorbereitet sein, sie aber nicht allzu ernst nehmen. Musikalisch bleibt alles hochwertig, sehr interessant und oft regelrecht experimentell. Durch den verrückten Sir Hannes allein, war das Zuschauen schon eine Sache für sich. Nach ebenfalls 30 Minuten, die leider viel zu schnell zu Ende waren, wurde die Bühne für die zweite Band aus Schweden umgebaut.

Mustasch betraten die Batschkapp als typisches Rock- und Metal-Quartett: Sänger, Gitarrist, Bassist und Drummer. Harte Heavy-Metal-Riffs, kombiniert mit Stoner- und Classic-Rock, gaben der Band einen ganz eigenen und interessanten Sound. Jedoch war auch dies alles, wie schon bei Marionett, nicht gerade typisch für eine Vorband der Reiter. Man konnte dennoch spüren, wie sich die Halle merklich füllte, was möglichereise auch einfach dem nahenden Gig der Apokalyptischen Reiter geschuldet war. Mustaschs Auftritt war dennoch überaus interessant. Zu Hören gab es fast nur Clean-Vocals, aber manchmal griff der Sänger auch auf ein leichtes Screamen zurück. Mustasch sind auf jeden Fall eine Empfehlung wert, auch wenn während ihres Sets die Stimmung im Publikum nicht so überzeugend war.

{image}Nach einer etwas längeren Umbaupause war es soweit: Die Apokalyptischen Reiter eröffneten ihren Bühnenauftritt unter riesigem Applaus und mit einem neuen "Keyboardkäfig" für Dr. Pest und die neue Gitarristin "Lady Cat-Man". Zu Beginn klang das Intro sehr nach dem alten Intro der "Riders on the Storm"-Scheibe, war aber ein neues und führte das Publikum geradewegs ins "Licht". Vom ersten Song an herrschte eine super Stimmung in der gesamten Halle und alle kamen recht schnell ins Schwitzen – Stagediver, Crowdsurfer und ein großer Moshpit waren dafür der Hauptgrund. Der Reiter-Frontmann Fuchs sang die Balladen der neuen Alben gefühlvoll und ebenso genial, wie er die Lieder der alten Scheiben growlte. Mit grellen Screams wurde er dabei vom Bassisten Volk-Man unterstützt. Querbeet durch alle Alben, immer wieder ein Track von Licht dazwischen, kämpfte sich die Band durch das brodelnde Publikum und rief sogar zu einer Wall of Death auf – sie geriet zur chaotischsten WoD aller Zeiten. Während Fuchs noch an einer großen Trommel beschäftigt war, rannten einige Leute bereits los, trafen auf eine verwirrte Gegenseite, und rannten wieder zurück. Da waren sie nicht lange allein und die gesamte Meute musste, wohl oder übel durch den Druck von hinten, losrennen.  Auf das "1, 2, 3, 4!" des verwirrt blickenden Sängers erfolgte keine weitere Reaktion der längst moshenden Meute. Die zweite Wall of Death des Abends gelang dann schon besser. Nicht fehlen durfte in Frankfurt auch das kultige Schlauchbootrennen zur "Reitermania". Wie schon so oft bat Fuchs einige weibliche Schönheiten auf die Bühne, um sie nach kurzer Zeit zu Dr. Pest zu schicken, der sie festkettete und bei sich behielt. Obligatorisch auch der Song Die Sonne scheint (… uns aus dem Arsch), bei dem die Fans aufgefordert wurden, "ihre Sonne" zu zeigen. Es kamen aber nur Stagediver auf die Bühne, die sofort wieder ins Publikum sprangen, ohne "ihre Sonne" zu entblößen.

{image}Zu den weiteren Highlights des Abends gehörte ein Gastauftritt der Tourmanagerin von Mustasch, die beim Song Adrenalin – angeblich gewollt – ans Mikrofon gedrängt wurde. Man konnte ihr ansehen, dass sie dabei großen Spaß hatte. Ein zusätzlicher Gastauftritt war dem bereits erwähnten Sir Hannes von Honigdieb vergönnt, der die Reiter auf Bühne mit seiner verrückten Art und seiner Ziehpfeife unterstütze. Im Übrigen ist die neue Gitarristin Lady Cat-Man positiv zu erwähnen, die mit Erfolg in die Fußstapfen von Pitrone tritt.

Nachdem die Apokalyptischen Reiter die Bühne verlassen hatten, wurden sie von der blutrünstigen und verschwitzten Meute zurück gerufen, um eine Zugabe zu spielen. Der letzte Song blieb jedoch Auferstehen soll in Ewigkeit. Zum Abschluss also einen sehr genialen und schönen, wenn auch langsamen Song. Aber den Fans fehlte etwas: Trotz unermüdlichen "Zugabe"- und "Dschingis Khan"-Rufen wurde eben jener Coversong nicht mehr gespielt. Über die Jahre hatte sich die Nummer zum Kult entwickelt. Schon beim Wacken 2007 wurde fast randaliert, als der Band der Strom abgestellt worden war, noch bevor sie zum ersten Takt ansetzen konnte. Abschließend bleibt aber nur eines zu sagen: "Reitermania bis zum Ende", denn sie boten – wie schon so oft – ein super Konzert!

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